Von Feen und Forts

Nach meinem faulen Tag auf dem Bett und dem kleinen Ausflug zum Fußball wurde es doch mal wieder Zeit für eine Wanderung aus dem schönen „Tasty Walks“-Heftchen. Weil ich wegen der verdammten Erkältung immer noch nicht wieder richtig fit bin, entschied ich mich für einen mittelschweren und hintendran noch einen einfachen Spaziergang: von Pleinmont nach Vazon Bay, grob gesehen Walk 4, section 1 und 2. Das waren auch immerhin zwölf Kilometer. Vermutlich ist die Entfernung kürzer, wenn man sich direkt an die vorgegebene Strecke hält, aber ich bleibe ja immer stehen und gucke und staune und gehe Umwege, wenn die spannend aussehen und schöne Bilder versprechen.

Los ging es in der Nähe von Fort Grey, das Shipwreck-Museum schenkte ich mir aber. Ich wollte erst mal ein bisschen Strecke machen, zumal ich nach dem Aussteigen aus dem Bus erst mal eine halbe Stunde im Wartehäuschen stand und wartete (haha), dass der Schnee(!)regen endlich aufhörte.

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Zwischendurch tauchten immer mal wieder überraschend Bunker und Beobachtungsplattformen auf, die die Deutschen hier im Zweiten Weltkrieg in die Landschaft gebaut hatten. Die meisten sind gesperrt, und die, in die man reinkann, sind gruselig. Irgendwie erwarte ich immer, dass da so ein Obersturmbannführer wie aus Indiana Jones auftaucht und mich anbrüllt. Also lieber schnell weiter, zumal die Ebbe sehr viel schönere Dinge zutage förderte:

Verrostetes Zeugs …

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… Muscheln (man beachte die kleinen gelben) …

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… oder diese unfassbar schöne Spiegelung der Wolken im Wasser. Schon Sekunden, nachdem ich das Foto gemacht hatte, kräuselte sich das Wasser schon wieder, und alles war weg. Aber ganz kurz war es da und sah so schön aus, dass mir die Luft wegblieb. Dazu stelle man sich vor, dass es in genau diesem Moment auch noch ganz still war – kein Wasserrauschen, keine Möwen, keinen anderen Menschen, einfach nur Stille und dieser Anblick.

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Ich konnte mich kaum losreißen.

Nach Rocquaine Bay und L’Erée Bay dann doch mal kurz der Blick in einen Bunker.

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Viel schöner dagegen doch „La Creux ès Faïes“, die Feenhöhle, von der die Menschen früher glaubten, es sei der Eingang zu einer unterirdischen Höhle, in der Feen lebten. In Wahrheit ist es ein Grab aus der neolithischen Zeit,  zwischenzeitlich sogar mal ganz profan als Kuhstall benutzt wurde. Nun, wenn es die Milch besser macht …

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Ich bemühte mich, eine besondere Stimmung auszumachen, irgendwas Mystisches zu spüren – aber das französische Kamerateam, das durch die Anlage pflügte, hatte vermutlich die Feen verscheucht.

Weiter ging es schließlich zum L’Erée Headland, von wo man auf die kleine Insel Lihou blicken kann, die nur bei Ebbe zu erreichen ist (die gerade vorbei war, als ich ankam) und wo es natürlich auch wieder Kanonen gibt. Wenigstens aber keine deutschen.

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Damit war der erste Spaziergang auch schon beendet, weiter also mit Teil 2.

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Man beachte, dass inzwischen die Sonne rausgekommen war. Zeit, die Strandfigur vorzuführen.

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Während Moosebert die Zeit für ein erfrischendes Bad nutzte, machte ich ein Picknick und ein Nickerchen in der Sonne. Es war herrlich.

Anschließend dann wieder ein bisschen Kultur: le Trépied Dolmen.

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Im Anschluss verfranzte ich mich ein wenig, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich nicht doch den richtigen Weg genommen hatte. Aber die Karten der „Tasty Walks“ sind nicht sooo akkurat, und beim Herunterladen der Podcasts ging immer was schief. Wenigstens gibt es Wegweiser, haha.

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Irgendwie kam ich aber trotzdem am nächsten Punkt der Tour an, nämlich St. Apollines Kapelle, die erstmals 1392 erwähnt wurde. Eine ganz entzückende Kapelle, mit gerade mal Platz für 14 Leute und noch erhaltenen Wandgemälden aus dem 14. Jahrhundert, die das letzte Abendmahl sowie die Fußwaschungsszene zeigen.

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Weitaus weniger hübsch dagegen: Fort Richmond. Ich hatte es erst für eine weitere Befestigungsanlage der Nazis gehalten, aber es war von den Briten errichtet worden, um sich die Franzosen vom Hals zu halten. Die Nazis vereinahmten es dann wiederum, um sich die Briten vom Hals zu halten. Man kann in den Innenhof der Anlage heruntersteigen, und ich gebe zu, dass ich das an einem trüben Tag nicht gewagt hätte. Bei strahlendem Sonnenschein war die seltsame Stimmung, die über dem Fort liegt, gerade so auszuhalten.

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Also schnell wieder die Treppen hoch und sich angenehmeren Dingen zu gewendet. Der Aussicht über Perelle Bay zum Beispiel, die man mit den zwei Millionen, die Fort Richmond derzeit kostet, gleich mit erwerben kann.

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Noch ein Stückchen weiter kommt man dann zu Vazon Bay, einem Traumstrand, der einst Marschland war. Und – wie man sieht – im April fast menschenleer.

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Man schaut hier auf Fort Hommet, aber das muss ich mir ein andermal anschauen, für heute bin ich fertig.

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Außerdem scheint ja auch schon der Mond.

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Ich bin mal wieder ganz erschlagen von all den Eindrücken. Mit Sturzregen und Schnee hatte der Tag begonnen, er endete im Sonnenschein, es gab so viele Dinge zu sehen. Ich erwähnte mal, dass Guernsey eine fantastische Insel ist?

Song of the Day:


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