Und noch einmal rundherum

Bevor in erschreckend wenigen Stunden wieder der Abschied naht – sicher nicht für immer, denn wenn ich irgendwann mal diesen blöden Roman fertig schreiben sollte, komme ich dafür sicher wieder hierher – gönnten wir uns noch eine kleine Bootstour rund um die Insel, um alles mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Und was soll ich sagen: lohnt sich auch.

Und Zeit fürs Museum war auch noch.

Bunkergeschichten

Ich lern ja im Urlaub auch gerne ein bisschen Geschichte, und da die beste Freundin aus Studientagen heute Geschichtslehrerin ist, buchten wir gleich bei der Ankunft schon mal eine Bunkertour.

Die kann ich übrigens nur empfehlen. Ich fand es besonders interessant, mal die andere Seite zu sehen, nachdem ich bei meinen Besuchen der Kanalinseln die Zeiten der deutschen Besatzung nachzuempfinden versucht hatte. Auf Helgoland waren ja die Briten – ebenfalls spannende, wenn auch ebenso unschöne Geschichten.

Ich kann die Bunkerführung nur empfehlen, lohnt sich wirklich.

Hollo und gu’n Dach!

So, dann starten wir mal rasch in einen kleinen Kurzurlaub mit der besten Freundin aus Studientagen. Auf nach Helgoland!

Der Wetterbericht sagt mäßiges Wetter für die nächsten drei Tage vorher, aber erstens interessiert das niemanden und zweitens strafen wir ihn schon bei der Ankunft Lügen.

Und der Ausblick von der Terrasse des Hotelzimmers könnte auch schlimmer sein.

Es folgt: der obligatorische Spaziergang rund um die Insel. Neu ist nur, dass diesmal so wenige Leute da sind. Das ist der Luxus bei Übernachtungen: Man wartet ganz schlau bis alle weg sind, hat beim Spaziergang seine Ruhe und die Insel für sich alleine. Na ja. Fast.

Was soll ich sagen, die Romantik hier macht einen fertig.

Heimreise mit Hindernissen

Wie heißt es so schön? „Leben ist das, was dir passiert, während du gerade dabei bist, Pläne zu machen“?

Man kann auch einfach mit flybe fliegen, da erlebt man auch was. Zum einen einen verspäteten ersten Flug, was aber nicht so schlimm ist, weil man ja in Manchester genug Puffer eingebaut hat, weil man den Saftladen ja inzwischen kennt. Man hat auch was zu lesen dabei, wahlweise kann man sich die schönen Bilder im Flughafen Jersey anschauen.

Irgendwann geht es dann auch los, man kann von oben winken und versprechen, dass man ganz schnell wiederkommen wird:

Man kann im Vorbeifliegen auch alten Bekannten winken und versprechen, dass man auch zu ihnen bald mal wieder vom Boden aus Hallo sagen wird. Hallo, Guernsey:

Hi there, Herm:

Und dann findet man sich gestrandet in Manchester wieder, wo der Weiterflug gestrichen wurde, man ohne Englisch-Kenntnisse komplett am Arsch gewesen wäre. Wo sich zeigt, was für ein absolut bekacktes Krisenmanagement flybe hat, wo einen aber wenigstens die Damen im Nero Café nett behandeln und „my lovely“ nennen.

Wo man nach Ewigkeiten endlich in einem saulauten Hotel einquartiert wird, in dem man die ganze Nacht kein Auge zubringt und statt des Verzehrgutscheins lieber ein Ticket für United gegen City gehabt hätte, aber … ach.

Wenigstens gab es am anderen Morgen am Flughafen was zu schauen und später zu Hause auch was zu trinken.

Und wenn ich zuletzt noch einen Ratschlag geben dürfte: An das sich anzickende Pärchen, dessen Gegenwart mir zunächst den Aufenthalt im Nero Café versüßte und anschließend den Aufenthalt in der Wartehalle am anderen Morgen – tut euch und der Welt einen Gefallen und lasst euch scheiden. Danke.

… und vorbei

Der letzte Spaziergang in diesem Urlaub, es war mir schon ein bisschen wehmütig zumute. Das Gefühl wich aber rasch der Wut, nachdem mich ein Wegweiser in Bonne Nuit Bay in die Irre bzw. einmal im Kreis schickte. Und vor allem einen sausteilen Berg einmal hoch und dann wieder runter. Die Aussicht war auch nicht anders als von unten, sprich, ich hatte unnötig Zeit verbrannt und war wieder genau da, wo ich angefangen hatte. Und in Bouley Bay musste ich doch den letzten Bus kriegen.

Also alles noch mal von vorn:

Dieses kleine Fort dort unten, La Crête Fort, war der eigentliche Grund, warum ich diese Tour überhaupt noch mal machen wollte, vielleicht gab es dort ja was Interessantes zu sehen.

Bei diesem Wegweiser musste ich nicht lange überlegen, ich hatte ja schon einen Aufstieg hinter mir. Also mal ganz faul auf den Lower Path.

Und ganz schnell (*keuch*) war ich dann auch schon in La Crête Fort, was – Überraschung! – heute eine Ferienunterkunft ist, die man nicht besichtigen kann. Ich hätte es wissen müssen.

Was nicht heißen soll, dass ich die Wanderung ernsthaft bereute. Wie könnte man auch nur eine Minute auf dieser Insel bereuen.

Ich finde es hier immer wieder faszinierend, dass man schon kilometerweit im Voraus sehen kann, wo es genau hingeht und auf welchem Weg man die nächsten Minuten oder gar Stunden verbringen wird. Und auch besonders schön, wenn es ständig rauf und runter geht.

Oha, eine Unterkunft in der Wildnis. Aber ich habe genug Zombiefilme und Abenteuerserien gesehen, um zu wissen, dass in einer einsamen Hütte im Wald nie was Gutes zu finden ist. Schon gar nicht, wenn sie „Wolfshöhle“ heißt.

Dass mich der Weg aber nun tiefer in den Wald und von der See weg führte, half nicht, das leichte Unbehagen abzuschütteln. Merke: Weniger Zombiefilme und Abenteuerserien gucken.

Ich weiß nicht, wie oft ich auf dieser Wanderung dachte, hinter der nächsten Bucht müsse aber nun endlich Bouley Bay kommen, bis es dann endlich wirklich soweit war. Übrigens mindestens eine Stunde vor dem letzten Bus. Die ganze Hetze war (natürlich) mehr oder weniger umsonst gewesen.

Ach ja, noch eine Frage an die Reichen unter meinen Lesern (neben der Frage, warum noch keine von euch Senftüten sich als Mäzen*in zur Verfügung gestellt hat): Wer kauft mit mir das Water’s Edge Hotel und bringt es wieder auf Vordermann? Ernstgemeine Angebote bitte in die Kommentare, verbindlichsten Dank.

Und nun war es unweigerlich soweit, noch ein paar letzte Fotos, ein paar Steine ins Wasser schmeißen, noch mal die Hand ins Meer halten, …

… ein letzter melancholischer Blick, …

… dann kam auch schon der Bus, und einer der schönsten Urlaube, die ich je hatte, ging zu Ende.

Aber heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage.

Die vorletzte Etappe

So, hopphopphopp, auf zur nächsten Wanderung des Tages, und zwar ein bisschen zackig, damit wir in zweieinhalb Stunden in Greve de Lecq den Bus nach St. Helier kriegen, damit wir von da den Bus nach Bonne Nuit kriegen, damit wir nach Bouley Bay wandern können, damit wir die Inselumrundung noch komplett machen können.

Verdammt, ich bin jetzt schon außer Atem.

Nee, nix da, Moosebert, nicht hinsetzen, keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit.

Okay, mal kurz Ruinen gucken ist noch drin. Hier waren wir zwar schon mal, aber diesmal sind wir ja von der anderen Seite gekommen.

Und meinetwegen auch noch mal in den Bunker, er ist zwar gruselig, aber auch hübsch bemalt. Also irgendwie.

Und immer wieder rauf und runter, runter und rauf. Im nächsten Urlaub dann aber mal was mit weniger Treppen.

Uff, geschafft, rein in den Bus und auf nach St. Helier, Nickerchen machen wir im Bus.