Voll auf den Nerv

Ich habe zu Schulzeiten nicht einmal die Schule geschwänzt, wirklich kein einziges Mal.

Doch, Moment. Ich durfte einmal mit Erlaubnis meiner Eltern zu Hause bleiben, weil unser damaliger Mathelehrer eine Arbeit schreiben lassen wollte, in die er neue Themen packen wollte, die er zuvor nur sehr unzureichend erklärte hatte. Ich hätte diese Arbeit verhauen und hätte mir damit eine Note versaut, und meine Eltern sagten, ich dürfe an diesem Tag zu Hause bleiben. Aber eigentlich zählt das nicht als Schwänzen – mit Erlaubnis ist es ja legal und somit langweilig.

Ich habe mich als Teenager nicht übermäßig für Politik und Klimaschutz interessiert, wobei ich schon Angst hatte, was sauren Regen, Waldsterben und Umweltverschmutzung anging. Aber meine Strategie, was Unangehmes angeht, war schon in jungen Jahren: Augen zu, nicht dran denken, dann geht es vielleicht von alleine weg.

Ich war bislang zweimal in meinem Leben auf einer Demo. Die eine in den 90ern gegen den Irak-Krieg, die zweite etwas später zu Studienzeiten gegen eine geplante Einführung von Studiengebühren.

Auf nichts von den oben erwähnten Dingen bin ich besonders stolz, ich wäre gern wagemutiger, vielleicht sogar unvernünftiger gewesen, anstatt wie immer überall nur Probleme zu sehen und deswegen lieber brav und langweilig zu bleiben. Ich hätte mich viel früher für Politik interessieren sollen, und vor allem hätte ich öfter auf die Straße gehen sollen. (Heute ist das Problem, dass ich oft arbeiten muss, wenn große Demos in Hamburg sind, weil mein Sender darüber berichtet, aber nun.)

Ich habe also den größten Respekt vor jungen, mutigen Leuten wie Greta Thunberg, die jetzt einfach mal die Schnauze voll haben von der Art, wie die Dinge heute laufen, und die auch tatsächlich etwas dagegen tun, die aufstehen, laut sind und nicht länger schweigend alles hinnehmen, was die Erwachsenen so anrichten.

Und genauso groß wie mein Respekt ist auch meine Wut. Meine Wut über die Berufsmotzer, die die Freitagsdemos peinlich finden, Greta Thunberg belächeln, weil sie irgendwie „anders“ sei, laut tönen, die jungen Leute sollten lieber in die Schule gehen, anstatt Erwachsene zu kritisieren. Mal abgesehen davon, dass aufgrund des Lehrermangels sowieso dauernd Stunden ausfallen, wieso sollte ich als Schüler*in denn noch (oft nutzloses) Wissen anhäufen, wenn die Welt gerade den Bach runtergeht? Dauernd schimpfen sie, die Alten und Verknöcherten, die Teenager heutzutage seien zu uninteressiert und zu unpolitisch, aber wenn sie auf die Straße gehen, ist es auch wieder nicht recht? Ich bin unfassbar genervt von diesen chronisch Schlechtgelaunten, die alles und jeden doof finden wollen und sich dann an einer Nichtigkeit aufhängen, damit sich die Diskussion auch bitte schön weit weg vom eigentlichen Kern entfernt, damit man über den bloß nicht mehr nachdenken muss.

Wir sollten langsam mal aufhören, nur Erwachsene und vermeintliche Experten als zurechnungsfähig und ernstzunehmen einzustufen. Wenn man sich mal anschaut, was wir bezüglich der Bewahrung von Ressourcen und des Umweltschutzes allein in den vergangenen 100 Jahren so geleistet haben, sollten wir mal schön die Klappe halten, das war kein besonders guter Job. Nennen wir das Kind ruhig deutlich beim Namen: Es war ein beschissener Scheiß-Job, den wir da hingelegt haben. Und wenn wir Greta Thunberg und all die anderen jungen Leute brauchen, um uns das zu sagen und vielleicht Dinge zu ändern, dann sollten wir froh sein, dass wir sie haben. (Genauso, wie die USA froh sein können, dass Emma Gonzalez und ihre Freunde gegen den dortigen Waffen-Wahn der NRA kämpfen und die Jugend mobilisieren. Aber das ist noch mal ein ganz anderes Thema.)

Und dann wollen wir doch ganz am Ende eines nicht vergessen: Dafür, dass Greta Thunberg angeblich keine Ahnung hat, nur ein kleines Mädchen mit einer fixen Idee ist, dafür regen sich gewisse Leute doch ein bisschen zu viel über sie auf. Das zeigt, dass sie offenbar einen Nerv getroffen hat.

Und ein schmerzender Nerv lässt sich nur ganz schlecht ignorieren. Gut so.

 

Not an Instagram Life

Wie ich sie hasse, diese perfekt gestylten Mädchen in ihren perfekten Wohnungen, die sich morgens als Erstes zu klassischer Musik einen Tee in ihrer blitzsauberen Küche kochen und sich dann zusammen mit ihrer Katze überlegen, was sie denn wohl heute Schönes kochen und wie sie sich und ihren Lieben das Leben schön machen können. Schön und noch perfekter, als es eh schon ist. Diese Mädchen sehen aus, als hätten sie keinerlei Verdauung und wenn doch, dann kacken sie Rosen und Nüsse. Sie wuppen alles mit Leichtigkeit, nichts ist ihnen zu schwer, nach einem vollgepackten Arbeitstag in der Einhornschule gehen sie noch einkaufen und anschließend ins Fitnessstudio, wo sie ihre eh schon makellosen Körper in Form bringen, dabei wie schon den ganzen Tag über perfekt gekleidet sind und natürlich nicht ansatzweise  schwitzen. Vielleicht transpirieren sie ein wenig, aber das riecht dann nach Lavendel. Alles ist Glitzer und Glamour, alles blitzt und blinkt, it’s all so shiny.

Ich habe eben in den ältesten Sportklamotten, die ich besitze, Krafttraining gemacht (nach einem gesunden und nahrhaften Frühstück, bestehend aus Limettenmuffins und Käsebrot), dabei geschwitzt wie ein Schwein und anschließend gestunken wie ein Puma. Mein Platz im Wohnzimmer ist sehr deutlich als mein Platz zu erkennen, weil da die ganzen Krümel von den Tortillachips liegen, die ich zu Mittag hatte. Und wenn ich lange genug in meinem Unterhemd suche, finde ich da sicher auch noch welche. Ich habe keine perfekte kleine Hauskatze, die mir zur Begrüßung abends freundlich um die Beine streicht, ich habe schlechterzogene Elche. Wenn ich einen Scheißtag im Büro hatte, und das habe ich oft, kann ich nicht mehr einkaufen gehen, weil ich den ganzen Supermarkt in Schutt und Asche legen würde, weil mir die Menschen da so unsagbar auf die Nerven gehen. Da ess ich lieber auch noch zum Abendessen Chips und trinke Leitungswasser, anstatt abends einkaufen zu gehen. Wenn ich joggen gehe, dann frühmorgens im Schutz der Dunkelheit, weil mich dabei Menschen sehen könnten, die meine Mitarbeiter sind und dann jeglichen vielleicht noch vorhandenen Restrespekt verlieren könnten.

Was ich sagen will: Ich tauge so was von überhaupt nicht für Instagram, ich habe keinen Instagram-Husband, der mich gekonnt in Szene setzen könnte, ich bin viel zu faul, um auch nur ansatzsweise den Schein zu erwecken, dass ich ein perfektes Leben hab und überhaupt. Weil ich bei Instagram aber nun auch einen Account hab, mache ich mit dem … was anderes.

Rauf aufn Monte Baldo, runter vom Monte Baldo

Und schon stand der letzte Tag vor der Tür, so eine Woche ist ja doch recht kurz.  :-/ Aber dafür war der letzte Ausflug auch einer der schönsten – es gab viel Gegend zu gucken, mit der Seilbahn zu fahren und noch mal Eis zu essen.

Auf dem Monte Baldo sollte man wirklich mal gewesen sein, das gehört sommers wie winters zu einem Besuch am Gardasee dazu. Denn mag der See von unten schon schön sein, lohnt es sich doch, ihn auch mal von oben zu betrachten. Rauf geht’s, wie gesagt, mit der Seilbahn. Ich hab den Link hier nur für die Leser gesetzt, die noch nicht das unbeschreibliche Glück hatten, mit einem deutschen Erklärbären auf den Berg zu fahren. Das ist wirklich toll, da muss man sich vorher gar nichts anlesen, das wird einem garantiert alles von einem Mittouristen erklärt. Nicht immer richtig, vor allem ungefragt, aber dafür mit 100-prozentiger Sicherheit.

Wichtig ist auch noch, bei jedem Huckler, den die Seilbahn macht, laut „huuuiiiii“ zu rufen und albern zu kichern. Die Jungs, die die Waggons fahren, haben das sicher noch nie vorher gehört und finden das bestimmt von Mal zu Mal witziger.

Wenn man oben ankommt, ist es wichtig, sich gleich zu beschweren, dass die Sicht oben nicht ganz klar ist, sondern ein Teil des Sees vom Aussichtspunkt in einem ganz leichten Nebel liegt. Der machte die Aussicht erst interessant, aber nu.

Am besten geht man ganz schnell weg von den anderen Touristen und genießt die Aussicht. Ganz für sich.

Einmal rund um den Gardasee – fast

Einer der Vorteile, dass meine Mutter und ich uns für den Ausflug nach Verona entschieden hatten, war, dass wir schon am frühen Nachmittag wieder zu Hause waren und noch schön Zeit für einen Spaziergang am Gardasee hatten. Inklusive Zeit für Gespräche, dumm in der Gegend rumgucken und sich endli

Am interessantesten war aber, die heimische Tierwelt zu beobachten.

Es gibt hier ja nichts, was es nicht gibt.

Zu Gast bei Giulietta

Two households, both alike in dignity,
In fair Verona, where we lay our scene …

Heute hatte sich unsere kleine Vierer-Reisegruppe mal getrennt – die beiden anderen Damen fuhren nach Mailand, meine Mutter und ich nach Verona. Es ist nicht so, dass ich Mailand nicht hätte sehen wollen, aber Verona wollte ich mehr sehen. Und vor allem den Balkon von Julia, der meinen Eltern schon auf ihrer Hochzeitsreise eine kleine Enttäuschung bereitet hatte. Zum einen dauerte es ewig, bis sie ihn endlich gefunden hatten, zum anderen war er sehr viel kleiner, als sie gedacht hatte. Ich war also schon vorbereitet, dass das Bauwerk nicht die Größe eines Rathausbalkons haben würde. Aber erst mal besuchten wir die Arena.

Dann aber auf zum Balkon. Und trotz Stadtplan und Beschilderung (*hust*) brauchten wir doch eine Weile, bis wir den Hinterhof fanden.

Und da war er auch schon:

Tatsächlich nicht groß, aber schön. Und auf die Größe kommt es ja auch gar nicht an, sondern auf Nachtigallen, Lerchen und Liebe und das ganze Geraffel.

Venedig, ein Traum

Das erste Highlight der Reise: Venedig.

Ja, ich weiß, es ist eigentlich schon viel zu voll da, alle fahren da hin, die Stadt geht langsam kaputt, aber ach … è Venezia. Und es ist wirklich eine Schönheit. Morgens um 5 ist es sicher noch eine schönere Schönheit, weil man sie dann vermutlich ganz für sich alleine und ganz still hat, aber auch so wird klar, warum es so viele Menschen jedes Jahr dort hinzieht.

Was könnte man jetzt alles schreiben, über die Seufzerbrücke, den Markusplatz (Viva la mamma!), die Rialtobrücke, den Dogenpalast, aber das weiß man doch sowieso schon alles. Also: gucken. (Und irgendwann, wenn ich mal wieder Zeit habe, mal ich das alles.)

Burg und Wasser und Spatzen – Sirmione

Und wenn man schon mal in Desenzano ist, kommt man natürlich an Sirmione nicht vorbei. Irgendwie kam es mir hier voller vor als bei unserem vorherigen Stopp, auch wenn dort das Marktgewusel war. Mag daran gelegen haben, dass in Sirmione mehr Touristen waren. Die nerven ja bekanntermaßen mehr als die Einheimischen. Späßchen!

Zuerst ins Auge fiel die Burg, die wir aber leider nur von außen sahen – der Fluch der Gruppenreisen. Irgendwann fährt der Bus, und es geht weiter, weiter, immer weiter.

Aber auch das Umland und das kleine Städtchen selbst sind schön. Ich war heilfroh, dass ich nicht allein unterwegs war – ich hätte mich heillos verfranzt in den kleinen Gassen, immer auf der Suche nach einem noch schöneren Fotomotiv, einem noch süßeren Blumentopf oder einer noch malerischeren Straße.

Auf den kleinen Bänkchen am See kann man hervorragend Mittagspause machen. Haben die beste Mutter von allen und ich für euch getestet. Ach ja, und der Elch.

Jetzt aber mal schnell wieder nach Hause, es wird schon dunkel.