Von Kaiserbad bis Wasserschloss

Also – wenn die hier was können auf Usedom, dann ist es Himmel.

War heute sonst noch was? Ach ja, Mellenthin samt Wasserschloss.

So lecker diese Waffel war – sie ist doch Sinnbild für eine Tragödie. In der kleinen Gaststätte hatte ich bei meinem allerersten Besuch 2002 eine fantastische Pizza gegessen – mit knusprigem Boden, Rucola und einer selbstgemachten Tomatensoße, von der ich heute noch träume. 2009 hatte ich zuerst draußen gesessen und zu spät gesehen, dass es Pizza nur drinnen zu bestellen gab. Und dieses Jahr gab es sie aufgrund eine Inhaberwechsels nicht mehr. Ich werde diese Pizza also NIE WIEDER essen. Und ihr denkt, ihr hättet Probleme.

Abstecher nach Peenemünde

Hier sah alles noch ziemlich genau so aus, wie ich es von meinem jüngsten Besuch auf Usedom, der nun auch schon elf Jahre zurückliegt, in Erinnerung hatte. Da ich mich aber an viele geschichtliche Details zur V2-Rakete und den Forschungen hier erinnern konnte, machte der Besuch auch ein zweites bzw. eigentlich schon drittes Mal Spaß. Zumal das Wetter auch eher bescheiden war und es eh schöner war, seine Zeit drinnen zu verbringen.

Zum ersten Mal war ich dann auch oben auf dem Dach – sehr schöne Aussicht hat man von hier, bei dramatischem Wolkenhimmel vielleicht sogar eine schönere als bei Sonnenschein.

Das Kraftwerk war auch noch mal einen Besuch wert, an das konnte ich mich so gar nicht erinnern. Und Industriekultur ist für Menschen aus der Nähe des Ruhrgebiets auch immer was Schönes.

Ins U-Boot schafften wir es diesmal nicht mehr, aber wir sind ja noch ein paar Tage hier.

Was wir uns aber nach dem obligatorischen Fischbrötchen noch gönnten, war ein Abstecher ans Wasser, um das Feuerwerk zum 3. Oktober, dieses Jahr der 30. Jahrestag des Mauerfalls, anzuschauen. Dieses zog sich wie eine explodierende Perlenkette an der ganzen Küste entlang, alle Viertelstunde war ein weiterer Ort dran, in der Ferne sahen wir so zunächst die Funken über Zempin sprühen, dann waren „wir“ in Koserow dran.

Erst mal die Hood checken

Erster richtiger Urlaubstag, erst mal die Gegend erkunden und sehen, wo es die besten Fischbrötchen und Bier dazu gibt. Denn merke: Auch nach einem ausgiebigen Frühstück hat man irgendwann wieder Hunger. Außerdem sind meine Eltern Rentner, und ich bin über 40. Regelmäßige Mahlzeiten werden immer wich… Wo war ich ? Ach ja, erst mal spazierengehen.

Wenn einem das Meer mal zu viel wird, ist auch der Wald in Koserow nicht weit weg.

Mutter Natur hat doch immer noch die schönsten Beleidigungen auf Lager. Ihr Hohltauben!

Aber lange hält man es ja ohne Meer nie aus.

Mission accomplished:

Text/Bild-Schere, Symbolfoto:

 

Auf der Straße ohne Namen in die Erholung

Und die Frage, die unweigerlich kommen muss, gleich vorweg zu beantworten: Ja, ich habe schon wieder Urlaub, auch wenn ich in diesem Jahr schon auf Jersey und auf Helgoland war. Deal with it.

Diesmal zieht es aber nicht nur mich weg, sondern gleich die ganze Familie, also Vater, Mutter, Kind und Elch. Und zwar nach Usedom. Für mich ist es mittlerweile das dritte Mal, aber da ich jedes Mal in einem anderen Ort war, fühlt es sich noch nicht ganz wie Nachhausekommen an.

Diesmal war ich aber das erste Mal mit Navi unterwegs, was aber auch nicht durchgängig dazu beitrug, die Orientierung zu erleichtern.

Egal, wir kamen trotzdem an. Und nun: Hoch die Tassen, es ist URLAUB.

Das Ende naht

Letzter Urlaubstag heute – wo ist die Zeit hin?

Auch heute versauten mir die Wolken wieder den Sonnenaufgang. Aber nette Fotos gab es trotzdem.

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Beim Frühstück dann zum vorletzten Mal die strafenden Blicke der anderen Gäste, weil das, was ich auf dem Teller habe, nicht ihre Billigung findet. Iiih, Würstchen zum Frühstück, ist ja widerlich. Außerdem durfte ich den Tisch wieder mit einem stummen Ehepaar teilen. Eines, das sich gerade noch ein „Guten Morgen“ abringen konnte, aber nicht die Frage, ob ich was dagegen hab, dass man sich zu mir setzt. Nicht, dass ich abgelehnt hätte, aber gefragt werden will ich schon gern.

Das Frühstück plätschert also so vor sich hin, da pampt plötzlich hinter mir eine Stimme: „Nu lass doch mal das Zeuch liegen, du wirst ja jeden Tag fetter!“ Und wie immer gesprochen von einer Person, die selbst auch nicht gerade ein Ausbund an Grazie ist.

Besonders schön ist ja, wenn einen die anderen an ihren alltäglichen kleinen Sorgen teilhaben lassen. So was wie „Hab ich gestern Abend eigentlich meine Tabletten genommen?“ oder „Willste noch nen Apfel?“ und auf die Verneinung ein keifendes „Na, gleich sindse wech!“ oder auch „Pah, dann setzen wir uns eben dahin, wenn du das willst.“ Als ob es wichtig wäre, beim Frühstück am Fenster zu sitzen, wenn man doch eh den ganzen Tag draußen verbringt. Meine Güte.

*

Am Strand nach Zempin gewandert, 3,3 km für nichts eigentlich. Immerhin gab es im Café Möwe nicht nur leckeren Camembert, sondern noch zwei Pärchen auf der Terrasse, die sich auch einen ballerten. Endlich trinke ich mal mittags nicht alleine Bier.

Nach der kleinen Andenken-Shoppingtour fing es dann wieder an zu schiffen – so schloss sich der Kreis zum Ankunftstag, sehr nett gemacht von Usedom, herzlichen Dank dafür.

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Das Grauen ist beige

Heute spontan eine Stadtführung durch Zinnowitz mitgemacht, was am vorletzten Tag des Urlaubs auch irgendwie egal ist, aber mit Kurkarte war es umsonst. ;-)

Wenigstens waren diesmal keine Nazis dabei, sondern nur die üblichen Besserwisser und diesmal auch in klassischer Rollenverteilung (er weiß alles, sie lächelt bewundernd). Ich wurde größtenteils ignoriert, denn wer allein reist, hat keine Freunde, und das wird auch schon seinen Grund haben.

Ich glaube, manche Leute machen eine Stadtführung nur mit, um zu zeigen, was sie selbst alles wissen. Sie quatschen dazwischen, lesen Schilder vor und betonen gern mal das offensichtliche („Schau Schatzi, das ist ein Hotel“). Diesmal antwortete sogar einer komplett humorbefreit auf die Anfrage der Dame im Heimatmuseum nach abgezähltem Geld: „Ich! Ich hab’s abgezählt! Ich hab es schon die ganze Zeit in der Hand!“ Ich grinste amüsiert, was er aber als totalen Affront wertete.

Mittags, zwischen ausgezeichnetem Norwegerlachs, Zander und Dorsch sowie in der Hälfte des zweiten Halbliters „Schwarzer Steiger“, hab ich dann eine Theorie zu den ganzen Rentnern und ihrer unentspannten Haltung entwickelt. Ergebnis: Es muss das Beige sein. Irgendwann im Laufe seines Rentnerlebens meint der Rentner, den Farben entsagen zu müssen. Das Leben geht dem Ende entgegen, also gibt es keinen Grund mehr, ein leuchtendes Rot, beruhigendes Blau oder auch nur ein optimistisches Grau zu tragen. Wenn man aber den ganzen Tag beige trägt, ist das so, als hätte man juckende Pickel am Hintern und keine Hand, um sich zu kratzen. Deswegen wird man unentspannt und versucht, das mit Besserwisserei und dem Anpampen junger Menschen zu kanalisieren. Anders kann ich mir das nun wirklich nicht erklären. Aber es muss stimmen, denn 70 Prozent aller Rentner, die ich im Urlaub getroffen hab, trugen beigefarbene Kleidung.

Opa Erwin hat kein‘ Spaß mehr

Ich muss dringend überprüfen, ob ich seltsam rieche oder ekligen Ausschlag bekomme, wenn ich unter Menschen bin. Heute früh waren beim Frühstück nur noch Vierer-Tische frei, also nahm ich einen von denen. Am Büffet rannte mir eine alte Jungfer dauernd in den Weg, als hätte ich kein Recht, auch dort zu sein. Und als später ein Herr den Speiseraum betrat, fragte er nicht etwa, ob er sich an meinen Tisch setzen dürfe, sondern verschwand nur in Windeseile wieder, nachdem er mir einen vernichtenden Blick zugeworfen hatte. Ich hatte noch nicht mal ansatzweise die Chance, ihm die freien Plätze an meinem Tisch anzubieten. Also – ich hätte nicht die Chance gehabt, selbst, wenn ich es gewollt hätte. Die restliche Dauer des Frühstücks verbrachten die alten Damen dann damit, mir strafend auf den Teller zu sehen, als hätte ich mit meinem Körpergeruch oder was auch immer den Herrn vertrieben. Ich schenkte ihnen ein amüsiertes Grinsen, was aber vermutlich aussah wie ein debiles Grinsen. Macht nix.

Vielleicht sollte ich mir ein Schild machen: „Guten Morgen, ich bin 36 Jahre alt, gebürtig in Nordrhein-Westfalen, arbeite aber jetzt bei einer großen Rundfunkanstalt in Hamburg, habe ein Kinderbuch geschrieben, bin Fußball- und Leichtathletik-Fan und mache nun den ersten richtigen Urlaub seit sieben Jahren. Ich habe Freunde, die sind aber grad nicht hier. Ansteckende Krankheiten sind nicht der Grund, warum ich allein reise. Weitere Fragen dürfen Sie mir gern persönlich stellen, ich beherrsche die Konventionen einen höflichen Miteinanders fast in Perfektion. UND DESHALB DÜRFEN SIE GERNE ZURÜCKGRÜSSEN, WENN ICH DEN FRÜHSTÜCKRAUM BETRETE ODER SIE MIR AUF DEM FLUR BEGEGNEN, HIMMEL, ARSCH UND ZWIRN!“

Nach dem Frühstück ein kleiner Abstecher nach Karlshagen, wo der Sand ein wenig weißer ist als anderswo, sogar die Quallen (mit einem Hauch Photoshop vielleicht) lächeln

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und die Rentner noch unentspannter sind. Zumindest Opa Erwin* war eingangs der Promenade sehr angespannt. Es ist aber auch ein Kreuz mit der Familie – immer widerspricht einer, das ist aber auch unerhört! „Du musst keine Schilder lesen, du musst nur hinter mir herfahren, Herrgott!“, brüllt er denn auch seine Frau an, und es war nicht ganz klar, ob der mit „Herrgott“ den da oben oder sich hier unten meinte. „Ich hab hier langsam keinen Spaß mehr an dieser ewigen Besserwisserei!“ – „Wo hast du denn das Schild gesehen, Erwin?“, fragte seine Frau mit sanfter Stimme zurück. „Es ist mir egal, wo hier Schilder sind, wenn ich weiß, wo es langgeht!“, brüllte Erwin zurück und kannte dabei weder Scham noch irgendwelche Verwandten.

Und war wieder mal bin ich sehr froh, dass ich allein reise. Ich hab mich ja hier auch schon ein paar Male verfahren. Dann nenne ich mich selber einen Volldepp, nehme mir das aber nicht weiter übel, drehe um und fahre weiter frohgemut meines Wegs, während ich ein Liedchen summe.

Den Nachmittag wollte ich eigentlich in Heringsdorf verbringen, fand aber keinen Parkplatz und war deswegen zum Essen nach Mellenthin in diesem kleinen Gutshof mit den grandiosen Pizzen, von denen ich schon seit 2002 träume. Dummerweise standen die aber nicht mehr auf der Karte. Egal, das alkoholfreie Hefeweizen schmeckte auch so. Da alle anderen aber nicht wussten, dass es ein alkoholfreies war, warfen mir die anderen Herrschaften, die zu dieser Uhrzeit selbstverständlich nur Kaffee tranken, irritierte Blicke zu. Ich überlegte, ob ich gleich, beim Weg zurück zum Auto, ein wenig schwanken und lallen soll, hatte dann aber doch keinen Bock dazu. Leider waren dann auch die herzhaften Waffeln mit Graved Lachs und Meerrettich aus. Hmpf. Dann eben die Waffeln mit Rotweinfeigen, Honig und Schafskäse. Die fanden dann auch die 3000 Wespen draußen sehr lecker, weswegen ich  ins Innere des Ladens umziehen musste. Wo dann an der Wand eine Tafel mit den Pizza-Angeboten stand. ARGH!

Neben mir dann ein Rentnerpärchen, das wieder nichts besseres zu tun hatte, als den netten jungen Kellner drei Sekunden nach der Bestellung zu fragen, wo denn verdammt noch mal die Waffeln blieben. Und dann nicht fertig essen wollten, weil es zu dieser Jahreszeit ja wohl eine Frechheit sei, heiße Kirschen zu servieren. Ich verkniff mir die Frage, warum sie sie denn dann wohl bestellt haben.

Ehrlich – so was versaut mir den Restaurantbesuch gleich mit, auch, wenn es das nicht sollte. Der Gutshof hat eine kleine feine Karte mit ganz tollen Gerichten, der Kellner war freundlich und zuvorkommend, das Essen lecker. Wenn ich das nicht vertragen kann, sollte ich zu Hause bleiben und meine schlechte Laune mit mir selber ausmachen.

Abends dann noch ein kleiner Abstecher ans Achterwasser:

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Abends fand ich Sand im Ohr, was den Tag dann doch noch zu einem gelungenen Abschluss brachte.

*Name geändert

Hier schwankt nix mehr!

Was das Schönste ist: Ich habe mein Gleichgewicht wieder, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn ich über längere Zeit keine Gelegenheit hab, auszuspannen, reagiert mein Körper gern mal mit Schwindel. Da stehe ich dann auf ebener Erde und denke „Was dreht sich das Zimmer denn so lustig?“ oder „Kann man einer die Straße anhalten, ich will aussteigen“. Das ist jetzt komplett weg. Ich kann sogar wieder mit geschlossenen Augen einen Bordstein entlang balancieren. Habs ausprobiert. ;-)