Warum Schreiben harte Arbeit ist

Schreiben sei ein lockerer Job, so ein bisschen tippeditipp, ein Weinchen dabei, tralala, fertig ist der Roman – das denkt ihr doch alle, oder? Das das ein Irrglaube ist, möchte ich mal mit einer kleinen Geschichte illustrieren, nämlich der Geschichte davon, was passiert, wenn ich endlich mal wieder was Kreatives schreiben will, sprich, endlich mal wieder mit diesem #+%$&§-Roman weitermachen will, den ich eigentlich geschrieben haben wollte, bevor ich 40 wurde:

Ich fahre den Laptop hoch, rufe Word auf, suche die Stelle, an der ich weitermachen muss. So weit, so brav, so ambitioniert.

Irgendwann aber, dem Gesetz folgend, das besagt, dass mir am Tag mindestens zehn Menschen auf die Nerven gehen müssen, damit die Welt im Gleichgewicht bleibt und ich nicht alles mit meiner guten Laune zum Explodieren bringe, passiert eines der folgenden Dinge (und die Liste ist beliebig erweiterbar):

  • mein Arschloch-Nachbar dreht den Shit Metal auf
  • mein Arschloch-Nachbar hat beim Musikhören zwar Kopfhörer auf, grölt aber wie ein besoffener Pavian mit der Musik mit
  • auf dem Rasen des Nachbarhauses liegen drei Blätter, was sofort the incredible Laubbläserman auf den Plan ruft
  • der Nachbar im Nebenhaus macht den Fernseher so laut, dass ich mit dem Musikantenstadl mitsingen könnte
  • der Hausmeister mäht den Rasen hinter unserem Haus

Nun bin ich sehr lärmempfindlich bzw. empfinde schon Dinge als Lärm, die andere gar nicht hören. Und wenn mir dann noch jemand den schönen Ratschlag gibt, ich solle doch einfach nicht hinhören, werde ich zudem noch wütend, und dann kann ich überhaupt nicht mehr arbeiten.

Ich mache also selbst Musik an. Und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Eine Weile geht es gut, mit Musikuntermalung zu schreiben. Aber dann passiert es immer irgendwann, dass ich etwas nachschlagen muss und das Internet anschalten muss. Leider ist es mir aufgrund meiner genetischen Disposition nicht möglich, nur duden.de aufzumachen. Ich muss den Rest des Internets auf öffnen, um „nur mal kurz zwischendurch zu gucken, was so los ist“.

Los ist dann unter anderem, dass einer meiner Facebook-Freunde ein Bild postet, das mich an einen Helden meiner Kindheit erinnert, nämlich Petzi-Bär. Ich frage mich, ob es Petzi noch gibt und mache Wikipedia auf. Ach, schau an, es gibt 40 Bände. Ich frage mich, ob es die heute noch gibt und was die wohl kosten mögen, und öffne die Seite eines bekannten Versandhändlers. Und wenn ich schon mal da bin, kann ich auch gleich gucken, was die fünfte Staffel „The Walking Dead“ inzwischen kostet, denn ein Leben ohne Rick Grimes ist möglich, aber sinnlos. Ach, Rick … Dann frage ich mich, wie es denn nun schon wieder passieren konnte, dass ich mich so schnell habe ablenken lassen und finde, es könnte amüsant sein, darüber zu bloggen. Ich öffne wordpress.de, und da ich nun schon mal dabei bin, auch gleich Twitter, um den unfassbar witzigen Tweet „Vorm Nachbarhaus liegen drei Blätter, und ich setzte mich just mit einem guten Buch aufs Sofa. Auftritt: the incredible Laubbläserman.“ abzusetzen, der zwar nicht ganz das wirkliche Geschehen beschreibt, aber ich lasse mir erstens von der Realität nicht meine Tweets kaputtmachen und zweitens geht es ja auch keinen was an, dass ich eigentlich gerade einen Roman schreiben will. Petzi-Bücher gibt es im Übrigen noch, sie sind gebraucht auch nicht wirklich teuer, und wusstet ihr, dass Petzi eigentlich ein Däne ist? Zwischendrin schreibe ich dann mal wieder einen Satz in das Worddokument, das mal der Roman werden soll, während der Musikplayer bei dieser jüngst von mir entdeckten isländischen Band angekommen ist, in der der Bruder unseres Handballnationalmannschaftstrainers spielt. „Handballnationalmannschaftstrainers“ – deutsche Sprache ist fantastisch, oder? Die Band heißt übrigens Mono Town und ich muss erst mal gucken, welche Songs ich von denen noch kaufen kann. Zwischendrin brummt auch immer mal wieder das Handy, und weil ich da ungern Nachrichten schreibe, erst mal WhatsApp am Rechner öffnen und ein paar Leuten antworten. Man will ja nicht als wunderlicher Sonderling gelten, der keine sozialen Kontakte pflegt. Oh, und die Waschmaschine ist auch fertig.

Liebe Kinder, nun wisst ihr, warum es so schwer ist, einen Roman zu schreiben. Bitte, gern.


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