Von Päbsten und Wallnüssen

Ich hatte während des Studiums ganz kurz mal einen Freund, der aussah wie Fox Mulder. Er sah also gut aus, war wirklich nett, freundlich, hatte einen Humor, der in etwa so krank war wie meiner, lustigerweise kannten sich auch unsere Mütter, es war eigentlich alles perfekt. Dummerweise machte er dann den Fehler, mir einen Liebesbrief zu schreiben. Meine gerade erst zart erblühte Liebe erfuhr einen heftigen Dämpfer, der Fox-Mulder-Hundeblick verlor mit einem Schlag seine Wirkung und ich machte dann schon ziemlich bald Schluss. Denn der Mann beherrschte leider etwas nicht, was ich bei Männern extrem sexy finde: eine korrekte Rechtschreibung. (Natürlich war der vor Fehlern strotzende Brief nicht der einzige Grund für mich, Schluss zu machen, aber er beschleunigte die Sache um ein Vielfaches. Und nein, der Mann war auch kein Legastheniker, ihm war Rechtschreibung nur egal.)

Diese Geschichte fiel mir heute früh wieder ein, als ich in meiner Heimatzeitung einen Bericht aus Südafrika las, in dem ein „Volunteer“ über seinen „Nachnahmen“, sprich seinen Familiennamen sinnierte. Ich konnte den Artikel nicht zu Ende lesen, weil ich bei solchen Fehlern sofort das Interesse an einem Druckwerk verliere.

Klar passieren Fehler überall, überraschenderweise sogar in diesem Blog. (Getrennt- und Zusammenschreibung waren z.B. noch nie meine Stärke.) Aber wenn sich jemand so ganz offensichtlich nicht die geringste Mühe gibt, einen Text an den passenden Stellen mit Satzzeichen auszustatten, Hauptwörter groß zu schreiben oder kurz nachzudenken, ob es wohl wirklich „Pabst“ oder „Wallnuss“ oder „Stuttgard“ heißt, dann mag ich den Text nicht mehr lesen. Denn ganz offensichtlich sind dem Schreiber seine Leser ja vollkommen egal, denn sonst würde er ihnen so einen Schmuh ja nicht zumuten. Und wie gesagt, ich rede nicht von Legasthenikern – ich selber hab eine Rechenschwäche und finde es nicht lustig, wenn mich Leute deswegen auslachen.

Leider tut die Rechtschreibdeform ein Übriges dazu, dass man jetzt überall Dinge wie „Fussball“, „ausserdem“ oder „Masseinheit“ lesen muss. Allerdings ist die betreffende Regel nun auch nicht so schwer zu verstehen – ob man sie nun gutheißt oder nicht. Wenn mir als Leser noch nicht mal jemand soviel Wertschätzung entgegenbringt, zumindest die Rechtschreibprüfung über den Text laufen zu lassen – warum soll ich mir dann die Mühe machen, das dergestalt Hingeschluderte zu lesen? Da kann die Aussage des Textes noch so grandios, da können die Thesen noch so wohl formuliert sein – ich kann und will das Machwerk dann eigentlich nicht mehr lesen. Würde denn jemand da draußen an einer höllenscharfen Blondine rumgrabbeln, die unter den Armen nach altem Fisch riecht und Spinatreste zwischen den Zähnen kleben hat? Mag der Inhalt auch stimmen, die Form ist doch nicht ganz unwesentlich.

Aber ich mag da auch ein versnobtes Arschloch sein.