Von Kaiserbad bis Wasserschloss

Also – wenn die hier was können auf Usedom, dann ist es Himmel.

War heute sonst noch was? Ach ja, Mellenthin samt Wasserschloss.

So lecker diese Waffel war – sie ist doch Sinnbild für eine Tragödie. In der kleinen Gaststätte hatte ich bei meinem allerersten Besuch 2002 eine fantastische Pizza gegessen – mit knusprigem Boden, Rucola und einer selbstgemachten Tomatensoße, von der ich heute noch träume. 2009 hatte ich zuerst draußen gesessen und zu spät gesehen, dass es Pizza nur drinnen zu bestellen gab. Und dieses Jahr gab es sie aufgrund eine Inhaberwechsels nicht mehr. Ich werde diese Pizza also NIE WIEDER essen. Und ihr denkt, ihr hättet Probleme.

Erst mal die Hood checken

Erster richtiger Urlaubstag, erst mal die Gegend erkunden und sehen, wo es die besten Fischbrötchen und Bier dazu gibt. Denn merke: Auch nach einem ausgiebigen Frühstück hat man irgendwann wieder Hunger. Außerdem sind meine Eltern Rentner, und ich bin über 40. Regelmäßige Mahlzeiten werden immer wich… Wo war ich ? Ach ja, erst mal spazierengehen.

Wenn einem das Meer mal zu viel wird, ist auch der Wald in Koserow nicht weit weg.

Mutter Natur hat doch immer noch die schönsten Beleidigungen auf Lager. Ihr Hohltauben!

Aber lange hält man es ja ohne Meer nie aus.

Mission accomplished:

Text/Bild-Schere, Symbolfoto:

 

Auf der Straße ohne Namen in die Erholung

Und die Frage, die unweigerlich kommen muss, gleich vorweg zu beantworten: Ja, ich habe schon wieder Urlaub, auch wenn ich in diesem Jahr schon auf Jersey und auf Helgoland war. Deal with it.

Diesmal zieht es aber nicht nur mich weg, sondern gleich die ganze Familie, also Vater, Mutter, Kind und Elch. Und zwar nach Usedom. Für mich ist es mittlerweile das dritte Mal, aber da ich jedes Mal in einem anderen Ort war, fühlt es sich noch nicht ganz wie Nachhausekommen an.

Diesmal war ich aber das erste Mal mit Navi unterwegs, was aber auch nicht durchgängig dazu beitrug, die Orientierung zu erleichtern.

Egal, wir kamen trotzdem an. Und nun: Hoch die Tassen, es ist URLAUB.

Das Ende naht

Letzter Urlaubstag heute – wo ist die Zeit hin?

Auch heute versauten mir die Wolken wieder den Sonnenaufgang. Aber nette Fotos gab es trotzdem.

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Beim Frühstück dann zum vorletzten Mal die strafenden Blicke der anderen Gäste, weil das, was ich auf dem Teller habe, nicht ihre Billigung findet. Iiih, Würstchen zum Frühstück, ist ja widerlich. Außerdem durfte ich den Tisch wieder mit einem stummen Ehepaar teilen. Eines, das sich gerade noch ein „Guten Morgen“ abringen konnte, aber nicht die Frage, ob ich was dagegen hab, dass man sich zu mir setzt. Nicht, dass ich abgelehnt hätte, aber gefragt werden will ich schon gern.

Das Frühstück plätschert also so vor sich hin, da pampt plötzlich hinter mir eine Stimme: „Nu lass doch mal das Zeuch liegen, du wirst ja jeden Tag fetter!“ Und wie immer gesprochen von einer Person, die selbst auch nicht gerade ein Ausbund an Grazie ist.

Besonders schön ist ja, wenn einen die anderen an ihren alltäglichen kleinen Sorgen teilhaben lassen. So was wie „Hab ich gestern Abend eigentlich meine Tabletten genommen?“ oder „Willste noch nen Apfel?“ und auf die Verneinung ein keifendes „Na, gleich sindse wech!“ oder auch „Pah, dann setzen wir uns eben dahin, wenn du das willst.“ Als ob es wichtig wäre, beim Frühstück am Fenster zu sitzen, wenn man doch eh den ganzen Tag draußen verbringt. Meine Güte.

*

Am Strand nach Zempin gewandert, 3,3 km für nichts eigentlich. Immerhin gab es im Café Möwe nicht nur leckeren Camembert, sondern noch zwei Pärchen auf der Terrasse, die sich auch einen ballerten. Endlich trinke ich mal mittags nicht alleine Bier.

Nach der kleinen Andenken-Shoppingtour fing es dann wieder an zu schiffen – so schloss sich der Kreis zum Ankunftstag, sehr nett gemacht von Usedom, herzlichen Dank dafür.

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Das Grauen ist beige

Heute spontan eine Stadtführung durch Zinnowitz mitgemacht, was am vorletzten Tag des Urlaubs auch irgendwie egal ist, aber mit Kurkarte war es umsonst. ;-)

Wenigstens waren diesmal keine Nazis dabei, sondern nur die üblichen Besserwisser und diesmal auch in klassischer Rollenverteilung (er weiß alles, sie lächelt bewundernd). Ich wurde größtenteils ignoriert, denn wer allein reist, hat keine Freunde, und das wird auch schon seinen Grund haben.

Ich glaube, manche Leute machen eine Stadtführung nur mit, um zu zeigen, was sie selbst alles wissen. Sie quatschen dazwischen, lesen Schilder vor und betonen gern mal das offensichtliche („Schau Schatzi, das ist ein Hotel“). Diesmal antwortete sogar einer komplett humorbefreit auf die Anfrage der Dame im Heimatmuseum nach abgezähltem Geld: „Ich! Ich hab’s abgezählt! Ich hab es schon die ganze Zeit in der Hand!“ Ich grinste amüsiert, was er aber als totalen Affront wertete.

Mittags, zwischen ausgezeichnetem Norwegerlachs, Zander und Dorsch sowie in der Hälfte des zweiten Halbliters „Schwarzer Steiger“, hab ich dann eine Theorie zu den ganzen Rentnern und ihrer unentspannten Haltung entwickelt. Ergebnis: Es muss das Beige sein. Irgendwann im Laufe seines Rentnerlebens meint der Rentner, den Farben entsagen zu müssen. Das Leben geht dem Ende entgegen, also gibt es keinen Grund mehr, ein leuchtendes Rot, beruhigendes Blau oder auch nur ein optimistisches Grau zu tragen. Wenn man aber den ganzen Tag beige trägt, ist das so, als hätte man juckende Pickel am Hintern und keine Hand, um sich zu kratzen. Deswegen wird man unentspannt und versucht, das mit Besserwisserei und dem Anpampen junger Menschen zu kanalisieren. Anders kann ich mir das nun wirklich nicht erklären. Aber es muss stimmen, denn 70 Prozent aller Rentner, die ich im Urlaub getroffen hab, trugen beigefarbene Kleidung.

Opa Erwin hat kein‘ Spaß mehr

Ich muss dringend überprüfen, ob ich seltsam rieche oder ekligen Ausschlag bekomme, wenn ich unter Menschen bin. Heute früh waren beim Frühstück nur noch Vierer-Tische frei, also nahm ich einen von denen. Am Büffet rannte mir eine alte Jungfer dauernd in den Weg, als hätte ich kein Recht, auch dort zu sein. Und als später ein Herr den Speiseraum betrat, fragte er nicht etwa, ob er sich an meinen Tisch setzen dürfe, sondern verschwand nur in Windeseile wieder, nachdem er mir einen vernichtenden Blick zugeworfen hatte. Ich hatte noch nicht mal ansatzweise die Chance, ihm die freien Plätze an meinem Tisch anzubieten. Also – ich hätte nicht die Chance gehabt, selbst, wenn ich es gewollt hätte. Die restliche Dauer des Frühstücks verbrachten die alten Damen dann damit, mir strafend auf den Teller zu sehen, als hätte ich mit meinem Körpergeruch oder was auch immer den Herrn vertrieben. Ich schenkte ihnen ein amüsiertes Grinsen, was aber vermutlich aussah wie ein debiles Grinsen. Macht nix.

Vielleicht sollte ich mir ein Schild machen: „Guten Morgen, ich bin 36 Jahre alt, gebürtig in Nordrhein-Westfalen, arbeite aber jetzt bei einer großen Rundfunkanstalt in Hamburg, habe ein Kinderbuch geschrieben, bin Fußball- und Leichtathletik-Fan und mache nun den ersten richtigen Urlaub seit sieben Jahren. Ich habe Freunde, die sind aber grad nicht hier. Ansteckende Krankheiten sind nicht der Grund, warum ich allein reise. Weitere Fragen dürfen Sie mir gern persönlich stellen, ich beherrsche die Konventionen einen höflichen Miteinanders fast in Perfektion. UND DESHALB DÜRFEN SIE GERNE ZURÜCKGRÜSSEN, WENN ICH DEN FRÜHSTÜCKRAUM BETRETE ODER SIE MIR AUF DEM FLUR BEGEGNEN, HIMMEL, ARSCH UND ZWIRN!“

Nach dem Frühstück ein kleiner Abstecher nach Karlshagen, wo der Sand ein wenig weißer ist als anderswo, sogar die Quallen (mit einem Hauch Photoshop vielleicht) lächeln

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und die Rentner noch unentspannter sind. Zumindest Opa Erwin* war eingangs der Promenade sehr angespannt. Es ist aber auch ein Kreuz mit der Familie – immer widerspricht einer, das ist aber auch unerhört! „Du musst keine Schilder lesen, du musst nur hinter mir herfahren, Herrgott!“, brüllt er denn auch seine Frau an, und es war nicht ganz klar, ob der mit „Herrgott“ den da oben oder sich hier unten meinte. „Ich hab hier langsam keinen Spaß mehr an dieser ewigen Besserwisserei!“ – „Wo hast du denn das Schild gesehen, Erwin?“, fragte seine Frau mit sanfter Stimme zurück. „Es ist mir egal, wo hier Schilder sind, wenn ich weiß, wo es langgeht!“, brüllte Erwin zurück und kannte dabei weder Scham noch irgendwelche Verwandten.

Und war wieder mal bin ich sehr froh, dass ich allein reise. Ich hab mich ja hier auch schon ein paar Male verfahren. Dann nenne ich mich selber einen Volldepp, nehme mir das aber nicht weiter übel, drehe um und fahre weiter frohgemut meines Wegs, während ich ein Liedchen summe.

Den Nachmittag wollte ich eigentlich in Heringsdorf verbringen, fand aber keinen Parkplatz und war deswegen zum Essen nach Mellenthin in diesem kleinen Gutshof mit den grandiosen Pizzen, von denen ich schon seit 2002 träume. Dummerweise standen die aber nicht mehr auf der Karte. Egal, das alkoholfreie Hefeweizen schmeckte auch so. Da alle anderen aber nicht wussten, dass es ein alkoholfreies war, warfen mir die anderen Herrschaften, die zu dieser Uhrzeit selbstverständlich nur Kaffee tranken, irritierte Blicke zu. Ich überlegte, ob ich gleich, beim Weg zurück zum Auto, ein wenig schwanken und lallen soll, hatte dann aber doch keinen Bock dazu. Leider waren dann auch die herzhaften Waffeln mit Graved Lachs und Meerrettich aus. Hmpf. Dann eben die Waffeln mit Rotweinfeigen, Honig und Schafskäse. Die fanden dann auch die 3000 Wespen draußen sehr lecker, weswegen ich  ins Innere des Ladens umziehen musste. Wo dann an der Wand eine Tafel mit den Pizza-Angeboten stand. ARGH!

Neben mir dann ein Rentnerpärchen, das wieder nichts besseres zu tun hatte, als den netten jungen Kellner drei Sekunden nach der Bestellung zu fragen, wo denn verdammt noch mal die Waffeln blieben. Und dann nicht fertig essen wollten, weil es zu dieser Jahreszeit ja wohl eine Frechheit sei, heiße Kirschen zu servieren. Ich verkniff mir die Frage, warum sie sie denn dann wohl bestellt haben.

Ehrlich – so was versaut mir den Restaurantbesuch gleich mit, auch, wenn es das nicht sollte. Der Gutshof hat eine kleine feine Karte mit ganz tollen Gerichten, der Kellner war freundlich und zuvorkommend, das Essen lecker. Wenn ich das nicht vertragen kann, sollte ich zu Hause bleiben und meine schlechte Laune mit mir selber ausmachen.

Abends dann noch ein kleiner Abstecher ans Achterwasser:

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Abends fand ich Sand im Ohr, was den Tag dann doch noch zu einem gelungenen Abschluss brachte.

*Name geändert

Ab ins Meer

Mal ne Frage vorweg: Leute, die ihr Butterbrot mit Messer und Gabel essen, sind komisch, oder?

Ich sollte öfter zu verschiedenen Zeiten frühstücken gehen, so trifft man nämlich nach und nach alle Leute, die hier wohnen und gibt folglich auch allen die Möglichkeit, einen doof anzustarren. Ich dagegen frage mich jedes Mal, ob beim Frühstück gerade jemand gestorben ist. Es herrscht nämlich jeden Morgen eine fast schon gespenstische Stille. Heute saßen sechs Paare an den Tischen und sprachen – kein Wort. Da frage ich mich doch wirklich, warum die noch zusammen in Urlaub fahren. Würden sie getrennt an verschiedene Orte fahren, hätten sie wenigstens nach dem Urlaub mal für zwei Tage Gesprächsstoff. Aber halt, das geht ja nicht. Die Frauen haben ja Angst davor, im Hotel so angestarrt zu werden, wie sie mich immer anstarren und die Männer könnten allein im Urlaub ja mit einer Dame wie mir was anfangen. Deswegen fahren die immer gemeinsam in Urlaub. Gestern in Ahlbeck hab ich eine Postkarte gesehen, auf der eine Frau die andere fragt: „Haben Sie viel mit Ihrem Mann gemeinsam?“ Und die zweite antwortet: „Oh ja, wir haben am selben Tag geheiratet.“ Aaaah, goldenes Singleleben.

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, heute nach Zempin zu wandern, aber da mir die Achillessehne noch vom morgendlichen Joggen weh tat und zudem der kalte Wind auf einmal weg war, beschloss ich, meinen Hintern wohl doch wieder in Zinnowitz an den Strand zu legen. Und warum? Weil ich’s kann. Niemand schreibt mir vor, was heute gemacht wird, ich muss mich nach niemandem richten, niemand schreit „Hääääärthaaaaa!“ hinter mir her, niemand sagte, wann ich was essen soll und ÜBERHAUPT. Mag ja sein, dass ich diesen Aspekt meines Urlaubs ein wenig zu breit auswalze, aber ich habe meine Freiheit selten so genossen wie eben gerade. Sollte ich mich je wieder jemanden an den Hals werfen wollen, erinnert mich bitte an diesen Urlaub!

*

„Ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Määäääääääääär!“ Wie halten Eltern das eigentlich aus, dass Kinder drei Stunden am Tag einen einzigen Satz schreien können? Immer wieder und mit nicht nachlassender Begeisterung „Ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer!“ Meine Güte.

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Ich las, das Kind schrie, ich versuchte, Musik zu hören, das Kind schrie lauter als Mando Diao, ich versuchte einfach nur, in der Sonne zu liegen und ich meines Lebens zu freuen, das Kind schrie „Ab ins Meer!“

Irgendwann hatte es mich mürbe geschrieen, und ich ging ab ins Meer. Ich wäre auch gern ein bisschen geschwommen, anstatt mir nur vorsichtig die Sandpanade abzuwaschen, aber ich musste feststellen, dass das nicht mehr geht: Ich kriege Panikattacken, sobald mein Oberkörper unter Wasser kommt. Selbst, wenn meine Füße noch auf dem Boden sind – geht nicht. Horst Schlämmers ist gegen meine Schnappatmung ein Dreck. Gut, dann eben nur plantschen und das richtige Schwimmen im Freibad erledigen. Da gibt es auch keine Quallen.

Alles in allem ein richtig schöner Tag – so sieht für mich Urlaub aus: am Strand liegen, lesen und zwischendurch die Füße ins Wasser halten. Und das „Ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer, ab ins Meer“ hatte ich beim Abendspaziergang immer noch im Kopf.

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Entspannte Gesellschaft

Eigentlich hatte ich heute nach Peenemünde fahren wollen, aber irgendwie hatte ich Angst, ich könnte die alte Rassistin da treffen. Also Wanderschuhe an und auf nach Trassenheide. Hin durchn Wald, zurück am Strand. Dazwischen festgestellt, dass Trassenheide nicht so unbedingt eine Reise wert ist, aber dennoch eine ganz nette Strandpromenade hat. Die man in zwei Minuten komplett durchlaufen kann. Übersichtlich.

„Also für mich müssen Sie sich jetzt aber nicht ausziehen“, sagte der ältere Herr, der zu mir auf die Bank kam, just in dem Moment, als ich mir den Pulli über den Kopf zog. „War auch nicht persönlich gemeint“, fiel mir nur ein, daraufhin ging er dann rasch wieder.

Neben mir missinterpretierten dann drei Rentner die Bild-Schlagzeile: „Ösis blamieren HSV“ als „Ossis blamieren HSV“ und wunderten sich eine Viertelstunde lang, was das denn heißen könne, der HSV sei doch gar kein Ost-Verein. Ich habe ganz gegen meine Gewohnheit nicht belehrend eingegriffen.

Als ich mittags im Restaurant saß und mich meines Alleinseins freute, betraten zwei Damen aus dem Hessischen die Terrasse und überlegten sich, wo es denn zum Sitzen genehm wäre. Nach langer Diskussion war es ihnen dann ausgerechnet an meinem Tisch genehm. Typisch – ich hatte zuvor noch gedacht: „Setzt Euch doch in meine Nähe, dann kann ich drüber bloggen.“ Immer vorsichtig sein mit Wünschen!

Ich gebe zu, dass ich am Anfang nicht begeistert war, sich die Gesellschaft dann aber doch als sehr nette entpuppte. Als unglaublich nette sogar. Selten hab ich mich mit fremden Leuten entspannter unterhalten. Vor allem, weil die beiden sich die üblichen Sprüche verkniffen und mir rieten, meinen Urlaub nicht trotz, sondern wegen des Alleinseins zu genießen.

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Der anschließende Spaziergang am Strand war die reinste Erholung für meine Achillessehne, sollte ich öfter machen. Beim Betreten der Strandpromenade in Zinnowitz spielten dann die Streckelberger Musikanten in der Strandmuschel nur für mich und zahllose Zuhörer im Rentenalter „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ – ein zweifelhaftes Vergnügen. Wohl in düsterer Vorahnung rutschte mir deshalb auch ein wenig charmantes „Ach du scheiße“ raus, als die Musiker das Stück ankündigten. Aber wenigstens hat die Damen neben mir, die sich auch die Füße vom Sand reinigte, etwa eine Viertelstunde gelacht.

Planlos glücklich

Erst der dritte richtig Urlaubstag, und schon muss ich mir eine Niederlage eingestehen. Ich hatte ja eigentlich Rentnerurlaub machen wollen – aber dafür bin ich nicht geschaffen. Ich bin einfach nicht hektisch genug dafür.

Ich stand heute eine Dreiviertelstunde im Stau, weil in Ückeritz auf meinem Weg von Zinnowitz nach Bansin (wo die beste Fischbrötchenbude der ganzen Insel ist) eine riesige Baustelle war. Der Rentner vor mit stieg gefühlte 30 Mal aus, um vor seiner Familie den Macker zu markieren und herauszufinden, was denn wohl die Ursache des Staus war und wie lange der Stopp denn noch dauern würde. Ich saß derweil im Wagen, schrieb die ein oder andere Postkarte und sang laut mit dem Radio mit. Der Einheimische hinter mir war noch entspannter, der stieg nämlich aus und schiffte in den Wald.

Ich habe außerdem keinen Plan für meinen Urlaub – das braucht der Rentner aber zwingend, um sich wohlzufühlen. Der Rentner kennt Bus- und UBB- Fahrpläne auswendig, hat mindestens drei Landkarten dabei und vor allem hat er einen Plan. Der würde nie so wie ich einen spontanen Abstecher ans Achterwasser machen, weil er das Schild „Kiki’s Bootsverleih“ als Zeichen erachtet, dort doch mal vorbeizuschauen.

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Der Rentner weiß auch schon am Tag der Anreise, was er wann an welchem Urlaubstag unternehmen und erleben wird. Ich weiß ja noch nicht mal, was ich in der nächsten Stunde mache.

So war ich auch heute mal kurz am Wasserschloss in Mellenthin, obwohl ich das für heute noch gar nicht eingeplant hatte. Dafür war ich nicht in Bansin.

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Am Abend hatte ich mich eigentlich in einem Café mit Happy Hour mit den dort kredenzten Cocktails abschießen wollen, aber nach sieben Stunden durch die Sonne laufen bin ich immer platt. Ach, was soll’s. Ich bleib aufm Zimmer und nüchtern. Den Rentner in mir wird es freuen. Ich seh eh schon wieder überall Elche.

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