Heimreise mit Hindernissen

Wie heißt es so schön? „Leben ist das, was dir passiert, während du gerade dabei bist, Pläne zu machen“?

Man kann auch einfach mit flybe fliegen, da erlebt man auch was. Zum einen einen verspäteten ersten Flug, was aber nicht so schlimm ist, weil man ja in Manchester genug Puffer eingebaut hat, weil man den Saftladen ja inzwischen kennt. Man hat auch was zu lesen dabei, wahlweise kann man sich die schönen Bilder im Flughafen Jersey anschauen.

Irgendwann geht es dann auch los, man kann von oben winken und versprechen, dass man ganz schnell wiederkommen wird:

Man kann im Vorbeifliegen auch alten Bekannten winken und versprechen, dass man auch zu ihnen bald mal wieder vom Boden aus Hallo sagen wird. Hallo, Guernsey:

Hi there, Herm:

Und dann findet man sich gestrandet in Manchester wieder, wo der Weiterflug gestrichen wurde, man ohne Englisch-Kenntnisse komplett am Arsch gewesen wäre. Wo sich zeigt, was für ein absolut bekacktes Krisenmanagement flybe hat, wo einen aber wenigstens die Damen im Nero Café nett behandeln und „my lovely“ nennen.

Wo man nach Ewigkeiten endlich in einem saulauten Hotel einquartiert wird, in dem man die ganze Nacht kein Auge zubringt und statt des Verzehrgutscheins lieber ein Ticket für United gegen City gehabt hätte, aber … ach.

Wenigstens gab es am anderen Morgen am Flughafen was zu schauen und später zu Hause auch was zu trinken.

Und wenn ich zuletzt noch einen Ratschlag geben dürfte: An das sich anzickende Pärchen, dessen Gegenwart mir zunächst den Aufenthalt im Nero Café versüßte und anschließend den Aufenthalt in der Wartehalle am anderen Morgen – tut euch und der Welt einen Gefallen und lasst euch scheiden. Danke.

… und vorbei

Der letzte Spaziergang in diesem Urlaub, es war mir schon ein bisschen wehmütig zumute. Das Gefühl wich aber rasch der Wut, nachdem mich ein Wegweiser in Bonne Nuit Bay in die Irre bzw. einmal im Kreis schickte. Und vor allem einen sausteilen Berg einmal hoch und dann wieder runter. Die Aussicht war auch nicht anders als von unten, sprich, ich hatte unnötig Zeit verbrannt und war wieder genau da, wo ich angefangen hatte. Und in Bouley Bay musste ich doch den letzten Bus kriegen.

Also alles noch mal von vorn:

Dieses kleine Fort dort unten, La Crête Fort, war der eigentliche Grund, warum ich diese Tour überhaupt noch mal machen wollte, vielleicht gab es dort ja was Interessantes zu sehen.

Bei diesem Wegweiser musste ich nicht lange überlegen, ich hatte ja schon einen Aufstieg hinter mir. Also mal ganz faul auf den Lower Path.

Und ganz schnell (*keuch*) war ich dann auch schon in La Crête Fort, was – Überraschung! – heute eine Ferienunterkunft ist, die man nicht besichtigen kann. Ich hätte es wissen müssen.

Was nicht heißen soll, dass ich die Wanderung ernsthaft bereute. Wie könnte man auch nur eine Minute auf dieser Insel bereuen.

Ich finde es hier immer wieder faszinierend, dass man schon kilometerweit im Voraus sehen kann, wo es genau hingeht und auf welchem Weg man die nächsten Minuten oder gar Stunden verbringen wird. Und auch besonders schön, wenn es ständig rauf und runter geht.

Oha, eine Unterkunft in der Wildnis. Aber ich habe genug Zombiefilme und Abenteuerserien gesehen, um zu wissen, dass in einer einsamen Hütte im Wald nie was Gutes zu finden ist. Schon gar nicht, wenn sie „Wolfshöhle“ heißt.

Dass mich der Weg aber nun tiefer in den Wald und von der See weg führte, half nicht, das leichte Unbehagen abzuschütteln. Merke: Weniger Zombiefilme und Abenteuerserien gucken.

Ich weiß nicht, wie oft ich auf dieser Wanderung dachte, hinter der nächsten Bucht müsse aber nun endlich Bouley Bay kommen, bis es dann endlich wirklich soweit war. Übrigens mindestens eine Stunde vor dem letzten Bus. Die ganze Hetze war (natürlich) mehr oder weniger umsonst gewesen.

Ach ja, noch eine Frage an die Reichen unter meinen Lesern (neben der Frage, warum noch keine von euch Senftüten sich als Mäzen*in zur Verfügung gestellt hat): Wer kauft mit mir das Water’s Edge Hotel und bringt es wieder auf Vordermann? Ernstgemeine Angebote bitte in die Kommentare, verbindlichsten Dank.

Und nun war es unweigerlich soweit, noch ein paar letzte Fotos, ein paar Steine ins Wasser schmeißen, noch mal die Hand ins Meer halten, …

… ein letzter melancholischer Blick, …

… dann kam auch schon der Bus, und einer der schönsten Urlaube, die ich je hatte, ging zu Ende.

Aber heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage.

Die vorletzte Etappe

So, hopphopphopp, auf zur nächsten Wanderung des Tages, und zwar ein bisschen zackig, damit wir in zweieinhalb Stunden in Greve de Lecq den Bus nach St. Helier kriegen, damit wir von da den Bus nach Bonne Nuit kriegen, damit wir nach Bouley Bay wandern können, damit wir die Inselumrundung noch komplett machen können.

Verdammt, ich bin jetzt schon außer Atem.

Nee, nix da, Moosebert, nicht hinsetzen, keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit.

Okay, mal kurz Ruinen gucken ist noch drin. Hier waren wir zwar schon mal, aber diesmal sind wir ja von der anderen Seite gekommen.

Und meinetwegen auch noch mal in den Bunker, er ist zwar gruselig, aber auch hübsch bemalt. Also irgendwie.

Und immer wieder rauf und runter, runter und rauf. Im nächsten Urlaub dann aber mal was mit weniger Treppen.

Uff, geschafft, rein in den Bus und auf nach St. Helier, Nickerchen machen wir im Bus.

Hexen hexen

Warum ich eigentlich hierher wollte, weiß ich gar nicht mehr so genau, aber vermutlich hatte ich nur den Namen „Witches‘ Rock“ auf einer Karte gelesen und gedacht, dass das ein Ort ist, an dem ich mich wohlfühlen könnte. Blöderweise kann man heute nicht mehr so nah dran, dass man mit den alten, hässlichen Hexen tanzen könnte, denn heute liegt der Felsen auf dem Areal eines Hotels. Aber mit etwas Geschick kann man wenigstens Fotos machen. Ich weiß jetzt aber nicht, welchen Filter man drüber legen muss, um zu schauen, wo da jetzt genau die Hexen tanzen.

 

Die Zeit, bis der nächste Bus kam, verbrachte ich am Green Island und schaute nun, im Gegensatz zur Ebbe gestern, nicht auf eine Mondlandschaft, sondern auf Wasser, Wasser und noch mal Wasser. Und mit ein bisschen Fantasie schimmerte es sogar grün.

Hier hätte ich gern noch mehr Zeit verbracht, aber, aber, aber – am letzten Tag wollte ich gerne noch zwei Wanderungen machen und an weiteren Orten aufs Wasser schauen, an denen ich bisher noch nicht gewesen war. Ich war im reinsten AufsWasserschauenmüssen-Stress.

Vom Meer auf den Mond

Jetzt müssen wir uns aber langsam mal beeilen, um in den letzten zwei Tagen alles unterzukriegen, was hier noch zu sehen ist. Ich hasse diese Panik am Ende des Urlaubs, wenn einem klar wird, dass man all das Schöne, das es noch gibt, nicht in den letzten Stunden wird unterbringen können.

Aber an so einem schönen Tag wollen wir uns mal nicht stressen lassen. Ich begann meine heutige Tour am St Catherine’s Breakwater, ging aber diesmal nicht nord-, sondern südwärts, Richtung Gorey Castle. Das war mein Ziel für heute, dort angekommen, wollte ich spontan entscheiden, ob ich mit dem Bus nach Hause fahren oder weiter laufen wollte.

St Catherine’s war heute nicht annähernd so beschaulich wie beim ersten Mal, als ich hier gewesen war, es fand nämlich eine Regatta oder Ähnliches statt, was die Aussicht auf die Bucht noch schöner machte. Aber das hab ich ja auf den Kanalinseln schon öfter erlebt – immer, wenn man denkt, ein Anblick kann nicht mehr malerischer werden, klebt irgendwer ein Segelboot aufs Meer. Oder wie in diesem Fall gleich mehrere.

Der Wanderweg führte mich aber schon bald ein Stück vom Meer weg und anscheinend direkt zu Bilbo Baggins‘ Haus. Ich traute mich aber nicht zu klopfen, vielleicht waren die Zwerge ja grad bei einem Gelage, denen will man ja nicht in die Quere kommen.

Und immer wieder erlaubten die Bäume einen Blick aufs Wasser. Ich weiß nicht, ob es das Grün der Bäume ist, das das Blau des Meers so ganz anders strahlen lässt. Wie grüner Lidschatten über blauen Augen. Oder so. Möglichweise war ich aber auch einfach dehydriert.

Mir wurde ja auf Reisen schon mal vorgeworfen, ich fotografiere zu viel, aber ich mag es einfach, eine Wanderung Stück für Stück nachvollziehen zu können, wenn ich wieder zu Hause bin. Und man sieht so auch, wie viel Weg man schon zurückgelegt hat. Zum Beispiel diesen Turm hier, denn ich erst von Weitem,

dann von Nahem

und dann wieder von Weitem sah, wie er langsam in der Ferne und in der Vergangenheit verschwand.

Und hinter der nächsten Bucht musste auch „schon“ Gorey Castle sein.

Tatsächlich – aber doch immer noch ganz schön weit weg.

Was ich an Jersey und auch den anderen Inseln so sehr liebe, ist, dass man oft in etwa weiß, welche Aussicht einen an der und der Stelle erwartet, aber dass es einen dann doch jedes Mal wieder umhaut, wenn man erst mal da ist.

Und auch von innen ist das Schloss ganz schön beeindruckend. Ich hatte das Glück, dass ich mich noch schnell einer Führung anschließen konnte, die erst kurz vorher gestartet war. Auch hier führte uns – wie schon am Elizabeth Castle – ein Freiwilliger herum, und erneut war es eine erstklassige Führung. Roy würzte seine Ausführungen mit ein paar launigen Anekdoten, ein paar Nachdenklichkeiten und vor allem vielen, vielen Informationen. Und ich wünsche wirklich, mein Gedächtnis wäre besser. So kann ich nur berichten, dass die Burg eine sehr spannende und wechselvolle Geschichte hat. Wer mehr wissen will, fahre bitte hin und lasse sich das Ganze von Roy noch mal erzählen.

Spannend fand ich vor allem, dass sich in vielen Ecken und Winkeln der Burg diverse Ausstellungsstücke verbergen, wie zum Beispiel der „Mann“ auf dem folgenden Bild, der dem Besucher auf gar hübsche und kaum blutige Art und Weise zeigt, welch einen bunten Strauß von Verletzungen so ein Ritter in alten Zeiten im Kampfe davontragen konnte. So richtig was fürs Herz.

Interessant, aber keinesfalls schön, ist auch die Geschichte der untenstehendern Madonnenstatue, die, wie man sich vorstellen kann, nicht immer so ramponiert aussah wie heute. Schuld an ihrem heutigen Aussehen waren, wie an so vielem, die Nazis, die nichts Besseres zu tun hatten, als die gute Frau ins Meer zu schmeißen. Das passierte ihr wohl mehrfach, weswegen sie heute so aussieht, wie sie aussieht.

Ganz bezaubernd auch das Hexengatter:

Oder der Erbfolgebaum der Tudors:

Und nun zu einem Schmankerl für die medizinisch Interessierten: das Urin-Rad. Wenn ich das richtig verstanden hab, soll man anhand der Farbe der Ausscheidungen auf bestimmte Krankheiten schließen können. Aber mal ehrlich: Ich muss nicht Medizin studiert haben, um zu wissen, dass jemand, der dunkelgrün pinkelt, massive gesundheitliche Probleme hat.

Da schau ich mir doch lieber die rundherum autemberaubende Aussicht an.

Ach ja, Drachen gibt’s in der Burg auch:

Unser Guide hatte uns versprochen, wir könnten Eidechsen sehen, wenn wir nur gut acht gäben. Hier das beste Foto, das mir gelang:

Vom Urinrad zum Rad des Todes, einer ebenso beeindruckenden wie leicht morbiden Installation (samt Ton):

Lieber schnell wieder nach draußen an die frische Luft und den Elch ärgern.

Ich hätte bestimmt noch eine Stunde gucken können, aber ich wollte noch ein bisschen mehr sehen.

Das folgende Fort erweckte so sehr meine Neugier, dass ich mich für ein paar Fotos von Nahem oder vielleicht sogar von innen quasi in Lebensgefahr begab und einen Golfplatz überquerte – nur, um am Fort festzustellen, dass der Zutritt nicht gestattet war. Na danke auch.

Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr die Gezeiten diese Insel verändern können. Diese Mondlandschaft liegt sonst metertief unter Wasser. (Vermutlich ist es deswegen dort auch grüner als auf dem Mond.)

Am Abend schließlich kam ich an La Rocque an und hätte eigentlich noch ein bisschen weitergehen wollen, aber da der nächste Bus schon in ein paar Minuten kommen sollte, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen. Eine heiße Dusche und ein warmes Bett samt einem schönen Film, das Ganze garniert mit zwei Dosenbier – der perfekte Abschluss eines (schon wieder) tollen Tages. Ich erwähnte mal am Rande, dass ich hier nicht wieder weg möchte?

Und sonntags ein bisschen Kunst

Was Jersey so mit einem macht – da ist man gerade mal einen Tag auf einer anderen Insel, schon hat man fast Heimweh. Und das Heimkommen gestern fühlte sich auch fast so an, als sei ich nach einer langen Reise wieder zu Hause. Und weil heute Sonntag war, war mir nach einem Besuch im Jersey Museum and Art Gallery. Ein bisschen Geschichte und Kunst am Wochenende haben noch niemandem geschadet. Und außerdem taten mir von den 17 Kilometern auf Sark dermaßen die Füße weh, dass ich keine weiten Spaziergänge unternehmen wollte.

Das Museum ist in mehrere Bereiche aufgeteilt, und jeder bietet was für alle Altersgruppen. Ganz am Eingang zum Beispiel ein Tastbild, bei dem das Anfassen nicht nur gestattet, sondern sogar erwünscht ist:

Immer wieder begegnet einem die Kröte, sinnbildlich für die Einwohner Jerseys. (Die von Guernsey sind übrigens Esel, also Donkeys. Falls die Frage mal bei Günther Jauch drankommen sollte.)

Folgender Herr ist fast zu echt, da gruselt es einen fast ein bisschen.

Das untere Bild zeigt sämtliche Dinosaurierknochen, die an einer bestimmten Ausgrabungsstelle der Insel gefunden wurden – oder auf der ganzen Insel? Ich weiß es nicht mehr, verklagt mich, es ist bereits September, während ich das schreibe.

Der innere Aufbau eines Martello-Turms, davon finden sich ja einige auf den Kanalinseln:

Sie haben ein Händchen dafür, Geschichte erlebbar zu machen, diese Insulaner. Bei diesem konspirativen Treffen am Küchenfenster fängt man unwillkürlich an, auf Zehenspitzen zu laufen.

(Feld-)Postkarten mit Stickerei, das sollte man dringend wieder einführen.

Ein paar Türen weiter gelangt man in das Haus einer Kaufmannsfamilie aus dem 19. Jahrhundert, das ganz wunderbar hergerichtet ist. Nicht ganz so wunderbar aber geht es der Familie, denn sie steht vor dem Ruin. Deshalb finden sich an zahlreichen Möbeln und Gegenständen im Haus Preisschilder, und bei dem einen oder anderen war ich doch in Versuchung, mitzubieten. Könnte bloß schwierig mit dem Reisegepäck werden.

Mittels einer Art von holografischer Installation kann man der Familie von Charles Ginestet sogar recht nahekommen und sich anhören, was die einzelnen Mitglieder zu erzählen haben.

Ein Highlight, zumindest für mich, war die Handarbeitsausstellung. Dabei wird weitaus mehr gezeigt als nur ein paar Häkelarbeiten älterer Damen, wenn auch diese Darstellung von „The Death of Major Peirson“ in der Schlacht um Jersey sehr beeindruckend ist:

Schwer zu ertragen aber diese Szene vom Modellbahnhof. Was macht man da? Schafe können doch nicht alleine wieder aufstehen, man soll ihnen ja helfen, wenn man so was auf dem Acker sieht, aber hier stand was von „Do not touch“ dran, da steht man doch etwas hilflos davor und muss sich darauf beschränken, dem Schaf gut zuzureden. Aber wenn einer der geneigten Leser demnächst mal da vorbeikommt, hätte ich gerne gewusst, ob das Schaf wohlauf ist. Verbindlichsten Dank.

Einsamkeit, Symbolbild:

Für den Nachmittag hatte ich mir ja eigentlich noch einen kleinen Spaziergang vorgenommen, aber … Warum sollte ich mich hier wegbewegen? Warum.

Sark – das Schöne

Nachdem ich mich ja hier bereits erleichtert hatte, was die Dödel angeht, die dummerweise am selben Tag mit mir auf Sark sein mussten, kommen wir nun zum schönen Teil.

Was für ein schönes Fleckchen Erde ist das doch. Ich muss hier noch einmal hin, und dann vielleicht gleich für ein paar Tage. Ich hab so viel über den Sternenhimmel über Sark gelesen, allein das wäre wohl schon eine Reise wert.

Aber auch am Tag ist es sehr, sehr schön hier, mit sehr entspannten Menschen (nicht die Touristen, aber das versteht sich vermutlich von selbst, ne).

Willkommen auf dem Klippenwanderweg, wo keine, aber auch wirklich überhaupt keine Touristen sind, nur Blümchen, Seewind und Sonne.

Und plötzlich, wie aus dem Nichts, eine Taverne. Ich mag diese Insel.

Was für ein bezaubernder kleiner Ort.

Was für ein hübscher kleiner Knast:

Und immer wieder ein grandioser Blick.

Am Ende eine langen staubigen Weges voller Menschen mit Rädern, die sich ausgerechnet den Tag auf Sark ausgesucht haben, um Radfahren zu lernen: Little Sark.

Den berühmten Übergang zu Little Sark, der sich in jedem Reiseführer findet,  konnte ich erst auf dem Rückweg fotografieren, als die meisten anderen Leute schon woanders waren.

Das Pilcher-Monument, das nichts mit der Schriftstellerin zu tun hat. Um das herauszufinden, bin ich da überhaupt nur hingegangen. Und wurde mit einer hinreißenden Aussicht belohnt.

Ob ich auch noch in die Seigneurie gehe, hab ich lange überlegt, mich dann für einen Schnelldurchlauf entschieden – und wurde nicht enttäuscht. Was für ein schöner Garten, was für tolle Blumen und wie viel Ruhe und Frieden. Am Ende war ich ganz farbbetrunken.

Wie spät ist es? Happy o’clock.

Viel zu früh war es wieder Zeit, den Rückweg anzutreten und zum Hafen zurückzugehen. Ich hatte eigentlich noch mal am Leuchtturm vorbeischauen wollen, aber aufgrund meines Orientierungssinns, den noch eine Bratwurst schlecht aussehen lassen würde, musste ich das Vorhaben abbrechen. Besichtigen kann man ihn sowieso nicht, aber ich hätte halt gern noch ein Foto von oben gehabt.

Alles in allem war es ein sehr schöner Tag, und ich bin fast 15 Kilometer über die Insel gelaufen. Wenn ich jetzt noch lerne, andere Menschen komplett auszublenden, wird es perfekt.

Sark – die Tirade

Da freut man sich schon eine ganze Weile darauf, endlich seine Kanalinsel-Sammlung komplett zu machen und bucht, während man auf Jersey ist, den Tagestrip nach Sark und freut sich und freut sich und freut sich noch ein bisschen mehr, und dann kommt endlich der Tag und es ist bestes Wetter und man freut sich so sehr auf diese schöne Insel, von der man schon so viel gehört hat und die so toll sein soll und dann …

Dann passieren einem die Leute. Deswegen kommt an dieser Stelle erst mal ein Rant über Sark, bevor wir zu all dem Schönen kommen, das an diesem Tag natürlich auch noch passiert ist.

Es begann damit, dass ich am frühen Morgen das Terminal am Albert Pier betrat, an dem es losgehen sollte. Außer mir war nur noch ein älteres Ehepaar da, das sich als deutsch entpuppte. So weit, so na ja. Irgendwo müssen die ja auch Urlaub machen. Aber weit hinten in meinem Hinterkopf klingelte bereits das Glöckchen, das mich mit unfehlbarer Sicherheit auf Problemrentner hinweist. Und siehe da, kaum drehte ich dem männlichen Teil des Paares den Rücken zu und es sah meinen BVB-Rucksack, hörte ich auch schon ein „Oh.“ Gefolgt vom unvermeidlichen „Ein BVB-Fan“. Ich verließ wortlos das Terminal.

Draußen im Sonnenschein wünschte mir ein freundlicher Jerseyaner einen „lovely morning“, was den Tag gleich wieder etwas rettete. Aber dann …

Als der Schalter zum Einchecken geöffnet wurde, konnten sich natürlich alle richtig und zivilisiert anstellen – außer den Problemrentner. Nach dem Einlass zum Gate warteten alle ruhig und zivilisiert im Warteraum – außer den Problemrentnern. Sie pöbelte ihn an, warum er denn nicht da gewartet hatte, wo sie ihn hingesetzt habe, er grantelte irgendwas zurück und dauernd drängelten sie, weil ja sicher mehr Tickets verkauft wurden, als das Boot Sitze hat und da muss man ja sehen, dass man früh dabei ist. Selbstverständlich war das Boot halb leer, es war ja noch Vorsaison, aber das nur am Rande.

Kaum saß ich (natürlich weit weg von den beiden Schergen), setzten sich in der Reihe vor mir gleich wieder Deutsche hin und beschwerten sich, dass die Fenster der Fähre dreckig seien. Man hätte die doch wohl putzen können. Sicher, damit das Spritzwasser sie sofort wieder schmutzig macht, hervorragende Idee. Warum sind Leute so? Warum sucht man am schönsten Sonnentag auf einem Ausflug zuerst das, was vielleicht nicht so toll ist? Warum?

Die Problemrentner vom Morgen stritten sich derweil auf der anderen Seite des Bootes weiter darum, wo sie sitzen wollten. Die Sitze, die sie sich zuerst ausgesucht hatten, waren ihm wohl nicht genehm. Oder ihr. Im Kern ging es wohl darum, alles blöd zu finden, was der jeweils andere vorschlug. Ich war kurz davor, getrennte Ferien vorzuschlagen.

Auf Sark angekommen, wartete ich, bis die meisten Leute weit weg waren, stiefelte dann hinterher Richtung Ortskern und bog gleich, als ich das Schild „Cliff Path“ entdeckte, dort hoch. Weit weg von all den anderen Menschen, weit weit weg. Aaaah, Luft, Wasser, schöne Aussicht.

Der nächste Clash ließ aber nicht lag auf sich warten. Als ich am Übergang zu Little Sark stand, und eigentlich nur Luft und Licht genießen wollte, wurde ich zuerst von den kreischenden Gruppen gestört, die auf dem Hügel rumhüpfen und dumme Bilder machen mussten, dann davon, dass mich ständig jemand anquatschte, ob ich nicht ein Foto von ihm machen könne. Als ich freundlich ablehnte, bekam ich zu hören, das sei aber nicht der „spirit of Sark“. NO. THE SPIRIT OF SARK IS TO BE A DECENT HUMAN BEING AND NOT AN ASS AND LET PEOPLE ENJOY THEIR FUCKING WELL-EARNED HOLIDAYS.

Bitch.

So.