Inselliebe

Warum eigentlich Alderney?

Darum.

Weil es da ist. Weil es so schön ist. Weil es anders ist.

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Ich war vom ersten Abend an in diesen Felsen im Ärmelkanel verliebt, in die Überschaubarkeit dieser kleinen Insel, die nichts von mir verlangt. Sie freut sich, dass ich da bin, aber sie will nichts von mir. Ich muss hier nichts tun, ich muss noch nicht mal etwas wollen, ich muss einfach nur hier sein und vor mich hin atmen.

Wenn es hoch kommt, muss ich vielleicht noch im warmen Sand sitzen und aufs Wasser gucken, den Wellen zuhören. Das ist wohl das einzige, was Alderney auf unaufgeregte Art von mir verlangt, aber auch nur, weil es mir Gutes tun will. Ich soll dieser hübschen kleinen Insel nur zuhören, ihrem Wellenrauschen, ihren Möwenschreien und manchmal auch ihrem Regen und Donner, aber meistens ihrer Stille.

Niemand zerrt hier an mir herum, niemand verlangt von mir, irgendwas Bestimmtes zu sein, keiner will etwas, es gibt keine Anrufe, keine Verpflichtungen außer der, es mir gutgehen zu lassen. Und zwar so, wie ich will. Weil es so, wie ich es will, genau richtig ist.

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Ich bin hier auf schöne und angenehme Weise leer. Ich fühle keinen Stress, keine Hektik, habe keinen einzigen fiesen Gedanken in mir. Der Raum, in dem all das war, füllt sich allmählich mit Zufriedenheit. Und Ruhe.

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Zwischen Wind und Wellen am Biberkopf

Achtung, heute könnte es einen leichten Overkill an stimmungsvollen Bildern geben. Es war ein so unfassbar schöner und spannender Tag, so voller Sonne, Möwengeschrei, Landschaft und Schönheit, dass ich gar nicht viel schreiben kann.

Ich startete meine Wanderung in Braye, das mit seinem Hafen einmal der Hauptort der Insel gewesen war, bevor St. Anne ihm den Rang ablief. Die Häuser hier müssen nach dem Krieg in einem erbarmungswürdigen Zustand gewesen sein, im Grunde nur noch Gerippe. Die Deutschen hatten im Krieg alles zu Brennholz und Baustoff gemacht, dessen sie hatten habhaft werden können. Heute ist davon zum Glück nichts mehr zu sehen. Wer im Hafen anlegt, erlebt Braye als freundliche und mit vielen Restaurants, einem Hotel und Kneipen sehr lebhafte Visitenkarte Alderneys.

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Braye Beach sah heute etwas anders aus als an den Tagen zuvor – die Ebbe machte den Strand sehr viel größer.

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Auch ebenso hübsche wie vergängliche Sandkunst hatte die Ebbe offengelegt:

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Nach Braye ging es hinauf zu Fort Albert, einer ziemlich großen Anlage, von der man einen herrlichen Blick auf Braye, das Breakwater und natürlich das Meer und die umliegenden Felsen und Inselchen hat.

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Ich habe die Bilder übrigens kaum nachbearbeitet, das Wetter war heute tatsächlich auf der einen Seite sonnig und auf der anderen irgendwie bedrohlich-knötterig.

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Ich wollte mich eigentlich noch ein bisschen weiter umsehen, entschied mich aber, das an einem anderen Tag zu tun und weiter zum Bibette Head zu laufen, der sagenumwobenen Festung Biberkopf der Nazis.

Es handelt sich dabei um ein sehr geschickt angelegtes Bunker- Mörser- und Ausgucksystem (ich weiß, das ist nicht der Fachausdruck), das heute teilweise zur Naturbeobachtung genutzt wird. Von der Küste aus ist es vermutlich gar nicht im Detail zu erkennen, von Inselseite aus aber erkennt man erst mal, wie weitläufig die Anlage ist. Trotzdem muss man ein wenig aufpassen, wenn man durchstiefelt, weil überall Bunkereingänge lauern, die vom Dünengras fast ganz überwuchert sind.

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Alles in allem ist man aber froh, wenn man blauen Himmel über sich hat und wieder das Salzwasser riechen kann.

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Weiter ging es, erst mal bis zur Saye Bay mit einem (mal wieder) zum Kotzen malerischen Strand.

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Nur echt mit dem obligatorischen Segelbötchen natürlich.

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Aber an der nächsten Ecke musste Alderney natürlich noch einen draufsetzen. Dieser kleine Punkt unten links auf der Wiese ist ein Pferd. Romantik ahoi.

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Das folgende Motiv zeigt den Fischteich, Heimat des örtlichen Angelklubs. Ich fand ihn nur, weil ich nicht an der Straße langgehen wollte und nach einem Schleichweg suchte.

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Beim nächsten Strand stehe ich ehrlich gesagt etwas auf dem Schlauch. Ich glaube, es ist Corblets Beach.

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Allmählich kam auch wieder der Leuchtturm in Sicht.

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Und alles in allem ist es einfach viel zu schön hier.

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Eigentlich hatte ich heute Abend noch einen Spaziergang zum Fort Clonque machen wollen, um mir den Sonnenuntergang anzuschauen, aber ich bin erstens zu müde und zweitens würden noch mehr schöne Bilder heute vermutlich mein Hirn zum Schmelzen bringen.

 


Eine Insel erzählt

Die Überschrift für den heutigen Tag könnte auch lauten: faul, faul, faul. Wobei – ein bisschen Bildung war schon auch dabei.

Am Morgen war ich nämlich im Museum, das sich sehr lohnt. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie viel es auf einer Insel mit nur zweieinhalbtausend Einwohnern gibt und wie viel davon von Freiwilligen geleistet wird. Es gibt einen Kunstclub, einen Boxverein, einen Golfclub, einen Segelclub und eben das Museum, betreut von der Alderney Society. Die hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Insel nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Und so ruhig und beschaulich das Leben auch heute auf Alderney ist, war die Geschichte doch bis noch vor wenigen Jahrzehnten eine sehr bewegte. Und es ist gut, dass jemand dafür sorgt, dass sie nicht in Vergessenheit gerät.

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An der Kasse saß übrigens bei meinem Besuch ein Herr, der vor langen Jahren mal zur See gefahren war und ganz begeistert war, als er hörte, dass ich in Hamburg lebe. Dort sei er einmal in den Hafen gefahren – und diese Schiffsbegrüßungsanlage, die sei doch etwas ganz Tolles.

Ganz toll ist auch das Museum – klein, aber fein. Morgens hat es an den meisten Tagen zwei Stunden geöffnet, und wenn man sich alles ganz genau anschauen will, braucht man diese zwei Stunden auch. Ich kann das hier alles nur kurz anreißen (zumal ich mir keine Notizen gemacht hab und man im Alter ja auch vergesslich wird). Dazu passt übrigens die hübsche Geschichte, die mein Gastgeber hier im Bed & Breakfast mir erzählte. Seines Zeichens im Hauptberuf Klempner, hatte er vor ein paar Jahren den Auftrag bekommen, die Klempnerarbeiten im Anbau des Museums zu übernehmen. Er sah sich die Sache kurz an, sagte, er brauche vier Tage und legte los. Am Ende brauchte er neun Tage – aber nicht, weil die Arbeiten langwieriger gewesen waren als geplant, sondern weil „ich mir die ganze Zeit die Exponate angesehen habe und nicht davon loskam“.

Im Museum gibt es sowohl alte Fotos, Schautafeln, Vitrinen und ganze Zimmer, in denen Szenen aus der Vergangenheit nachgestellt werden. Besonders beeindruckend fand ich dabei die Dokumentation zum Elizabethan Wreck, das 1977 gefunden, in jahrelanger Arbeit teilweise gehoben und restauriert wurde. Die Kanonen sehen heute fast so aus, als könne man sie wieder benutzen.

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Wracks gibt es übrigens so einige rund um die Insel – die Felsen drumherum sowie der Wellengang wurden schon so manchem Schiff zum Verhängnis, wie die folgende Tafel zeigt:

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Was ich mir unbedingt auch noch mal von Nahem ansehen muss, ist die so genannte Nunnery am Longis Beach, in der allerdings nicht eine einzige Nonne gewohnt hat. Es handelt sich um ein altes Fort, dessen Grundmauern möglicherweise von den Römern gebaut wurden. In jeder folgenden Epoche baute jemand was drumherum, ja, auch die Deutschen mal wieder. In den 30er sah es dort aber noch so aus:

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So sah es also aus, bevor die Nazis die Panzerabwehrmauer gebaut hatten, die dem Strand heute sein charakteristisches Aussehen verleiht, bei aller Hässlichkeit aber auch den Wind abhält. Heute zeigen sich Strand und Nunnery so:

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Doch nicht alles im Museum trieft vor Geschichte, Tod und Verderben. Es gibt auch sehr niedliche Sachen zu sehen. Zum Beispiel einen ausgestopften blonden Igel (nein, keine Albinos), eine Rasse, die es nur auf Alderney gibt.

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In echt werde ich wohl leider keinen sehen, weil die geführten Spaziergänge immer mittwochs sind, aber an dem einzigen Mittwoch, an dem ich hier bin, leider nicht. Aber vielleicht sehe ich welche im Garten des Bed & Breakfast, da sollen nämlich auch ein paar leben.

Nach knapp zwei Stunden beschloss ich, mich für heute genug gebildet zu haben, und ging zum Strand, zum Braye Beach dieses Mal. Allmählich kenne ich hier die Schleichwege und weiß, wie ich einigermaßen schnell wohin komme.

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Es folgte exzessives Imsandherumliegen und Aufsmeersehen.  Hier soll übrigens auch noch ein Wrack herumliegen, das ich aber noch nicht gefunden habe, nämlich die „Henny Fricke“. Aber ich habe inzwischen einen Tide-Plan. Ich bleibe dran.


Tölpelsuche, die Zweite

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Zweiter Versuch, Tölpel zu gucken. Bei morgens noch recht frischem Wetter aufgebrochen, aber beste Temperaturen fürs Wandern. Die Luft war viel klarer als gestern, bestes Wanderwetter, wie mein Gastgeber am Morgen sagte.

Diesmal nahm ich natürlich nicht den Umweg über den Küstenpfad, sondern ging direkt zum Tölpelfelsen. Mit einem kleinen Abstecher durch Bunker und Mörserstellungen natürlich. Man kommt an denen einfach nicht vorbei.

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Aber Landschaft gibt es hier natürlich auch genug.

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Und da war er dann endlich: der Tölpelfelsen, Les Etacs. Voller Tölpelkacke. Und Tölpel natürlich. Viele, viele laute Tölpel. (Ja, ich schreibe das Wort wirklich gern.)

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Ich frage mich langsam, ob die die Segelboote hier auf den Kanalinseln immer extra ins Bild kleben, wenn ich da bin, oder ob das hier immer so malerisch aussieht.

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Nachdem ich den Tölpelfelsen hinter mir gelassen hatte (eine Tour mit dem Boot drumherum wäre sicher etwas spektakulärer gewesen), landete ich nach einem kleinen Spaziergang am Platte Saline Bay, und was soll ich sagen: Einen schöneren Ort für eine Mittagspause am Strand und ein ausgedehntes Nickerchen im warmen Sand gibt es nicht. Es kommt nämlich auch dort so gut wie niemand vorbei. Man hört lediglich das Wellenrauschen und zwischendurch den Flügelschlag einer Möwe. Als in der Ferne ein Schiff vorbeifuhr, konnte ich den Funkverkehr hören, so still war es ansonsten.

Und nein, ich habe die Farben nicht nachbearbeitet. Es. Sieht. Hier. So. Aus.

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Nach dem erfrischenden Schläfchen und einem Mittagessen wie in Enid-Blyton-Büchern (alles lecker durcheinander) kam sogar noch dieses hübsche Segelschiff vorbei.

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Und dann noch ein Stopp in der Braye Bay, wo es auch viel zu schön war. Man hält es kaum aus.

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Ich liebe diese Insel.


Immer den Tölpeln nach

Eigentlich müssten ja nicht Elche meine geistigen Führer sein, sondern Tölpel – so oft, wie ich schon beim Joggen umgeknickt bin oder mir das Knie aufgeschlagen hab. Aber auf Englisch heißen Tölpel Gannets, und das klingt schon weniger nach mir. Es sei denn, in der Übersetzung „Vielfraß“, dann passt es wieder.

Was ich aber eigentlich erzählen wollte, war, dass es hier einen „Gannet Walk“ gibt, der einen zu den Felsen Les Etacs führt, einer Tölpelkolonie auf einem inzwischen ziemlich zugeschissenen Felsen. Also der Spaziergang führt einen nicht direkt dahin, denn dafür müsste man sich schon die Klippen runterstürzen. Aber man kann die Vögel zumindest zu beobachten. Also mit einem Fernglas. Das ich nicht besitze.

Die Kolonie nahm ihren Anfang wohl im Zweiten Weltkrieg. Die Bewohner Alderneys hatten die Insel aufgegeben, wenige Tage später kamen die deutschen Besatzer und kippten überall Beton hin. Es gab also keine Fischer mehr, die um die Vogelfelsen herumgeschippert wären und das bis dahin einzige Vogelpärchen beim Brüten hätten stören können. Das schien sich unter den Tölpeln herumzusprechen, und über die Jahre wuchs und wuchs die Kolonie. Heute machen die Gannets vor Alderney zwei Prozent des weltweiten Bestandes aus.

Nachdem ich das ziemlich heftige Gewitter nach meinem kleinen Stadtspaziergang heute Morgen abgewartet hatte, packte ich den Elch ein und machte mich noch mal auf den Weg. Tölpel gucken.

Der erste Marker des Wanderwegs war schon mal gut zu finden: der Madonna Stone.

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Von da aus geht es auf den Küstenweg, der einmal um die ganze Insel herumführt.Und klar: Es ist auch an dieser Ecke der Insel zum Weinen schön.

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Ich hätte eigentlich rechts abbiegen müssen, aber ich werde in diesem Urlaub nicht auf einmal anfangen, mich an vorgeschriebene Wege zu halten. Zum einen, weil mir ein sehr freundlicher Hund mit noch freundlicherem Frauchen entgegenkam, das mich sogleich in ein Gespräch verwickelte, zum anderen, weil nach links das Schild „Wildlife Bunker“ lockte. Dabei handelt es sich um einen von den Deutschen formschön (nicht) in die Heide geklotzen Bunker, der vom Alderney Wildlife Trust übernommen und mit Infotafeln zu Flora und Fauna ausgestattet wurde. Zumindest steht das so im Internet, denn auch, wenn der Bunker gesäubert und halbwegs fein hergerichtet wurde – er ist immer noch gruselig. Oder ich bin halt einfach ein alter Schisser. Sucht euch eine der beiden Möglichkeiten aus.

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Ich hab es da doch eher mit der freien Natur und dem Blick aufs Wasser.

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Wenn man dem Wanderweg ein wenig weiter folgt, kommt man allerdings nicht umhin, sich erneut mit dem dunkelsten geschichtlichen Kapitel der Insel zu befassen. Die Nazis errichteten auf Alderney insgesamt vier Lager, drei Arbeitslager (benannt nach den Inseln Borkum, Norderney, Helgoland) und ein Konzentrationslager, dem sie den Namen „Sylt“ gaben. Viel ist von allen nicht mehr zu sehen, doch die Säulen zum Eingang des KZs stehen noch.

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Ich blieb ein paar Minuten stehen, bat im Geiste um Vergebung für das, was Deutsche, die nicht wie ich in friedlicher Absicht auf die Inseln gekommen waren, den Menschen und der Landschaft hier angetan hatten, und wanderte schließlich weiter.

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Was die folgenden Bilder nicht zeigen, ist das herannahende dritte Gewitter des Tages, das in Form von ziemlich dunklen Wolken aus Richtung Jersey kam. Da das Gewitter am Mittag schon ziemlich heftig gewesen war, bekam ich ein wenig Schiss und kürzte den Weg nach Hause ab. Querfeldein, durch Matsche natürlich. Alles andere wäre ja langweilig gewesen. Statt Tölpeln sah ich stattdessen etwas weniger exotische Tiere.

Laute …

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… und leckere.

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Das Gewitter, vor dem ich hektisch geflüchtet war, kam übrigens an diesem Abend sonstwo an. Nur nicht in Alderney.


Segelschiffe und bunte Fenster

Ach, es ist fantastisch hier. Man ist fix überall zu Fuß (na gut, nicht immer so richtig fix, weil es ständig hoch und runter geht, aber zumindest braucht man keinen Bus), und wenn es einem an der einen Küste nicht mehr gefällt, geht man eben zur nächsten.

In der Stadt selbst war erstaunlich viel los, die Geschäfte waren voll, bei nur knapp mehr als 2400 Einwohnern kannten sich auch fast alle, jeder sprach mit jedem, alle waren gut gelaunt.

Heute Morgen fand ich eher zufällig das Cricket Field, von wo aus man einen schönen Blick auf Braye Harbour hat.

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Und in dem Moment, in dem man denkt, schöner kann es jetzt aber auch nicht mehr werden, schiebt sich ein Segelschiff in den Hafen. Das ist doch lächerlich schön, ey.

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Weil Montag ist und kein Gottesdienst in der Kirche stattfand, konnte ich auch mal schnell einen Blick reinwerfen – es wird schnell klar, warum St Anne’s Church auch „Kathedrale der Kanalinseln“ genannt wird.

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Dann aber weiter zu weltlichen Dingen: Postkarten und Gedöns kaufen, Nickerchen machen und sich auf den Nachmittagsspaziergang vorbereiten.


Mal eben zum Strand

Die Wettervorhersage in Gestalt meines Gastgebers hatte für heute 30 Grad versprochen, weswegen ich eigentlich geplant hatte, faul am Strand zu liegen. Doch heute kam vieles anders, als ich es geplant hatte.

Der Tag begann wie der Sonntag auch mit einem herzhaften englischen Frühstück – dazu gab es einen ganzen Haufen Komplimente und eine Einladung nach Guernsey von einem freundlichen jungen Mann, der zusammen mit seiner Pflegerin und seinen Eltern ebenfalls ein paar Tage in diesem zauberhaften kleinen Bed & Breakfast verbringt. Ich würde sagen, ich hab einen Lauf, was kümmert es mich da, dass das Wetter nicht so super ist, wie es vorhergesagt wurde.

Ich hatte mir vorgenommen, einfach die High Street runterzugehen, bis ich zum Longis Beach kam. Da ich aber, vermutlich eines genetischen Defekts, nicht in der Lage bin, einen einmal gefassten Plan ohne Umwege zu verfolgen, weil am Straßenrand Blümchen blühen, der kleine Trampelpfad da rechts so vielversprechend geheimnisvoll aussieht oder EICHHÖRNCHEN! schaute ich mir bis zum Ende des Nachmittags die halbe Insel an.

Erster Abstecher: ein Friedhof.

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Ich kann mir nicht helfen, die Friedhöfe sind hier einfach zu schön.

Der Friedhof ging direkt über zum Woodland Trail, dem ehemaligen Strongpoint Ho-Höhe, der heute hervorragend ausgeschildert ist und ein wenig an einen Abenteuerspielplatz erinnert – und wenn man nicht aufpasst, liegt man plötzlich in einer Mörserkuhle.

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Manche übrigens scheint die Gegenwart von Gräben, Bunkern und Mörserkuhlen in romantische Stimmung zu versetzen. Nun, jeder, wie er mag, ich bin da tolerant.

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Nach einem rund einen Kilometer langen Umweg, misstrauisch beäugt von diversen Kühen und ärgerlich kommentiert von zahlreichen Grashüpfern, die in Scharen aufstoben, wo auch immer ich hintrat, fand ich den Zugang zum Klippenwanderweg, den ich eigentlich schon am Samstag hatte entlanggehen wollen.

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Hier oben kann man natürlich auch kein Stück geradeausgehen, ohne auf ein altes Fort zu stoßen. Oder ein altes Schloss. Oder eine Anti-Zombie-Festung, wer weiß das schon. Es ist leider nicht immer alles ausgeschildert.

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Und so langsam konnte ich auch den Strand sehen, an den ich wollte: Longis Beach, gesäumt von einer formschönen Panzerabwehrmauer, gebaut von – natürlich – den Deutschen. Im Krieg konnten wir ja nur Beton.

Zeit, sich in den Sand zu setzen und diesen überall in Tasche und Körper zu verteilen, die Füße ins Wasser zu halten, ein Nickerchen in der Sonne zu machen und zu genießen, dass außer mir fast niemand an diesem herrlichen Strand war. Nicht, dass der Vormittag bis dahin von einer unerträglichen hohen Anzahl von menschlichen Interaktionen geprägt gewesen wäre, aber am Strand alleine zu sein, ist doch so ziemlich das Schönste, was ich mir vorstellen kann.

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Kaum war die Sonne weg, schrie auch schon das nächste Fort danach, erkundet zu werden. Weiter als bis zum Zaun kam ich allerdings nicht.

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Da die Flut aber bereits heranrollte und den Causeway, über den ich gekommen war, zu überspülen drohte, war das aber vielleicht auch gar nicht so schlimm. Man kann sich ja doch was Schöneres vorstellen, als sechs Stunden in einem verlassenen Fort festzusitzen.

Das nächste Fort, Fort Houmet Herbé, war bereits durch das Wasser abgeschlossen, aber vielleicht ist das auch immer so, weil der alte Zugang längst kaputt ist.

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Fort Quesnard danach ist zwar äußerst schick anzusehen, aber in Privatbesitz, Fort Les Houaux Florains wiederum liegt mehr oder weniger in Trümmern. Man müsste mal recherchieren, was die Renovierung kosten würde. Wenn ich mal all meine imaginären Häuser überall auf der Welt verkauft habe, kann ich mir das vielleicht leisten.

 

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Sehr schick dagegen ist der Leuchtturm anzusehen. Der ist allerdings nur sonntags geöffnet, sodass ich mich noch ein bisschen gedulden muss, wenn ich den besichtigen will. Das mach ich aber auf jeden Fall noch.

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Der Rückweg zog sich dann ordentlich, wie immer, wenn ich denke: Ach, da ist ja schon der Kirchturm zu sehen, dann bin ich ja gleich da. Zum Glück tröstet einen die Aussicht hier über jedes müde Zwicken im Knie und jede Blase an der Hacke hinweg.

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