Wedder to hus

Wenn ich natürlich gewusst hätte, dass mich am Flughafen ein Empfangskomitee mit Schnittchen und Fahrbier erwartet, hätte ich mich ein bisschen mehr auf zu Hause gefreut. ;-)

Abholservice1


Ein letzter Blick

Sach ma, Guernsey, geht’s noch? Am letzten Morgen noch mal so was?! Du spinnst doch wohl!

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Egal, Abflug jetzt.

Letzter Morgen2


Abschiedsspaziergang

Es ist kaum zu glauben, aber morgen früh um 10.40 Uhr geht der Flieger zurück nach Birmingham/Düsseldorf, und diese viel zu kurzen 18 Tage auf Guernsey sind schon wieder vorbei. Eigentlich war ich erst in den letzten paar Tagen so entspannt, dass der Urlaub hätte beginnen können. Aber hey – diese Ferien sind sponsored bei Resturlaub. Ich hab noch den ganzen Urlaub für 2016 vor mir, yeah! Vielleicht fahre ich im Herbst mal noch eine Woche nach Alderney, das erscheint mir auch sehr reizvoll. Und sicher ist es da nach der Saison genauso leer wie jetzt vor der Saison. Kein Grund zum Traurigsein also, ich komm einfach wieder, so.

Der Koffer war zum frühen Abend schon halb gepackt, also hatte ich noch Zeit für einen kleinen Abschiedsrundgang durch die Stadt, den Hafen und das alte Viertel. Und um mir den Abschied richtig schwer zu machen, hatte sich alles noch mal richtig schön rausgeputzt.

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Drei, zwei, eins, vorbei.


Was fürs Herz

Nach dem dunklen, dunklen Military Hospital musste noch was fürs Herz her. Also noch ein bisschen weitergelaufen bis zur Little Chapel, die sehr idyllisch zwischen einem Teich und Kuhwiesen liegt und von zarten Blümchen umgeben ist. Ein Ort der Liebe und der Zuversicht. Erfrischend.

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Wenn sich mal jemand fragt, wohin mit dem ganzen alten Geschirr, wenn gerade keiner einen Polterabend veranstaltet: Bitte hierhin schicken, die brauchen immer was.

Gebaut wurde die Little Chapel, die wahrscheinlich kleinste Kapelle der Welt, im Jahr 1914. Leider versteckt sich das mit Muscheln, kleinen Steinchen und Porzellanscherben verzierte Gebäude derzeit unter einem Gerüst, weil die Statik über die Jahre wohl ein wenig gelitten hat. Man kann aber trotzdem reingehen und gucken. Aber Obacht. Wenn einer drin ist, ist für den Elch schon kein Platz mehr.

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Für Nachschub ist offenbar auch schon gesorgt:

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Unter der Erde

Wenn ich gedacht hatte, das German Occupation Museum und das German Military Underground Museum seien gruselig gewesen, hatte ich mir unwissentlich das Schlimmste für den Schluss aufgehoben. Willkommen im Tunnel of Horror, ähm, dem German Underground Military Hospital. Irgendwie hatte ich erwartet, auf den Bildern plötzlich Schatten oder Lichtwesen zu sehen, die ich vorher nicht wahrgenommen hatte, aber zum Glück sieht alles halbwegs normal aus. Wenn man bei solch einem Ort von „normal“ sprechen kann.

Der Bau dieses unterirdischen Krankenhauses begann im Winter 1940 und dauerte fast fünf Jahre. In Betrieb war es dann nur wenige Monate, bis der Krieg im Mai 1945 zu Ende war. Zwangsarbeiten mussten die Tunnel aus dem Fels hauen. Das Areal umfasst 7000 Quadratmeter, wenn ich es richtig gelesen hab, und es besteht aus den Tunneln, die man besichtigen kann, aber auch mehreren Meilen an unfertigen Gängen. Viele der Tunnel wurden als Munitionslager benutzt.

Schon der Eingang lässt vermuten, dass man da in eine eigenartige, dunkle Welt tritt.

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Die Tatsache, dass man vom netten Herrn am Eingang angewiesen wird, sein Ticket gut aufzubewahren und am Ausgang wieder abzugeben, damit bloß nicht einer aus Versehen in den Tunneln eingeschlossen wird, tut ein Übriges dazu, das Wohlbefinden der Besucher zu mindern. Dann tritt man durch eine geschlossene Tür, und wenn die hinter einem zufällt, ist man ganz allein in einer wirklich fremden und sehr unheimlichen Welt.

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Man stelle sich zu den folgenden Bildern fast völlige Stille vor. Offenbar war vor mir noch eine Besuchergruppe unterwegs, deren Stimmen ich ganz am Anfang meines Rundgangs von weit weg hörte, doch die Leute gingen irgendwann und ich war ganz allein in den Tunneln. Alles, was man nun hören konnte, waren der Widerhall meiner eigenen Schritte und ein ständiges Tröpfeln und Tropfen, weil die Tunnel sehr feucht sind.

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Einige der Gänge sind noch mit Betten ausgestattet. Verwundete lagen hier aber nicht lange, weil sie schon nach kurzer Zeit unter der Erde so weiß waren wie die Laken, auf denen sie lagen.

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Reste der Küche sind auch noch vorhanden:

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Es gibt mehrere Fluchttunnel, die nach oben führen, dieses ist einer davon:

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Wenn ich es recht in Erinnerung habe, handelt sich bei dem folgenden Tunnel um das Kino:

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Mit der Feuchtigkeit gab es damals auch schon Probleme, heute tropft es vor allem im Sommer an allen Ecken und Enden, während die Tunnel im Winter relativ trocken sind:

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So in etwa muss es ausgesehen haben, als die Zwangsarbeiter in den Tunneln gearbeitet haben:

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Einer der unfertigen Tunnel:

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Die einzelnen Tunnel und Räume sind durchnummeriert, der Ausgang ist an mehreren Stellen ausgeschildert, und das ist auch gut so. Man könnte sich sonst durchaus verlaufen. Man muss sich nur wenige Minuten dort unten aufhalten, und schon sieht alles gleich aus.

Ehrlich gesagt war ich froh, als ich endlich wieder draußen war. Vielleicht wäre es weniger gruselig gewesen, wenn noch andere Besucher mit mir dort gewesen wären, wer weiß. Am Ausgang erwarteten mich die unvermeidlichen zwei netten Herren, die mich natürlich gleich in ein Gespräch verwickelten. Natürlich sprachen wir auch darüber, was das für ein unheimlicher Ort ist und wie besonders die Atmosphäre in den Tunneln. Als ich meinte, ich sei ja auch ganz allein da drin gewesen, nur am Anfang hätte ich noch Stimmen gehört, sagte der eine grinsend: „Nee, das waren keine anderen Besucher, das war unser Geist.“ Hey, danke, den hatte ich noch gebraucht. Aber es kam noch besser. Der eine Herr erzählte von einem französischen Kamerateam, das in den Tunneln hatte filmen wollen. Bei mir klingelte da was, und wir stellten fest, dass ich diesem Team auch schon begegnet war – nämlich beim “La Creux ès Faïes”, der Feenhöhle, die ich vor ein paar Tagen besucht hatte. Wie der freundliche Mann wusste, arbeiten die drei wohl für ein Magazin, das sich mit übersinnlichen Phänomenen beschäftigt. Und als sie erst kurze Zeit in den Tunneln des Militärkrankenhauses unterwegs gewesen waren, hatten sich wie von Geisterhand (huhu) plötzlich sämtliche Kameraakkus  und Batterien entladen, obwohl sie vorher ganz voll gewesen waren. Auch wenn ich an meiner Kamera nichts Komisches bemerkt hatte, hätte ich auch diese Geschichte nicht gebraucht.

Der andere der beiden Herren erklärte mir dann anhand einer Karte noch netterweise den Weg zur Little Chapel, die ich mir als Ausgleich für das Hospital als zweiten Besuch für den Nachmittag ausgesucht hatte, und fügte vorausschauend hinzu: „Und falls Sie noch einen Brandy brauchen, um den Ort hier zu verarbeiten – eine Kneipe liegt auf dem Weg.“ Guter Mann.

Das Schlimmste über die Tunnel las ich aber zum Glück erst, als ich nachher im frischen Wind an der Little Chapel auf den Bus wartete: Es waren beim Arbeiten in den Tunneln natürlich auch Menschen zu Tode gekommen, denn mit Zwangsarbeitern verfuhren die Nazis bekanntlich wenig zimperlich. Die Leichen wurden aber, wie man vermutet, nicht begraben oder an einen würdigeren Ort geschafft, sondern kurzerhand in den Tunnelwänden eingemauert. Ich war also möglicherweise durch Gänge voller Leichen spaziert.


Hoch, hoch hinaus

Für den Nachmittag hatte ich mir vorgenommen, mir noch mal die Pleinmont-Landspitze anzuschauen und vielleicht auf den Beobachtungsturm zu steigen, den die Nazis während der Besatzungszeit dort hingeklatscht hatten. Als ich das erste Mal hier gewesen war, hatte ich den Turm nicht entdecken können, aber von der Busstation Pleinmont ist er auch tatsächlich nicht zu sehen. Es dauert überhaupt eine ganze Weile, bis man ihn sieht. Zuerst sieht man auch erst mal wieder Landschaft. Sehr viel Landschaft, weil mal wieder Ebbe war.

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Dass die Deutschen hier waren, ahnt man dann, wenn man ein Stück auf der Landzunge gewandert ist. Und nein, ich hab mich nicht getraut, da reinzugehen. Ich geh doch nirgendwo rein, wo ein Totenkopf hingemalt ist, hallo?!

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Natürlich liegt auch ein unvermeidliches Fort auf dem Weg, diesmal Fort Pezeries.

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Von hier aus hat man auch einen guten Blick auf den Hanois-Leuchtturm, der in den 1860er-Jahren gebaut wurde. Bemannt ist er schon lange nicht mehr, man kann aber wohl mit dem Boot hinfahren und Vögel gucken. Man müsste sich mal erkundigen, ob sich das als Sommerhäuschen lohnt. Da hat man sicher schön seine Ruhe.

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Auf meinem weiteren Weg stolperte ich fast in den Feenring, den Table des Pions. Leider war mal wieder nichts von den Feen, Hexen und Elfen zu sehen, die sich hier gern mal rumtreiben sollen, aber Vollmond ist ja auch gerade vorbei. Mit dem Ort hat es aber eine eher profane Bewandnis. Als früher die Wege und Befestigungsanlagen der Insel begangen und inspiziert wurden (der Westfale kennt das wohl als Pohläsen), diente der Table des Pions als Picknicktisch für die Rast. (Das mit den Feen gefällt mir besser.)

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Dann muss man noch eine ganze Weile durch Heidekraut, Bluebells und vor allem mal wieder über Stufen gehen, bis sich endlich der Pleinmont Observation Tower in den Blick schiebt. An einer Weggabelung wäre ich trotzdem fast schon wieder vorbeigelaufen und sah den Turm tatsächlich erst, als ich mich umdrehte. Dabei sollte man nicht meinen, dass dieser Klotz überhaupt zu übersehen ist.

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Drinnen begrüßte mich ein alter Bekannter: „Ach, Sie hab ich doch gestern schon im Occupation Museum gesehen.“ Stimmte auffallend, der freundliche Mann hatte dort gestern im Tearoom gesessen, als ich dort gewesen war. Wir gerieten ein wenig ins Plaudern, es stellte sich heraus, dass sein Vater Deutscher war und aus Thüringen kam, er aber kein Deutsch mehr spricht, es aber gerne gelernt hätte, außerdem habe er einen guten Freund aus Deutschland, der Friedel heiße und aus Hanau komme, es spannend fand, was ich so von Deutschland, der Flüchtlingssituation und generell der politischen Lage erzählte.  Es dauerte eine ganze Weile, bis ich rauf in den Turm konnte. :-)

Dieser hat fünf Etagen, die alle einen guten Rundumblick bieten. Und weil die Nazis es damals nicht so mit Englisch hatten, benannten sie die Örtlichkeiten kurzerhand um. Wenn ich das richtig im Blick hab, ist die „Kanincheninsel“ die Insel Lihue, und bei „Langenberg“ handelt es sich um Fort Saumarez, auf dem ein ähnlicher Observationsturm steht. Der „Lange Hans“ ist der Hanois-Leuchtturm.

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Wenn man erst mal oben angekommen ist und auch noch die Leiter erklommen hat, hat man eine fabelhafte Aussicht.

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Der Herr, der auf die Leiter aufpasste, war übrigens derselbe, der der Betreiber des German Occupation Museum ist, und auch er fragte mich, woher ich denn sei, wir plauderten ein wenig, er wollte mich gleich mit einem deutschen Herrn aus Sark bekannt machen, der sich mit der Geschichte der Besatzungszeit auf Guernsey gut auskannte und überhaupt versicherte er mir, was ich auch schon die ganze Zeit selbst festgestellt hatte: Keiner habe hier irgendwelche Ressentiments gegenüber den Deutschen. Schließlich sei ich ja weit nach dem Krieg geboren, und er sei bei Kriegsende ein kleiner Junge gewesen. Warum also böse Gefühle hegen, das müsse doch nun wirklich nicht sein.

 

<3


Ein Sonntag im Park

Der Gedanke, einen Sonntag Nachmittag im Park zu verbringen, hatte ja viel Schönes, also entschied ich mich heute für Tasty Walk Nr. 7: The Saumarez Park Walk im Parish Castel. Ich bin allerdings mal wieder falschrum gegangen und hab in der Mitte angefangen, weil der Spaziergang am Cobo Bay anfängt und ich da wenigstens weiß, wo ich aus dem Bus aussteigen muss. Und Nachmittag war übrigens auch nicht, das nur am Rande.

Natürlich stieg ich trotzdem wieder falsch aus, nämlich an der Haltestelle Vazon Bay, aber was soll’s. Hier ist es wie gesagt überall schön, auch – oder gerade – wenn man es schon kennt.

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Und selbst wenn man es kennt – man entdeckt doch immer wieder was Neues. Da ich ja immer nur aufs Meer gucke hier, ist mir bei meinen diversen Besuchen in dieser Ecke entgangen, dass es da oben auf dem Hügel gegenüber, versteckt zwischen Büschen und Bäumen, ein altes Fort gibt, nämlich The Guet oder La Roque du Guet.

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Und wie immer hier hat man eine fantastische Aussicht von hier oben.

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Wenn sich nur nicht immer andere Touristen ins Bild schieben würden.

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Der weitere Spaziergang führte durch eine nette kleine Nachbarschaft, wo selbst die Herren beim Heckeschneiden freundlich grüßen, und viel früher als gedacht war ich schon im Saumarez Park, wo es sich wirklich schön rumgammeln lässt an einem faulen Sonntag.

Es gibt sorgsam angelegte Gärten …

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… Blütenpracht, die einem fast in den Augen wehtut …

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… gut genährte Rotkehlchen …

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… einen fantastischen Küchengarten …

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… und eine echte Kuhglocke.

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Nach einer in der Sonne verschlafenen Stunde aber raffte ich mich auf und beendete den Spaziergang auf dem Saumarez Nature Trail, einem schönen Pfad quer durch Wald und Wiesen.

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Auf dem man übrigens auch lernen kann, was man auf Guernsey macht, wenn man zwar eine große Wiese, aber keine Rundbahn hat: Man malt sich halt eine.

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Schneller als gedacht war ich dann wieder zurück am Strand, wo ich auf den Bus wartete, der mich zum Startpunkt  meines nächsten Spaziergangs bringen sollte. Am Strand, wo sehr deutlich Ebbe war …

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… und keine Rotkehlchen, sondern nur gut genährte Möwen.

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