Kinder, Kinder

Ich habe keine Kinder. Das ist nicht schlimm, denn ich wollte nie welche haben, und mit sehr vielen Kindern kann ich eh nichts anfangen. Das ist in den allermeisten Fällen nicht die Schuld der Kinder. Die Regel lautet: Wenn ich die Eltern schon doof finde, finde ich meistens auch die Kinder doof. Und es gibt nun mal sehr viele doofe Leute, die Eltern geworden sind. Davon kann man sie nicht abhalten, so viele Sorgen man sich auch um den Fortbestand der Menschheit machen mag. Aber …

Hoppla, kaum ein Absatz geschrieben, schon schweife ich ab. Wo war ich?

Ach ja. Kinder. Ich habe wie gesagt keine, und wenn in hier demnächst kein wie immer geartetes Wunder passiert, wird das auch so bleiben. Und das ist nicht nur nicht schlimm, es ist okay. Ich kümmere mich nicht besonders gern um andere Menschen, ich habe wenig Mütterliches an mir, deswegen ist alles sehr schön so, wie es ist. Ich wünsche mir nicht, dass mein Leben irgendwie anders wäre, mir fehlt nichts und ganz sicher nicht das Trippeltrappel kleiner Kinderfüßchen in der Wohnung.

Nun gibt es aber zwischen all den Kindern, die ich nicht leiden kann, immer wieder welche, die ich sehr mag. Vor allem die Kinder meiner Freunde, denn ich mag meine Freunde, und all meine Freunde ziehen da gerade Nachwuchs groß, der die Welt einmal besser machen wird, als sie heute ist. Da bin ich mir ganz sicher, und deswegen kann ich sagen, dass die Zukunft nicht so scheiße werden wird, wie es heute manchmal scheint.

Aber ich schweife schon wieder ab.

Zwischen all den tollen Kindern in meiner Bekanntschaft gibt es hier und da eins, das noch eine Ecke toller ist als alle anderen und das mich komplett unvorbereitet ins Herz trifft. Das sind in den meisten Fällen die leisen Kinder. Die schüchtern lächeln, während ihre Geschwister die dicken Charme-Geschütze auffahren. Die still in der Ecke sitzen und lesen und sich in ihrem Kapuzenpulli vergraben, während die anderen Rad schlagen und auf Händen laufen. Die alles mit wachen Augen beobachten und anschließend Geschichten schreiben und Bilder malen, während alle anderen laut lustige Sachen erzählen. Die Kinder, die man gern übersieht, sind die, von denen ich den Blick nicht abwenden kann. Und dann hört man von den Eltern, dass das betreffende Kind stundenlang lesen kann, sich gern zurückzieht, sich hervorragend mit sich selbst beschäftigen kann, aber auch den Arsch in der Hose hat, Mobbern entgegenzutreten und sich nicht gemein machen möchte mit denen, die auf anderen herumtrampeln, auch wem ihm selbst das vielleicht Nachteile bringen mag.

Ich halte mich nicht für besonders mütterlich, aber solche Kinder möchte ich immer besonders beschützen. Vielleicht ist das gar nicht nötig, weil sie auf sich selbst aufpassen können, wie jung auch immer sie sein mögen. Aber ich weiß auch, wie schnell solche Kinder kaputtgehen können, weil ich selbst als Kind so ähnlich war. Ich weiß, schnell Fantasie mit einem dummen Spruch ausgelöscht werden kann, wie schnell man die Geschichten, die man geschrieben hat, niemandem mehr zeigen mag, weil eine Person, der man sie zu lesen gegeben hat, genau die war, der man sie nicht hätte zeigen sollen.Wie schnell hat man keine Freude mehr an einem Hobby, nur weil jemand meint, das mit einem dummen Spruch abqualifizieren zu müssen. Plötzlich will man den Lieblingspulli in die Ecke schmeißen und nie wieder anziehen, weil sich jemand über die Farbe lustig gemacht. Man wird so schnell in eine Form gepresst, die anderen Leuten genehm ist, nur damit die sich nicht mit ihrer eigenen Mittelmäßigkeit auseinandersetzen müssen.

Ich möchte den stillen, kreativen Kindern eigentlich pausenlos zurufen, dass sie toll sind und so bleiben sollen, wie sie sind, weil sie so genau richtig sind. Ich will nicht, dass sie kaputtgemacht werden von den ganzen Idioten, den dämlichen Tanten, den unsensiblen Lehrern und all den anderen Blödmännern da draußen. Und dann denke ich wieder, dass es gut ist, dass ich keine Kinder hab. Ich glaube nämlich nicht, dass ich einer solchen Aufgabe gewachsen wäre und bewundere alle Eltern, die das so großartig hinkriegen.

Ja, und nächstes Mal schreibe ich auch wieder was mit viel Bier, Rülpsen und Pickeln am Hintern.


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