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Ich gebe gern

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Und es begab sich aber zu der Zeit, dass sich Menschen die Finger mit Sekundenkleber zusammenbappten, sich heillos in bunten Wollknäueln verhedderten, an den unmöglichsten Stellen Farbkleckse verteilten und mit viel zu dicken Fingern versuchten, winzige Applikationen auf Tischdecken aufzubringen.

Ja, ich gestehe es hiermit: Wenn Weihnachten näherrückt, so etwa ab September, verwandele ich mich in ein gelegentlich mir selbst fremdes Wesen. Ja, ich bin ein Bastelholic. Nein, ich brauche keine Hilfe, danke.

Wenn ich erzähle, dass ich meine Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke fast alle selbst bastle, ernte ich eigentlich immer erstaunt-ungläubige Blicke. Gelegentlich folgt dann ein bewundernder Kommentar, in den meisten Fällen aber die mehr oder weniger höflich formulierte Frage, ob ich sie noch alle habe. Auch auf das Geständnis, dass ich jedes Jahr mindestens zehn verschiedene Sorten Kekse backe und sämtliche Weihnachtskarten selbst gestalte, ernte ich meistens hochgezogene Augenbrauen.

Ich will nicht sagen, dass ich immer die allerentspannteste Vorweihnachtszeit habe, und die heimische Wirtschaft fände es sicher auch schöner, wenn ich mein Geld mit vollen Händen aus dem Fenster schmisse, aber ich kann nicht anders. Zum einen besitze ich gefühlte zwei Millionen Handarbeitsbücher und dreißig Kisten voller Stoffreste und Bastelmaterialien, zum anderen war ich schon immer in verschiedene Richtungen kreativ – mit Worten, Farben, Wolle, Stoffen, Kleister und Papier. Ich liebe es, wie sich Dinge unter meinen Händen formen. Wenn man den ganzen Tag am Computerarbeit macht, ist es eine schöne Abwechslung, abends was zu tun, was man anschließend ansehen und anfassen kann.

Dazu kommt, dass ich inzwischen so viele Menschen kenne, die ich zu Weihnachten beschenken möchte, dass ich dabei arm würde. Und um gleich die nächste Fragen zu beantworten: Nein, nicht alle dieser Menschen schenken mir auch was. Ja, ich beschenke diese Menschen trotzdem jedes Jahr wieder. Weil sie mir wichtig sind, weil ich ihnen was Gutes tun möchte. Ich setze mich spätestens im Oktober hin und blättere meine Handarbeitsanleitungen durch, schreibe ellenlange Listen mit möglichen Geschenken, überlege, wen ich dieses Jahr alles bedenken möchte und plane, wer was kriegt. Es macht mir einen Heidenspaß, mir zu überlegen, was die leicht esoterisch angehauchte Kollegin bekommen soll, was für die Freundin, die so gerne reist, das schönste Geschenk wäre oder was der beste Cousin von allen dieses Jahr unter dem Baum vorfinden könnte. Und während ich Handtücher besticke, Notizbücher beklebe, Socken stricke oder Pulswärmer nähe, denke ich an die Person, die das Geschenk bekommen soll und erinnere mich dran, was wir schon alles zusammen erlebt haben oder stelle mir vor, wie derjenige sein Päckchen auspackt und sich (hoffentlich) freut. Manchmal schenke ich sogar Leuten was, die ich kaum kenne – einfach, weil wir mal eine nette Begegnung hatten. Ich mache das einfach gern so, auch wenn ich jedes Jahre tagelang im Bastel- und Paketchaos lebe und regelmäßig in Stress gerate, weil alles natürlich doch viel länger dauert als angenommen.

Ich werde damit nicht aufhören, genausowenig, wie ich damit aufhören werden, meinem Zahnarzt Kekse zu schenken oder meinem Automechaniker eine Kleinigkeit vorbeizubringen, wenn ich mich von diesen Leuten im fast abgelaufenen Jahr gut betreut gefühlt habe. Natürlich machen die auch nur ihren Job, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn die Kunden sich immer nur melden, wenn sie was zu meckern haben, dass ich gerne mal sage, dass etwas toll war (das mache ich im Übrigen nicht nur zu Weihnachten).

Im Übrigen finde ich es überhaupt nicht schlimm, wenn jemand nicht basteln kann oder einfach keinen Bock dazu hat. Ich handhabe meine Weihnachtsbräuche ja nicht so, weil ich andere damit beschämen möchte. Wer ein schlechtes Gewissen hat, weil er fertige Kekse kauft, während ich zwei Tage lang mehlbedeckt in der Küche stehe, dann tut mir das leid, aber deswegen werde ich nicht aufhören zu backen. Und ich mag mir auch nicht länger dumme Sprüche dazu anhören. Ich mache euch nicht madig, wie ihr schenkt, also lasst mir doch bitte auch meinen Spaß. Ab Januar bin ich dann ja auch wieder normal.


Plätzkes backen leicht gemacht

Dieser Beitrag wurde vom Trailer einer Backshow inspiriert. Ich habe diese Backshow nie gesehen, aber hey – seit wann brauche ich Fakten, um mir eine Meinung zu bilden?

Der Trailer dieser Backshow lässt vermuten, dass es in der Backshow selbst nur darum geht, etwas für eine Jury zu produzieren. Eine strenge Jury, die nicht auch nur einen an der falschen Stelle aufgebrachten Zuckerstreusel durchgehen lässt. Die Kandidaten scheinen mordsmäßig unter Stress zu stehen, müssen in einer bestimmten Zeit etwas produzieren, was mindestens eines königlichen Hoflieferanten würdig wäre. Wenn sie das nicht hinkriegen, fühlen sie sich schlecht und minderwertig und werden von der Jury heruntergeputzt.

Wenn ich dazu was sagen dürfte: Ihr habt da was grundlegend falsch verstanden, was das Backen angeht.

Backen geht nämlich so: An einem vernieselten Sonntagnachmittag holt man bei einem Glas Rotwein die über Jahre gesammelten Backhefte hervor, setzt sich gemütlich auf dem Sofa zurecht, blättert die Hefte durch und überlegt sich dabei, was man denn dieses Jahr zu Weihnachten alles so zaubern möchte. Dabei erinnert man sich an diesen einen Nachmittag, an dem man unter Zuhilfenahme von reichlich Weißwein mit Mama gebacken und sich die schwierigen Ausstech-Plätzkes bis zum Schluss aufgehoben hatte. Was blöd war, weil übermäßiger Weißweingenuss die Motorik nicht zum Besseren verändert. Oder man erinnert sich an den Nachmittag, an dem man mit der besten Hamburger Freundin gebacken hatte, um 14 Uhr das erste Bier öffnete, zwischendurch am Netradio der Borussia aus Dortmund beim Verlieren gegen Frankfurt zuhörte und anschließend bei Gin Tonic die Brownies verbrennen ließ. Oder an das lustige Backen mit den beiden drei Jahre alten Zwillingen einer anderen Hamburger Freundin, die das Mehl (und Popel) überall da verteilten, wo Dr. Oetker das niemals vorgesehen hatte.

Beim Aussuchen und Erinnern ist man allmählich beim zweiten Glas Rotwein angekommen und bemerkt überrascht, dass die Liste der zu backenden Plätzchensorten auf 20 angewachsen ist. Mit eiserner Selbstbeherrschung beschränkt man sich auf zehn und feiert das mit einem weiteren Glas Rotwein.

Anschließend erstellt man für alle benötigten Zutaten die Einkaufsliste, die beginnt mit „1150 g Butter, 555 g Zucker,  1100 g Mehl, 12 Eier …“ und somit als Anschlag auf die Gesundheit sämtlicher Familienmitglieder, Freunde und Kollegen gesehen werden kann. Nun geht man einkaufen und schreit Rentner und Kinder an, die einem im Weg stehen oder rumlärmen. (Das Einkaufen in der Vorweihnachtszeit ist das einzige, was am Plätzchenbacken keinen Spaß macht, da müssen wir uns nichts vormachen.)

Nach dem Einkaufen begibt man sich mit einer guten Flaschen Rot- oder Weißwein oder einem anständigen Küchenbier in die Küche. Nun beginnt das eigentliche Backen: anrühren des ersten Teigs, hingebungsvolles Schnuppern an einer frischen Vanilleschote, fluchen, weil man sich beim Aufschneiden derselben in den Finger gesäbelt hat, suchen der Ausstecher, sich wundern, dass man inzwischen drei verschiedene Elch-Formen hat, abwiegen des Zuckers, stundenlanges Sieben des Puderzuckers, wundern, warum man schon wieder braunen Zucker gekauft hat, obwohl noch drei Pakete im Schrank stehen, warum macht man nicht öfter mal Mochitos, Eier formvollendet trennen und die Hälfte auf den Boden schmeißen, sich ausgerechnet dann an der Nase kratzen müssen, wenn man bis zu den Ellbogen im Knetteig steckt, immer mal wieder probieren, sich freuen, wie fantastisch der Brownies-Teig mit dem Zuckerrübensirup schmeckt, an den Schokoraspeln naschen, überlegen, wie man wohl schwarz-gelben Zuckerguss hinkriegt, um BVB-Plätzkes zu backen, fluchen wie der Pirat, dessen Ausstechform einfach nichts taugt, weil man den Teig nie so rauskriegt, dass der Pirat wenigstens ein Bein hat, sich auf die Gesichter derjenigen freuen, die die Plätzchen geschenkt kriegen, noch mal an der Vanilleschote riechen, sich freuen, man wieder richtig mit Teig rumschmaddern zu können, die Rührstäbe ablecken, weil man ja jetzt erwachsen ist und kein Vorbild mehr für irgendwen sein muss, sich wundern, dass der Küchenwein/das Küchenbier schon alle ist, hihihihi, noch mal fix einen Löffel voll von der Füllung für die Melting Moments nehmen, sich immer wieder aufs Neue freuen, wie man aus so vielen einzelnen Zutaten was ganz Neues machen kann, zwischendurch bescheuerte Bilder von Elchen beim Backen machen und dann vom Lieblingskollegen „DU BIST DIE BESTE“ gemailt bekommen, weil er soeben die Kekse gefunden hat, die man für ihn unter dem Schreibtisch versteckt hat.

So geht Backen, Freunde.

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Curd Rock Jr. wünscht eim frohem Fest

Tja.

Ich wollte ja eigentlich nichts mehr schreiben, aber ich habe seit einigen Wochen einen neuen Mitbewohner, der mir keine Ruhe lässt. Der mich Tag und Nacht pestet, ich solle wieder was schreiben. Was er hier solle, wenn er nicht in meinem Blog auftauchen könne. Was „seim Papa“ von ihm denken solle, wenn es hier keine Bilder von ihm gebe. Ich bin ja prinzipiell eine Frau mit Prinzipien, aber wenn mir so ein Curd Rock Jr. den lieben langen Tag mit seim Genöle auf dem Pinn geht – was soll ich da dagegemhaltem?

Wohlan denn: Frohe Weihnachten allerseits.


(Zufrieden jetzt, Du kleine leberwurstfarbene Nervensäge?)


Have a Bert’n’Ernie-Christmas!

Frohe Weihnachten allerseits*!

*“Allerseits“ schließt Postbeamte und Trolls aus. Euch wünsche ich sehr unchristliche Dinge. Allen anderen wünsche ich schöne Feiertage, erfüllte Wünsche, viele Geschenke, robuste Mägen und überhaupt alles nur erdenklich Gute!


Der Weihnachtsmoment

Aaah, da war er endlich, mein Weihnachtsmoment:

Das letzte Geschenk war fertig, ich saß im Schlafanzug mit Kaffee und Schoko-Chili-Lebkuchen vorm Fernseher, und in der Sendung mit der Maus lief der kleine Maulwurf und feierte Weihnachten mit seinen Freunden. Aaaaah. NIchts störte die Idylle, auch nicht die Heizung. Und wenn ich jetzt sofort bitte noch „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sehen könnte, wäre das ein Traum.

Und die zauberhafte Kristina möchte meinen zauberhaften Baum sehen. Aber gern:

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Man beachte die entzückende blau-weiße Deko (und da sage noch einer, ich sei im Fußball nicht tolerant) und denke sich die Lichterkette dazu. Die ist nämlich verschwunden. Ähem.


Hauptsache, er steht*

*Meine Besucherzahlen gehen zurück und ich versuche nun, die Leser mit sexuell zweideutigen Überschriften zu ködern.

Ich habe endlich einen Weihnachtsbaum, und er ist schief. Das war so nicht geplant, aber es ging irgendwie nicht anders. Schuld am schiefen Baum bin natürlich nicht ich, sondern ein alter Mann. Und das kam so:

Ich wollte eigentlich schon vor einer Woche einen Baum kaufen, aber die Verkäufer vorm Möbelschweden waren unfreundlich und die Nordmanntannen zu teuer, sodass ich erst heute im Baumarkt um die Ecke zuschlagen konnte. Ich hatte dabei einen festen Plan: Mir nichts von einem dämlichen Verkäufer aufschwatzen zu lassen und keine Nordmann-Tanne zu kaufen, sondern lieber eine Blaufichte.

Das mit dem Verkäufer klappte auf Anhieb, denn im Weihnachtsbaum-Abschnitt des Baumarkts gab es keinen. Alles mit Selbstbedienung, dafür an jedem Baum ein eigenes Preisschild, so mag ich das. Allerdings sahen die Blaufichten ein bisschen sehr krüppelig aus. Es gab sowieso nicht mehr allzu viele schöne Bäume, denn ich war wohl doch schon ein bisschen spät dran mit dem Weihnachtsbaumkauf. Und die Bäume, die noch schön waren, waren zu groß für meine Wohnung. Endlich fand ich dann doch noch einen, hielt ihn hoch, sah ihn von allen Seiten an und wollte ihn schon wieder wegstellen, als neben mir jemand sagte: „Der ist doch schon von unten schief, Kind.“ Neben mir stand ein älterer Herr, der mich mit ebenso gönnerhafter wie besserwisserischer Miene ansah. Klar – Baumkauf ist Männersache, und da ich offenbar keinen dabei hatte, muss natürlich so ein alter Sack die Rolle des Fachmanns übernehmen.

Nun passiert aber folgendes, wenn mich so ein alter Besserwisser „Kind“ nennt und mir gönnerhaft sagen will, was ich zu tun habe: Ich bringe den Herrn zunächst mit einem Blick zum Schweigen und tue dann das Gegenteil von dem, was er geraten hat. Sprich, ich kaufte den Baum, der schief war und den ich eigentlich nicht haben wollte. Weil ich dieses Verhalten von alten Männern hasse – und diesen „Ich-erklär-dir-armer-Frau-mal-die-Welt-Ton“. Ich will nicht „Kind“ genannt werden von Typen, die ich nicht kenne. Ich will nicht ungefragt Ratschläge bekommen. Ich will meine Ruhe! Ich bin schon groß, Himmel Arsch.

Ich habe also aus Trotz einen schiefen Baum gekauft, den ich eigentlich nicht hatte haben wollen, ihn zu Hause aufgestellt (und er steht dank des patentierten Ständers trotzdem gerade, ätschbätsch!) und geschmückt. Und er sieht zau-ber-haft aus!

So war also der alte Mann Schuld daran, dass ich nun einen schiefen Baum habe. Eine Nordmanntanne übrigens.


Weil bald Weihnachten ist

Das geht einem doch glatt ein Adventslichtlein im Herzen auf: Als ich gestern ein wenig unmotiviert zur Arbeit schlurfte, sah ich vor mir im Gang einen Techniker mitsamt Klappleiter in der Hand um die Ecke in Richtung Aufzug stürzen. Ich verlangsamte meinen Schritt, denn zum Auch-in-den-Aufzug-sprinten hatte ich keine Lust, außerdem tut mir bei dem kalten Wetter immer das Knie so weh und überhaupt, was soll die ganze Hetze.

Doch als ich um die Ecke bog, sah ich, dass der Techniker die ganze Zeit gewartet hatte, in der Aufzugtür stand und diese für mich aufhielt.
„Dankeschön! Wenn ich das geahnt hätte, wäre ich schneller gelaufen“, sagte ich.
„Ach was. Is doch bald Weihnachten“, grinste er.

Klar. Mitte Januar hätte er mir wahrscheinlich die Finger in der Tür eingeklemmt. ;-)