Segelschiffe und bunte Fenster

Ach, es ist fantastisch hier. Man ist fix überall zu Fuß (na gut, nicht immer so richtig fix, weil es ständig hoch und runter geht, aber zumindest braucht man keinen Bus), und wenn es einem an der einen Küste nicht mehr gefällt, geht man eben zur nächsten.

In der Stadt selbst war erstaunlich viel los, die Geschäfte waren voll, bei nur knapp mehr als 2400 Einwohnern kannten sich auch fast alle, jeder sprach mit jedem, alle waren gut gelaunt.

Heute Morgen fand ich eher zufällig das Cricket Field, von wo aus man einen schönen Blick auf Braye Harbour hat.

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Und in dem Moment, in dem man denkt, schöner kann es jetzt aber auch nicht mehr werden, schiebt sich ein Segelschiff in den Hafen. Das ist doch lächerlich schön, ey.

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Weil Montag ist und kein Gottesdienst in der Kirche stattfand, konnte ich auch mal schnell einen Blick reinwerfen – es wird schnell klar, warum St Anne’s Church auch „Kathedrale der Kanalinseln“ genannt wird.

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Dann aber weiter zu weltlichen Dingen: Postkarten und Gedöns kaufen, Nickerchen machen und sich auf den Nachmittagsspaziergang vorbereiten.


Mal eben zum Strand

Die Wettervorhersage in Gestalt meines Gastgebers hatte für heute 30 Grad versprochen, weswegen ich eigentlich geplant hatte, faul am Strand zu liegen. Doch heute kam vieles anders, als ich es geplant hatte.

Der Tag begann wie der Sonntag auch mit einem herzhaften englischen Frühstück – dazu gab es einen ganzen Haufen Komplimente und eine Einladung nach Guernsey von einem freundlichen jungen Mann, der zusammen mit seiner Pflegerin und seinen Eltern ebenfalls ein paar Tage in diesem zauberhaften kleinen Bed & Breakfast verbringt. Ich würde sagen, ich hab einen Lauf, was kümmert es mich da, dass das Wetter nicht so super ist, wie es vorhergesagt wurde.

Ich hatte mir vorgenommen, einfach die High Street runterzugehen, bis ich zum Longis Beach kam. Da ich aber, vermutlich eines genetischen Defekts, nicht in der Lage bin, einen einmal gefassten Plan ohne Umwege zu verfolgen, weil am Straßenrand Blümchen blühen, der kleine Trampelpfad da rechts so vielversprechend geheimnisvoll aussieht oder EICHHÖRNCHEN! schaute ich mir bis zum Ende des Nachmittags die halbe Insel an.

Erster Abstecher: ein Friedhof.

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Ich kann mir nicht helfen, die Friedhöfe sind hier einfach zu schön.

Der Friedhof ging direkt über zum Woodland Trail, dem ehemaligen Strongpoint Ho-Höhe, der heute hervorragend ausgeschildert ist und ein wenig an einen Abenteuerspielplatz erinnert – und wenn man nicht aufpasst, liegt man plötzlich in einer Mörserkuhle.

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Manche übrigens scheint die Gegenwart von Gräben, Bunkern und Mörserkuhlen in romantische Stimmung zu versetzen. Nun, jeder, wie er mag, ich bin da tolerant.

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Nach einem rund einen Kilometer langen Umweg, misstrauisch beäugt von diversen Kühen und ärgerlich kommentiert von zahlreichen Grashüpfern, die in Scharen aufstoben, wo auch immer ich hintrat, fand ich den Zugang zum Klippenwanderweg, den ich eigentlich schon am Samstag hatte entlanggehen wollen.

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Hier oben kann man natürlich auch kein Stück geradeausgehen, ohne auf ein altes Fort zu stoßen. Oder ein altes Schloss. Oder eine Anti-Zombie-Festung, wer weiß das schon. Es ist leider nicht immer alles ausgeschildert.

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Und so langsam konnte ich auch den Strand sehen, an den ich wollte: Longis Beach, gesäumt von einer formschönen Panzerabwehrmauer, gebaut von – natürlich – den Deutschen. Im Krieg konnten wir ja nur Beton.

Zeit, sich in den Sand zu setzen und diesen überall in Tasche und Körper zu verteilen, die Füße ins Wasser zu halten, ein Nickerchen in der Sonne zu machen und zu genießen, dass außer mir fast niemand an diesem herrlichen Strand war. Nicht, dass der Vormittag bis dahin von einer unerträglichen hohen Anzahl von menschlichen Interaktionen geprägt gewesen wäre, aber am Strand alleine zu sein, ist doch so ziemlich das Schönste, was ich mir vorstellen kann.

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Kaum war die Sonne weg, schrie auch schon das nächste Fort danach, erkundet zu werden. Weiter als bis zum Zaun kam ich allerdings nicht.

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Da die Flut aber bereits heranrollte und den Causeway, über den ich gekommen war, zu überspülen drohte, war das aber vielleicht auch gar nicht so schlimm. Man kann sich ja doch was Schöneres vorstellen, als sechs Stunden in einem verlassenen Fort festzusitzen.

Das nächste Fort, Fort Houmet Herbé, war bereits durch das Wasser abgeschlossen, aber vielleicht ist das auch immer so, weil der alte Zugang längst kaputt ist.

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Fort Quesnard danach ist zwar äußerst schick anzusehen, aber in Privatbesitz, Fort Les Houaux Florains wiederum liegt mehr oder weniger in Trümmern. Man müsste mal recherchieren, was die Renovierung kosten würde. Wenn ich mal all meine imaginären Häuser überall auf der Welt verkauft habe, kann ich mir das vielleicht leisten.

 

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Sehr schick dagegen ist der Leuchtturm anzusehen. Der ist allerdings nur sonntags geöffnet, sodass ich mich noch ein bisschen gedulden muss, wenn ich den besichtigen will. Das mach ich aber auf jeden Fall noch.

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Der Rückweg zog sich dann ordentlich, wie immer, wenn ich denke: Ach, da ist ja schon der Kirchturm zu sehen, dann bin ich ja gleich da. Zum Glück tröstet einen die Aussicht hier über jedes müde Zwicken im Knie und jede Blase an der Hacke hinweg.

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Forts, Forts, Forts

Der geneigte Leser (haha) wird sich noch an das fantastische Heftchen mit den „Tasty Walks“ erinnern, das mich im April kreuz und quer durch, über, auf und unter Guernsey geführt hat. Darin gibt es auch einen Spaziergang für Alderney, was den perfekten Start fürs Erkunden dieser Insel darstellte. Was mir allerdings schleierhaft ist, ist, wie man den Walk in den angegebenen eineinhalb Stunden schaffen soll. Wie soll man denn bei der Hektik vier Stunden fürs Aufsmeergucken und Tiefluftholen haben, die man jeden Tag braucht, um sich angemessen zu erholen?

Los ging es an der „Kathedrale der Kanalinseln“, St Anne’s Church. Von innen muss ich sie mir aber ein anderes Mal anschauen, denn fröhliches Glockengeläut kündete vom Beginn des Gottesdienstes, und da nicht Weihnachten ist, machte ich einen großen Bogen um die Kirche.

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Etwas weltlicher die nächsten Stopps, nämlich Island Hall und Les Mouriaux House. Beides hübsch, aber vielleicht eher etwas für einen verregneten Tag.

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Gleich der nächste Halt machte deutlich, dass die Deutschen – wie vor den anderen Kanalinseln auch – vor Alderney nicht Halt gemacht und dem Eiland einiges an Beton hinzugefügt hatten. Das macht die Inseln natürlich nicht hübscher, historisch interessanter aber irgendwie doch. Das meiste aber ist natürlich gruselig-hässlicher Beton. Bei dem folgenden Turm handelt es sich um das Hauptquartier der Luftwaffe und eine Art Horchposten für ankommende alliierte Flugzeuge. Schön ist anders, vor allem im Vergleich mit den zauberhaften Häuschen drum herum.

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Punkt 5, die Brickfields, verpasste ich irgendwie bzw. war zu faul, umzukehren und einen Eingang in der Mauer zu suchen. Die Straße führte am Flughafen vorbei, und ich widerstand standhaft der Versuchung, im dortigen Café einen kleinen Mundvoll zu nehmen.  Stattdessen landete ich kurz darauf mitten in der Natur und endlich am Meer.

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Fort Clonque ist bestimmt hübsch, aber rein konnte ich leider nicht – es ist heute ein Feriendomizil. Schwer zu erreichen, aber vielleicht gerade deshalb beim nächsten Urlaub mal einen Besuch wert.

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Ganz anders Fort Tourgis – fertiggestellt 1855, sollte es Platz für 346 Soldaten bieten und damit das größte Fort der viktorianischen Zeit sein. Einst standen hier, wenn ich es richtig recherchiert hab, 33 Kanonen in fünf Batterien, dazu kamen vier Mörser.

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Heute ist das Gebäude halb verfallen, die Zugänge zu dem, was vermutlich mal die Quartiere waren, sind nur mittels eines Sprungs über große Löcher im Fußboden zu erreichen – was man aber nur versuchen sollte, wenn man nicht allzusehr am Leben hängt.

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Von einigen Häusern auf dem Gelände stehen nur noch die Wände, Dächer gibt es nicht mehr, auf dem mit Gras überwachsenen Boden sind auch überall Löcher, durch die man eine Etage tiefer saust, wenn man nicht aufpasst.

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Dass mir zwischendurch der Gedanke kam, dass das Fort im Falle der Zombie-Apokalypse mit ein paar Anpassungen perfekt als Rückzugsort geeignet wäre, half nicht dabei, meine Gänsehaut angesichts der seltsamen Atmosphäre zu vertreiben. Zum Glück schien die Sonne – an einem dunklen und regnerischen Tag wäre es noch schlimmer gewesen. Es ist saugruselig, und die Aussicht entschädigt dafür nur bedingt.

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Ich war über irgendeinen Hügel auf das Gelände gekommen und dann über ein paar Mauern in den Innenhof mit seinen Löchern gekraxelt. Ich hatte zwischendurch Zweifel, ob das alles wirklich sicher war, dann aber dachte ich, die hätten hier ja bestimmt ein Schild aufgestellt, wenn es nicht … oh.

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Dann mal unauffällig weitergehen. Erst zur Cambridge Battery, die mittels diverser Tunnel mit Fort Tourgis verbunden ist (was ich aber mangels Mut und Taschenlampe nicht überprüft habe), dann an den Strand.

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Ich widerstand dem Verlangen, nach einer Pause am Braye Harbour auch noch am Breakwater entlang zu gehen – wir sind ja hier nicht bei der Arbeit und müssen alles an einem Tag machen.  In den nächsten zehn Tagen hab ich schließlich noch genug Zeit, mir was anzuschauen.

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Die Male, die mir „Ich hab alles richtig gemacht mit diesem Urlaub“ durch den Kopf schoss, kann ich übrigens nicht zählen.

 


Wie aufregend!

Was ich  mich gestern so fragte, als ich die kleine Dornier am Flughafen in Southampton stehen sah, die mich und gerade mal 20 weitere Leute (die Piloten eingeschlossen) nach Alderney fliegen sollte und mich ein eigenartiges Kribbeln in der Magengegend verspüren ließ, was ich nach einigem Nachdenken als vorfreudige Aufregung identifizierte: Wann wurde das Reisen eigentlich so selbstverständlich? Wann blieb die Vorfreude auf der Strecke? Wann hatte ich eigentlich angefangen, immer nur die Probleme und Schwierigkeiten zu sehen, anstatt zu schätzen zu wissen, was ich nachher für Geschichten würde erzählen können?

Klar wäre es etwas unkommod gewesen, wenn ich in Southampton meinen Anschlussflug verpasst hätte, aber eben auch kein Weltuntergang. Es findet sich doch immer eine Lösung – so wie am Flughafen Alderney, als mein Taxi schon weg war und sich aber eine andere Fahrerin meiner annahm.

Daran musste ich denken, als wir den kleinen Clipper von Aurigny bestiegen – mit so einem Flugzeug war ich noch nie geflogen – zumindest nicht seit der Pressereise nach Irland, bei der wir einmal mit einer nur wenig größeren Maschine unterwegs waren.

Inzwischen hab ich schon so viele schöne Reisen gemacht – wofür ich nach wie vor sehr dankbar bin. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist, damals, als ich arbeitslos war, hätte ich das nie für möglich gehalten. Aber damals, vor der ersten Kanada-Reise, war das vorfreudige Kribbeln kaum auszuhalten, als ich die Campingreise zum Yukon gebucht hatte, sang ich auf dem Rückweg vom Reisebüro leise vor mich hin, wenn gerade keiner zuhörte, weil ich mich so unsagbar freute. Oder die Reise nach Hawai’i – HAWAI’I!

Vor Alderney hatte es auch wieder ein wenig mehr gekribbelt, weil ich die Zeit auf Guernsey so genossen hatte und mir sicher war, dass es auf Alderney auch wieder so werden würde: nur einsame Wanderwege, Blumen, verlassene Forts, Landschaft, Wind, Meer, vielleicht ein wenig Sonne und ich. Abends einen kleinen Absacker auf dem Zimmer, rechtschaffen müde von Dutzenden gewanderten Kilometern, schlafen wie ein Stein, mit fast niemandem reden und am anderen Tag wieder los.

Ich muss offenbar die Vorfreude wieder lernen. Das mach ich morgen. Jetzt muss ich los.

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Sind wir bald da?

Hui, da bin ich dekadente Ziegen doch in diesem Jahr tatsächlich zum zweiten Mal in Urlaub. Diese Zeilen schreibe ich in einem zauberhaften kleinen Bed & Breakfast auf Alderney, der nördlichsten der Kanalinseln – und womöglich der unbekanntesten. Ich gebe zu, dass ich sie auch nicht kannte, bevor ich auf Guernsey war und dort Broschüren über Alderney fand. Es war aber so was wie Liebe auf den ersten Blick – hier wollte ich unbedingt mal hin. Und eine Steuerrückzahlung und eine Überstunden-Abrechnung später war klar, dass ich mir das auch tatsächlich noch in diesem Jahr leisten konnte. Weniger einfach war es, hierher zu kommen. Alderney findet sich kaum in Reisekatalogen, Rundreisen sparen diese Insel aus und Flüge über ein Portal im Paket zu buchen, ist so gut wie unmöglich. Dieses ist also der erste Urlaub, den ich mir komplett selbst zusammengebucht hab. Möglicherweise war die Hinreise deswegen etwas … nennen wir es aufregend.

Es begann eigentlich recht vielversprechend – mit dem bewährten Flughafen-Bringservice meiner Eltern. Kaum waren sie weg, ging es steil bergab. Ich wartete eine gefühlte Ewigkeit an der Passkontrolle – wie kommt es eigentlich, dass immer die Leute, die einem schon vor dem Einchecken durch beharrlich nervendes Verhalten negativ auffallen, auch die sind, die später den ganzen Laden aufhalten?

Als ich endlich durch war, legte ich einen sehenswerten Hindernislauf durch den Duty-Free-Shop hin, sprang über im Weg stehende Menschen, durchquerte die Halle bis zu meinem Gate im Sprint und … wurde kurze Zeit später informiert, dass das Flieger erst mit zweistündiger Verspätung starten würde. Ich hatte zwar einen vierstündigen Puffer in Southampton eingebaut, aber das beruhigte mich nur unwesentlich.

Um es kurz und weniger aufreibend als in echt zu machen – es ging alles gut. Zumindest bis kurz vor Alderney. Das lag nicht an der entzückenden kleinen Dornier, sondern am Wetter (das Wetter, wegen dessen Unwägbarkeiten ich extra nicht die Fähre genommen hatte, haha). Denn kurz vor Alderney verkündete der Pilot, nicht dort landen zu können, sondern stattdessen Guernsey anzufliegen für etwas, das hoffentlich nur einen kurze Zwischenlandung sein würde.

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Das war es in der Tat, denn kaum waren wir unten, stellte sich raus, dass nun auch auf Alderney das beste Landewetter herrschte. Also kurz aufgetankt, wieder in den Flieger und in die Luft – wenigstens brachte der kleine Umweg ein unerwartetes Wiedersehen mit Guernsey mit sich und die Gelegenheit, das Urlaubsalbum vom April um ein paar verwackelte Luftaufnahmen zu ergänzen.

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Und dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, endlich ein erster Blick auf Alderney.

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Das Taxi, das meine Gastgeber für mich bestellt hatte, war natürlich nicht mehr da; kein Wunder, wir waren schließlich fast eine Stunde zu spät. Aber es stellte sich schon gleich bei der Ankunft als wahr heraus, was der Reiseführer versprochen hatte: Die Insulaner hier lassen einen nicht hängen. Sei es, dass man sich verlaufen hat, sei es, dass man am Flughafen steht und nicht weiß, wo man hin muss. Eine Taxifahrerin versprach mir, sie bringe nur fix die beiden älteren Damen weg, dann komme sie wieder. Wenn ich dann immer noch hier sei, fahre sie mich fix zu meinem Bed & Breakfast. Und genauso passierte es – und das Trinkgeld musste ich ihr auch noch aufzwingen.

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Meine Gastgeber hier kamen vor fast 30 Jahren aus London her, verliebten sich in die Insel, kauften nach drei Tagen das Haus und blieben. Das alles und die wichtigsten Details über Alderney erfuhr ich bei einer schönen Tasse Tee – wie sich das gehört.

Anschließend auspacken und noch mal ums Eck – so alles in allem hätte der Urlaub doch viel schlechter anfangen können.

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Liebster-Award – Fragen über Fragen

Oh je, oh je, soeben fiel mir siedendheiß ein, dass ich noch Blogschulden hab. Und zwar seit April. Es ist natürlich mit nichts zu entschuldigen, dass ich noch nicht auf die Nominierung des Grafen von Borg reagiert hab. Und ich hätte es vielleicht bis heute nicht getan, wenn nicht Wheelie dasselbe getan hätte, nämlich mich zu nominieren. Es tut mir leid, dass ich noch nicht reagiert hab, aber ich hole das jetzt nach. Zunächst mal: Vielen Dank für die Nominierung!

Worum geht’s?

„Der Award dient dazu, neue Blogs zu entdecken und bekannter zu machen. Hierfür nominiert ein Blogger eine bestimmte Anzahl an Blogs, die er interessant findet und stellt ein paar persönliche Fragen, welche dann beantwortet werden.“

Es gibt dafür auch verschiedene Regeln, die ich jetzt einfach mal vom Grafen  übernehme:

  • Danke der Person, die Dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke den Blog dieser Person in Deinem Beitrag
  • Beantworte die 11 Fragen, welche Dir der Blogger, der Dich nominiert hat, stellt.
  • Nominiere 5 bis 10 weitere Blogger mit bisher weniger als 300 Followern für den Liebster Award.
  • Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für Deine nominierten Blogger zusammen.
  • Schreibe diese Regeln in Deinen Artikel zum Liebster Award, damit die Nominierten wissen, was sie tun müssen.
  • Informiere Deine nominierten Blogger über die Nominierung und Deinen Artikel“

Also der Reihe nach, sprich, erst die Fragen vom Grafen.

Was macht Musik mit Dir und was ist für Dich gute Musik?

Musik ist der Soundtrack für alles, aber ich kann sie nicht immer ertragen. Was heute im Radio läuft, würde ich nicht als gute Musik bezeichnen, das ist alles Popscheißeeinheitsbrei. Ich kann die meisten Künstlern nicht mehr voneinander unterscheiden, es klingt alles gleich, und jeder Sender spielt denselben Mist. Und es ist mir durchaus bewusst, dass ich jetzt klinge wie meine eigene Großmutter.

Ich höre ziemlich viele verschiedene Arten von Musik, weswegen mir puristische Korinthenkacker gern vorwerfen, ich hätte überhaupt keinen Musikgeschmack. Beim Schreiben höre ich gern Klassik, im Auto gern Neil Young. Dazwischen ist so ziemlich alles möglich. Ich kann nicht sagen, wann mich genau ein Stück berührt, es passiert einfach. Manchmal ist es der Text, manchmal nur ein einziger Akkord, mal die Stimme des Interpreten.

Was willst Du gerne richtig gut können? Als Bonus werden Superkräfte als Möglichkeit mit eingeschlossen.

Ich wäre gern besser im Sport, ich würde gern wieder Kugelstoßen können und beim Joggen nicht nach einem Kilometer einen akuten Todeswunsch verspüren wollen. Und ich wäre gern geduldiger im Umgang im Idioten. Als Superkraft würde ich gern supermanartig fliegen können. Dann könnte ich meine freien Tage auf Hawai’i verbringen und trotzdem pünktlich im Büro sitzen.

Dein Lieblingsort auf diesem Planeten und deine bevorzugte Begleitung dort?

Maui, Hawai’i. Ich.

Verbringst Du zu viel Zeit am Bildschirm?

Ja, vor allem am Handybildschirm.

Dein Lieblings-Buchgenre? Und wie kam es dazu?

Mit Büchern ist es wie mit Musik. Ich lese so ziemlich alles weg, so lange es nicht zu blutig und ekelich wird. Wie es dazu kam, weiß ich nicht. Mein Eltern haben mir immer vorgelesen, ich hab schon immer gerne selbst gelesen. Daraus hat sich eine Sucht entwickelt, die vermutlich dringend der Behandlung bedarf.

Welcher Deiner Neujahrsvorsätze hat am längsten überlebt und wie lange war das?

Ich habe das mit den Neujahrsvorsätzen schon vor langer Zeit aufgegeben. Ich nehme mir höchstens vor, mehr Schönes zu tun und es mir öfter gut gehen zu lassen. Das klappt einigermaßen.

Wohin und auf welche Weise soll die nächste Reise gehen?

Wohin, verrate ich nicht (mach ich nie vor Reisen), aber es geht schon im nächsten Monat los, ich reise auf eine Insel, ich reise allein (nur Moosebert kommt mit) und per Flugzeug.

Dein ausgefallenstes Reiseziel? In der Vergangenheit und/oder Zukunft, alles ist möglich.

Hawai’i. Wenn ich irgendwo anders auf der Welt leben dürfte, dann da. Alaska war auch fantastisch, aber auf Dauer zu kalt. In der Zukunft steht Neuseeland ganz oben auf der Liste.

Wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gehen würde, was würdest Du tun / welchen Beruf würdest Du ausüben?

Ich würde versuchen, nur noch zu schreiben.

In welchem Zustand befindet sich Dein Schreibtisch?

Ziemlich aufgeräumt, was daran liegt, dass außer der Tastatur nicht viel anderes Platz darauf hat.

Finale! Hast Du einen Lebenstraum? Und magst Du ihn mit uns teilen?

Hab ich. Und: nein. ;-)

 

Und nun die Fragen von Wheelie:

Wie bist du zum Bloggen gekommen?

Über Freunde, die gebloggt haben und sagten, ich sei so witzig (haha) und könne gut schreiben. Und weil ich zu dieser Zeit arbeitslos war und mich endlich mal wieder sprachlich austoben wollte, hab ich mir tatsächlich ein Blog zugelegt. Es ist nach wie vor meine Spielwiese für Texte, die ich sonst nirgendwo unterbringen könnte.

Was ist dein Lieblingsbuch?

Alice Sebold: The lovely bones. Etwas Schöneres wurde nie geschrieben. (Und alles von Paul Auster.)

Welche Hobbys – das Bloggen ausgenommen – hast du?

Schreiben (Kurzgeschichten und dieser §$%&#*-Roman, den ich nicht fertig kriege), Sport, Lesen, Reisen.

Welche Blogs liest du gerne?

Inzwischen fast gar keine mehr. Das liegt nicht daran, dass sie schlecht sind, ich bin nur irgendwie über die Jahre vom Bloglesen abgekommen, keine Ahnung, warum. Dazu kommt, dass einige Leute, die ich gerne gelesen hab, ihre Blogs gelöscht haben.

Wen würdest du gerne mal treffen?

Niemanden, ich mag keine Menschen. ;-) Aber wenn ich mich für jemanden entscheiden müsste. Paul Auster. Wobei – getroffen habe ich ihn schon mal, aber außer „Thank you“ haben wir beide nichts gesagt.

Wenn dein Leben verfilmt werden würde, wer sollte dich verkörpern?

Keine Ahnung, das sollen andere entscheiden. Vielleicht wird es ja ein Pixar-Film.

Was ist dein(e) Lieblingsfilm bzw. -serie?

Spooks, Sherlock und The Walking Dead (was lustig ist, weil ich es ja nicht blutig mag. Aber das Geräusch eines platzenden Zombie-Schädels ist Musik in meinen Ohren.) Ich mag Serien, die mich überraschen, und das haben zuletzt nur diese drei genannten geschafft. Alles andere finde ich zu vorhersehbar.

Was ist dein größter Traum?

Endlich diesen §$%&#*-Roman zu Ende bringen. Von Veröffentlichung wollen wir mal gar nicht reden.

Was ist dein derzeitiges Lieblingslied?

Neil Young: „Powderfinger“.

Welche Stadt ist deine Lieblingsstadt? Und warum?

Vancouver. Weil es fantastisch ist.

Was ist für dich das Wichtigste im Leben?

Familie und Gesundheit. Der Rest findet sich.

 

Nun wird es schwierig. Ich glaube, ich kriege keine fünf Blogs zusammen, die ich nominieren könnte. Zumal ich auch keinen zwingen will, meine Fragen zu beantworten (ich weiß, das ist komisch für eine Journalistin).

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Dreimädelhaus

Ein Ostwestfale im Rheinland

Und nun meine Fragen:

  1. Wie inspirierst du dich zum Schreiben?
  2. Hast du ein Lieblingstier?
  3. Verreist du gern allein? Warum/nicht?
  4. Meer oder Berge?
  5. Bist du konsequent?
  6. Was war das Verrückteste, das du je gemacht hast?
  7. Wie lange würdest du in der Zombie-Apokalypse überleben?
  8. Wenn du die Wahl hättest, würdest du deinen Geburtstag eher allein oder mit anderen feiern?
  9. Wenn Zeitreisen möglich wären – in die Zukunft oder in die Vergangenheit?
  10. Kannst du gut mit dir alleine sein?
  11. Was bringt dich auf die Palme? Und zwar so richtig?

 

 


Olympia ist kein Bauernwettkampf

Als ich klein war und mit dem Sportverein an den ersten Leichtathletik-Wettkämpfen teilgenommen habe, brachten uns sowohl meine Eltern als auch die Übungsleiter eines schnell bei: Die Siegerehrung ist (auch laut Wettkampfordnung) Teil des Wettkampfes, man hat daran teilzunehmen, buht dabei den Gegner nicht aus (das konnten die Kinder eines Nachbarvereins immer sehr gut) und benimmt sich überhaupt vernünftig dabei, egal, wie sehr man sich im Falle eines Sieges freut oder wie groß der Frust bei einer Niederlage auch sein mag. Für mich war das immer selbstverständlich, weil ich das als Sportler von klein auf so gelernt hat. Es geht einfach darum, dass man dem Sport an sich und vor allem auch dem Gegner Respekt entgegenbringt. Ich hätte früher sonstwas gegeben, um mehr sportliches Talent zu haben. Bei mir hat es halt nur für die Westfalenmeisterschaften gereicht, und ich kann nicht mal ansatzweise ermessen, wie fantastisch es sein muss, olympisches Gold zu gewinnen und vor den Augen der Welt so etwas Wunderbares wie eine Siegerehrung mitmachen zu dürfen.

Und nun gewinnt Christoph Harting ziemlich überraschend das olympische Diskuswerfen, hampelt bei der Siegerehrung rum wie ein Kasper, verschränkt auf dem Podium die Arme, deutet ein Flöten an, feixt durch die Gegend und was weiß ich noch alles. Das habe ich dann in diesem komischen Internetz zu kritisieren gewagt und wurde plötzlich in die nationalistische Ecke gestellt, ich wolle jemandem vorschreiben, wie er sich zu freuen habe, ob ich es denn schöner gefunden hätte, wenn Harting den Hitlergruß gezeigt oder strammgestanden hätte und was weiß ich noch alles. Interessant dabei: Leute, die selber mal Sport getrieben haben oder Sport treiben, haben genau verstanden, was ich meinte. Im Übrigen hat sich Christoph Harting ja inzwischen entschuldigt, also ist die Sache abgehakt und vergessen. Aber denjenigen, deren Sport vor allem aus dummen Kommentaren und der schönen Disziplin „Alles ins Lächerliche ziehen“ vorm Fernseher besteht, würde ich gerne noch mal erklären, warum mich Hartings Verhalten so gestört hat.

Die meisten gingen davon aus, dass es mich als Journalistin quasi persönlich beleidigt hat, dass Harting sämtliche Interviewanfragen ablehnt und dass ich ihn deswegen doof finde. Dazu kann ich nur sagen: Das ist mein geringstes Problem. Kein Athlet ist meines Wissens dazu verpflichtet, den Medien vor oder nach dem Wettkampf Rede und Antwort zu stehen. Wenn Christoph Harting sagt, ihn lenkten Interviews vom Wettkampf ab und er sei generell niemand, den es mit Statements vor die Kamera ziehe, ist das völlig legitim. Und wenn er schon mal schlechte Erfahrungen mit den Medien gemacht hat, kann ich seine Entscheidung noch mal so gut verstehen.

Aber wenn jemand bei der Siegerehrung so herumhampelt, ist das für einen Sportler so, als würde der Bräutigam bei der Hochzeit vor lauter überbordender Freude in die Kirche pinkeln. Das mag man nun lächerlich finden oder doof, aber es ist so. Da bin ich humorlos bis zur Spießigkeit und stehe dazu. Es gibt einfach für gewisse Situationen gewisse Verhaltensmaßregeln. Im Übrigen habe ich nie irgendwo geschrieben oder gesagt, dass bei der Siegerehrung jemand mit den Händen an der Hosennaht steht und bitte schön laut die Nationalhymne mitsingt. Und zwischen Feixen, Rumhampelei und Händen an der Hosennaht gibt es ja wohl auch noch eine ganze Menge. Ich erwarte lediglich, dass jemand bei der Siegerehrung wenige Minuten still stehen kann, um auch dem Gegner eine schöne und würdevolle Zeremonie zu ermöglichen. Möglich, dass man nach so einem Wettkampf dermaßen voller Adrenalin ist, dass einen das daran hindert, rational zu denken. Aber der Dritte im Diskuswerfen, der Wattenscheider Daniel Jasinski, hatte auch zum ersten Mal eine olympische Medaille gewonnen, und konnte sich benehmen.

Wie Hartings Kaspereien beim Zweitplatzierten, dem Polen Piotr Małachowski, angekommen sein mögen, kann ich mir gar nicht vorstellen. Da hat man jahrelang diesen Robert Harting vor der Nase, der einem regelmäßig im letzten Versuch den ersten Platz wegschnappt. Dann ist dieser Harting verletzt, man führt lange, gestattet sich vielleicht schon den Gedanken an einen Sieg, je weiter der Wettkampf voranschreitet, da zieht der kleinen Bruder dieses Harting plötzlich die gleiche Nummer ab, haut im letzten Durchgang eine fantastische Weite raus und gewinnt. Wäre ich Małachowski, wäre mir das Feixen Christoph Hartings bei der Siegerehrung wie ein Schlag ins Gesicht vorgekommen. Ein Schlag, der mit Sportlichkeit oder ehrlicher Freude nichts zu tun hat. (Oder mal ein anderes Szenario: Stellen wir uns nur mal vor, Małachowski hätte sich bei der Siegerehrung so benommen. Da wäre das Geschrei aber wieder groß gewesen.)

Denn eines sollten wir nicht vergessen: Nicht nur der Erstplatzierte steht bei der Siegerehrung auf dem Podest, da stehen auch noch zwei andere. Zwei andere, die ebenfalls mindestens vier Jahre für diesen Wettkampf gearbeitet haben, sich sicherlich durch harte Zeiten, Schmerzen, vielleicht Verletzungen, Motivationslöcher gequält haben und für die dieser eine Moment der Siegerehrung so vieles wieder wettmacht – und vielleicht auch zum Weitermachen motiviert, wenn man Rücktrittsgedanken im Kopf hatte. Nicht umsonst sagen Viertplatzierte bei großen Events, denen nachträglich wegen eines Dopingfalls unter den drei Ersten noch eine Medaille zuerkannt wird, fast allesamt etwas Ähnliches: Danke für die nachträgliche Medaille, aber den Moment der Siegerehrung kann mir niemand mehr wiedergeben.

Denn das ist eine Siegerehrung, nicht mehr und nicht weniger: ein würdiger und feierlicher Moment, in dem man Applaus und Aufmerksamkeit bekommt, in dem eine hervorragende Leistung gewürdigt wird. Von mir auch könnte man da auch die Olympische Hymne spielen und nicht die Nationalhymne, darum geht es mir überhaupt nicht. Es geht mir darum, dass da jemand nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Gegner einen schönen Moment zerstört hat. Sich bei der Siegerehrung angemessen zu benehmen, hat einfach etwas mit sportlicher Fairness zu tun.

(Und wer nun immer noch nicht verstanden hat, dass es mir um Liebe zum Sport und Respekt gegenüber dem Gegner geht und nicht um Liebe zum Deutschtum, könnte ja einfach mal den Text lesen, den ich vor diesem Blogbeitrag hier veröffentlicht habe.)