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Mann für einen Tag

Da schreibt eine junge (haha) Frau, die so rein karrieremäßig nicht mehr ganz unten in der Nahrungskette steht, unter dem Hashtag #MannfuereinenTag sinngemäß in etwa folgenden Tweet „Nicht sofort gefragt werden, ob mein Chef da sei, obwohl ich die leitende Redakteurin bin.“

Weil es nämlich kolossal nervt, wenn man nur ans Telefon geht und für eine Tippse gehalten wird, die keine Ahnung hat. Weil es nervt, wenn zwei Minuten, nachdem man jemandem am Telefon was erklärt hat, der Apparat des männlichen Kollegen neben einem klingelt, der der betreffenden Person alles noch mal wortwörtlich genauso erklärt. Weil es nervt, dass Kollegen, die erst zwei Jahre da sind für kompetenter gehalten werden als die Frau, die die Abteilung vor zehn Jahren mit aufgebaut hat.

Was passiert als Nächstes? (Ach ja, um die Sache spannend zu machen, enthält der Tweet dummerweise ein „N“ an einer Stelle, an die es nicht gehört.)

Zwei Frauen faven den Tweet (Yes, sisters, I know you feel me).

Ein Mann, der keine Follower hat und erst einen Tweet geschrieben hat, antwortet: „Bei solchen Tweets kein Wunder, dass man Ihnen die Position nicht zutraut.“

Ein anderer Mann schreibt: „Als leitende Redakteurin wissen Sie ja sicher, dass das eine „N“ da nicht hingehört.“

Ein dritter Mann schreibt: „In der Position und dann so in Watte gepackt? Wie passt das denn zusammen?“

Es gibt Tage, an denen ich so was kalt lächelnd mit der witzigsten, besten, ironischsten Antwort kommentiere, die jemals auf Twitter veröffentlich wurde und denke: „Leckt mich doch am Arsch, ihr hohlen Kackbratzen. Genau wegen Spacken wie euch brauchen wir Feminismus, und wir werden gewinnen.“

Heute ist nicht einer dieser Tage. Heute hab ich nur den Tweet gelöscht und die Deppen blockiert.

Manchmal ist man halt schon am Anfang eines langen Weges erschöpft.


Strickzeug oder Stock?

Wenn ich früher mal so richtig schlimm eine Frau beleidigen wollte, die – wie man im Westfälischen so schön sacht – einen Stock in’n Arsch hat, nannte ich sie gerne mal „Du blöde Feministin“ oder – noch schlimmer – „Du dämliche Emanze“. Das Gespräch schloss ich dann gerne ab mit dem wohlmeinenden Ratschlag, doch das eben erwähnte Gehölz aus dem Hinterausgang zu nehmen.

So was ist nicht nett, aber zu meiner Verteidigung möchte ich anfügen, dass man beim Studium in einem Nest wie Marburg sehr viele schlimme Frauen kennenlernt, die ihre Rechte mit einem glühenden Fanatismus verteidigen, der niemandem gut tut. Die sprichwörtlichen Männerhasserinnen – es gibt sie, und ich habe gefühlt alle von ihnen kennengelernt.

Lange Jahre habe ich deshalb von mir immer gesagt, ich sei „keine Feministin, aber sehr wohl emanzipiert. Aber keine Emanze, um Gotteswillen“. Ich fand Diskussionen um Frauenquoten, männliche und weibliche Anrede in Texten und vor allem große Binnen-I furchtbar und wollte damit ungefähr so viel zu tun haben wie mit Paartanz. (Wobei die doppelte Anrede in Texten diese nicht besser macht und große Binnen-I weiterhin verwendet werden sollten, um den Verfasser damit zu schlagen. So was wird nie gut sein, machen wir uns nix vor.)

Doch wie das so ist – man wird älter und weiser, und das macht auch vor mir nicht Halt. Mit der Zeit kommt man ja doch ins Grübeln. Zum Beispiel nachdem man sich auf eine Stelle beworben hat, die man nicht bekommt und von der man später hintenrum hört: „Die Bewerbung von Frau Konradi war der Knaller, aber ich wollte ja von Vorneherein einen Mann auf der Stelle. Sorry.“ Dabei kann ich doch lauter rülpsen als alle Männer, die ich kenne, mag Fußball und mache mich gerne dreckig beim Sport. (Kommt, so viel Klischee muss sein!) Da fragt man sich, ob da nicht gründlich was falsch läuft und ob man solche Dummbeutel nicht mal darauf hinweisen sollte, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben.

Unter Emanzipation hab ich eigentlich immer verstanden, dass ich meinen eigenen Scheiß machen kann, dass ich mit meinem Leben machen kann, was ich will, leben kann, wo, wie und mit wem ich will. Das haben mir meine Eltern so beigebracht und dafür gesorgt, dass ich die Grundlagen mitbekomme, die mir das ermöglichen: eine vernünftige Schulbildung und das emotionale Rüstzeug, sich nicht verbiegen zu lassen. Wenn mir 20 Leute sagen, ich solle dieses oder jenes tun, weil „man“ das so mache, kann man sich sicher sein, dass ich das Gegenteil tue.

Ich bin also so aufgewachsen, dass ich werden und machen kann, was ich will. Stricken, Fußball gucken, rosa anziehen und Bier trinken. Meine erste Diskussion um Frauenrechte fand im Kindergarten statt und endete mit einer Backpfeife. Ich langte dem Blödmann, der sagte, ich könne keine Kiste mit Autos haben, weil Mädchen nicht mit Autos spielen, kurzerhand eine. Damit war die Diskussion für mich bis weit ins Erwachsenenalter erledigt.

Was ich dabei lange nicht verstanden habe, war, dass ich ja eigentlich gar keine Feministin sein musste – weil andere Frauen das schon vor mir gewesen waren. Wenn nicht andere Frauen für unsere Rechte gekämpft hätten – wer weiß, ob ich studiert hätte, eine Ausbildung hätte machen können und heute in der Lage wäre, meinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Mit einem Job, bei dem man schon ein bisschen was in der Birne haben muss und nicht nur dekorativ in der Gegend rumstehen muss. Und deswegen stünde es uns gut zu Gesicht, der Generation von Alice Schwarzer dankbar zu sein. Man mag sie mögen oder nicht, aber ihr haben wir zu verdanken, dass ein großer Teil des Kampfes schon gekämpft ist. Wobei natürlich für uns noch genug zu tun ist. Da muss man sich ja nur mal das Frauenbild in der Werbung angucken, was einem als Frau mit Hirn (jetzt hätte ich fast „mit Eiern“ geschrieben) das Wasser in die Augen treibt.

Aber der Kampf wird schwierig, wenn die Mitstreiterinnen so drauf sind wie die Damen, die ich im Studium kennengelernt hab. Die mit einem männerhassenden Gebaren zu Werke gehen, dass ich mich fremdschämen muss. Das ist nicht meins. Ich teile meine Mitmenschen nicht in Männer und Frauen, sondern in Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher. Denn das Arschloch-Sein lässt sich nicht auf ein Geschlecht festlegen. Ähnlich vertritt das auch Caitlin Moran, deren Buch „How to be a Woman“ hier sehr fein besprochen wird und das jede Frau lesen sollte, der der Wind nicht durch den hohlen Schädel pfeift. Das Buch hat mir die Augen geöffnet, denn Morans Definition zufolge bin auch ich Feministin. Aber wenn das plötzlich auch beinhalten kann, dass man Männer mag und auch mal witzig sein darf, bin ich gerne dabei.

Und bin auch gerne bereit, für ein Projekt meine Nase in die Kamera zu halten, das Frauen in all ihren Facetten abbildet, sie teils ernst, teils mit einem Augenzwinkern betrachtet und sie im Grunde so sieht, wie ich selber mein Leben betrachtet haben möchte. Ohne Stock im Arsch. Aber gerne mit Kugel und Strickzeug in der Hand.

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 Fotos: die wunderbare Juliana Socher

Falls am Ende dieser zu langen Vorrede also noch Leser da sind, möchte ich sie gerne auf das Projekt Face Feminism aufmerksam machen, an dem ich im Sommer teilgenommen habe. Und an dem ich nur teilnehmen wollte, weil Juliana, die Fotografin, so ein unglaublich netter Mensch ist und die Welt auch in Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher einteilt. Wobei sie es vermutlich etwas feiner formulieren würde als ich. Das Projekt bewegt sich fernab von Klischees – und wenn es ihnen doch einmal nahe kommt, dann nur, um sie ironisch zu brechen. Sowas gefällt mir ja immer gut. Das Projekt zeigt lauter Frauen, die einfach ihren Kram machen. Weil sie es können, aber auch, weil Generationen vorher dafür gekämpft haben. Und für uns heute ist auch noch genug zu tun. Aber es schadet sicher nicht, wenn wir in den Kampfpausen ab und zu ein Bierchen zischen und uns selber nicht allzu ernst nehmen.


Freundlichkeit ist eine Zier

Ausgehend von einer Diskussion, die ich kürzlich auf Facebook verfolgt habe, stelle ich mir gerade eine Frage: Darf man von Frauen in Führungspositionen verlangen, dass sie  neben der Tatsache, dass sie es beruflich „geschafft“ haben, „auch noch nett“ sind? Oder muss man hinnehmen, dass sie am Ende eines langen und steinigen Weges an die Spitze einer Abteilung oder gar eines ganzen Unternehmens verbittert und stutenbissig sind und es nicht schaffen, anderen Frauen ebenfalls ein bisschen Erfolg zu gönnen? Wenn also Männer sich mithilfe der Ellbogen und ausgiebigem Nach-unten-treten hochboxen können, warum sollen Frauen bei ihrem Aufstieg oder am Ende ihres Aufstiegs dazu „auch noch“ freundlich sein?

Die Frage ist meines Erachtens völlig falsch gestellt. Denn natürlich darf man nicht von Frauen in Führungspositionen verlangen, dass sie nett sind. Zumindest nicht, weil sie Frauen sind. Das ist dieses „nun sei doch mal lieb, du bist doch schließlich ein Mädchen“, was bei mir schon genau das Gegenteil bewirkt hat, als ich drei war.

Nicht Frauen in Führungspositionen sollten kein Arschloch sein, sondern jeder und jede in Führungspositionen. Denn jeder arbeitet doch wohl lieber unter netten Menschen als unter Idioten. Eine Abteilung oder ein Unternehmen funktioniert nun einmal besser, wenn an der Spitze kein inkompetenter Sozialkrüppel sitzt, dem es Freude bereitet, seine Untergebenen in schönster Sonnenkönig-Manier nach allen Regeln der Kunst zu schikanieren.

Ich hatte an der Uni den weltbesten Chef von allen und habe zurzeit eine ziemlich klasse Chefin. Genauso habe ich aber auch im menschlichen Umgang sehr unangenehme Abteilungsleiterinnen erlebt und männliche Chefs, die fachlich und führungstechnisch eher mäßig begabt waren.

Ich selbst war mal für eine Weile „Chefin“ einer Jugendseite und habe in dieser Zeit Wert darauf gelegt, dass sich meine 15- bis 18 Jahre alten Mitarbeiter bei der Arbeit wohlfühlten und keine Angst davor hatten, auch mal ungewöhnliche Themenvorschläge zu machen. In unseren Themensitzungen wurde keiner niedergebügelt oder ausgelacht, wenn ich Artikel umschreiben musste, hab ich das immer in Absprache mit den Autoren gemacht und erklärt, warum ich was hatte ändern müssen. Als die Seite eingestellt wurde (aus mir bis heute offiziell unbekannten Gründen, denn mein damaliger Chef hatte mir seine Entscheidung nicht persönlich, sondern über die Volontäre als Boten mitteilen lassen – ein Dankeschön gab es bis heute nicht, aber das sei nur am Rande erwähnt), bedankten sich meine freien Mitarbeiter bei mir und bescheinigten mir gute Arbeit als Boss. Abgesehen davon, dass mich das sehr gefreut hat, habe ich diese Jugendseite sicher nicht deswegen gut geführt, weil ich eine Frau bin. Sondern weil meine Eltern mich so erzogen haben, dass es mir erstrebenswert erscheint, 95 Prozent meiner kostbaren Lebenszeit kein Arschloch zu sein. (Die restlichen fünf Prozent fahre ich Auto und beschimpfe andere Verkehrsteilnehmer als primäre Geschlechtsorgane. Hey – ich bin auch keine Heilige.)

Womit wir bei meiner Auffassung von Gleichberechtigung wären: Feministinnen mögen mich dafür hassen, aber vielleicht sollten wir alle uns mal an den Gedanken gewöhnen, dass Frauen genauso blöd sind wie Männer. Oder anders formuliert: Menschen sind blöd. Immer. Alle.

Ich erwarte nicht aufgrund seines Geschlechts von jemandem, freundlich zu sein, ich erwarte das von jedem Menschen. Und von jedem Menschen werde ich hin und wieder in dieser Hinsicht enttäuscht, denn – Menschen sind blöd. S.o.

Bei der eingangs erwähnten Facebook-Diskussion wunderte mich allerdings, dass jemand behauptete, Frauen in Führungspositionen hätten ja wohl das gleiche Recht, ein Arschloch zu sein, wie Männer es haben. Klar haben sie das, aber wer so argumentiert, torpediert doch seinen eigenen Feminismus. Denn viele Frauen, die ich kenne und die sich selbst als Feministin bezeichnen, sind der Meinung, dass Frauen die besseren Menschen seien. Dann müsste man doch von diesem Standpunkt aus gesehen von einer Frau in einer Führungsposition lockern fordern können, „auch noch nett“ zu sein, oder? Als sei es etwas Schlechtes, ein Unternehmen mit Menschlichkeit zu führen und anderen auch was zu gönnen.

Ehrlich gesagt ist mir das alles zu kompliziert. Können wir nicht mal mit diesem Mädchen spielen mit Puppen, Jungs mit Autos, Frauen sind so und Männer sind so aufhören?

Ich habe da ein sorgfältig durchdachtes Konzept von der Welt, das sich in zwei Thesen zusammenfassen lässt. Das Zusammenleben wäre so viel einfacher, wenn sich alle an den folgenden zwei Punkten orientieren würden:
1. Das Arschloch-Sein ist nicht auf Geschlecht festgelegt.
2. Menschen sind Idioten.
Wenn man mit diesem Wissen durch die Welt geht, wird man nur selten enttäuscht.


Weibliche Solidarität

Das Thema lässt mich irgendwie nicht los. Seit dem Weltfrauentag frage ich mich, ob ich wirklich, weil ich diese bekackte Rose nicht angenommen hab, den Feminismus verraten habe. Und da mir das Thema in diversen Ausprägungen in den vergangenen Tagen immer mal wieder über den Weg gelaufen ist, werd ich doch noch mal einiges dazu schreiben.

Gleich vorweg: Dass ich glaube, den Feminismus verraten zu haben, war ein Scherz.

Ich erinnere mich an eine Begebenheit vor ein paar Jahren: Wir gingen in der Clique eine Straße entlang, in der ein vollkommen schief geparkter Opel Corsa stand, und ich scherzte, den könne ja nur eine Frau so hingestellt haben. Eine der anwesenden Damen, noch nicht so lange in der Clique, sah mich entgeistert an und holte tief Luft, offenbar, um mir einen Grundsatzvortrag zu halten. Da wir auf dem Weg von der einen Kneipe in die nächste waren und ich keine Lust hatte, mir meine gerade so nette betrunkene Stimmung kaputt machen zu lassen, sagte ich nur: „Dass du es gleich weißt, weibliche Solidarität gibt’s bei mir nicht.“ Woraufhin sie zickte: „Na, aber von den Männern kriegen wir die auch nicht.“

Gott sei Dank, kann ich da nur sagen. Ich will keine Solidarität aufgrund meines Geschlechts. Und ich will mich nicht automatisch mit der Hälfte der Menschheit solidarisieren müssen, nur, weil sie meinem Geschlecht angehört. Nicht, wo es so viele unglaublich nette Männer und so viele wahnsinnig dämliche Frauen gibt. Und umgekehrt, bevor hier jemand spaßbefreit aufjault. Wenn man das mal ganz extrem weiterdenkt, könnte ich auch sagen, ich will nur mit blonden Leuten befreundet sein, weil dunkelhaarige total doof sind. Klingt auch bescheuert, oder?
Ich will keine Rose am Weltfrauentag, nur, weil ich eine Frau bin. Ich möchte Lob, weil ich was geleistet hab, etwas gut kann, etwas besser hinbekommen habe als andere. Und hätte ich diese Rose angenommen – wäre ein Mädchen auf der Welt weniger beschnitten, eine Frau weniger zwangsverheiratet worden oder hätten sämtliche Frauen auf der Welt plötzlich gerechte Löhne für ihre Arbeit erhalten? Wohl kaum. Ich brauche, wie die gute und weise Creezy hier schreibt, keinen Weltfrauentag, sondern eine Welt voller Gleichberechtigung. Die wird aber nicht durch solche Tage erreicht. Und nicht durch Rosen und nicht durch Flyer, oder zumindest nicht nur.

Ich möchte mir einfach keine Gedanken darüber machen müssen, ob ich etwas tun oder lassen darf oder etwas tun muss, weil ich eine Frau bin. Ich mache die Sachen einfach. Ich geh ins Stadion, fluche, saufe mir die Birne zu, mache Kugelstoßen (was ja Mannweibern vorbehalten sein soll, wie ich hörte), stricke Socken, koche, putze und trage im Sommer auch mal kurze Röcke (obwohl die Zeiten sich auch dem Ende zuneigen…). Und ich weiß durchaus zu schätzen, dass ich all das tun kann. Ich weiß zu schätzen, dass ich Abitur machen, studieren und einen Beruf lernen durfte. Meine Mutter durfte das alles noch nicht bzw. nicht in der Profession, die sie sich gewünscht hätte (mein Vater aber auch nicht, nebenbei bemerkt). Ich darf anziehen, was ich will, ausgehen, wohin und mit wem ich will. Ich muss keine Kinder kriegen, wenn ich das nicht will. Ich darf mir meinen Mann mal selber aussuchen, und trotz meines fortgeschrittenen Altern nöggeln meine Eltern nicht rum, ich solle mich mal beeilen damit. Für all das bin ich meinen Eltern unglaublich dankbar.

Und ich bin vorangegangenen Frauengenerationen sehr dankbar dafür, dass sie uns Mädels von heute den Weg geebnet haben und wir heute so leben dürfen, wie wir das tun. Diese Frauen haben viel erreicht, und das finde ich großartig. In manchen anderen Kulturen ist das nicht selbstverständlich.

In der neuesten Brigitte bin ich in einem Artikel über Zickenkrieg im Job über einen Satz gestolpert, der sinngemäß aussagte, dass viele Frauen mit Konkurrentinnen nicht gut klar kommen, weil sie sich fragten, ob sie denn eine andere Frau übertrumpfen dürften oder damit nicht die vielbeschworene weibliche Solidarität verraten würden. Wie bitte? Natürlich darf ich im Job besser sein als eine andere Frau. Weil es diese bescheuerte Solidarität unter Frauen nicht wirklich gibt. Und das nicht, weil Frauen wie ich über frauenfeindliche Witze lachen. Nein, weil es bei uns immer noch so ist, dass Mütter Nicht-Mütter anzicken, „Karrierefrauen“ „Hausfrauen“ belächeln, Osttussis Westtussis anmaulen und umgekehrt. Sowas ist weitaus schlimmer als meine Witze über schief geparkte Autos. Jede Frau, nein, jeder Mensch, sollte das tun können, was er möchte und anderen aber bitte auch ihre Freiheit lassen. Wenn ich ein Kind bekommen möchte, sollte ich das tun. Aber dann nicht auf die herunter schauen, die keine Kinder wollen oder haben. Und wenn ich ein Kind habe und arbeiten gehen möchte, sollten die Möglichkeiten da sein, damit ich das tun kann. Leider ist das in Deutschland aber noch lange nicht der Fall, das weiß ich auch. Das ist eine Sauerei, und für so etwas lohnt sich meiner Meinung nach durchaus noch zu kämpfen.

Und nur weil ich (durchaus auch selbstironisch) darüber lache, dass manche Frauen nicht einparken können, heißt es nicht, dass ich mich über die Diskriminierung von Frauen im Alltag nicht ärgere. Aber mit Kleinigkeiten wie parken halte ich mich da nicht auf. Auch ich habe schon Jobs nicht bekommen, weil ich eine Frau bin. (Was natürlich nicht die offizielle Begründung war…) In dem Fall konnte ich leider nicht dagegen angehen, weil ich damit jemand anders mit reingeritten hätte, aber ich mache dann schon den Mund auf, wenn mir so ein Unsinn begegnet. Als mich im Kindergarten ein Junge der Lüge bezichtigte, weil Mädchen keine Autos hätten, gab es einen auf die Schnauze. Und da war ich viereinhalb, sage mir also keiner, ich hätte noch nie was für die Gleichberechtigung getan. Ich schlage heute zwar nicht mehr zu, wenn mir sowas begegnet, aber eine klare Ansage gibt es schon dazu. Und wenn ich meine Meinung gesagt habe, gehe ich wieder dazu über, Dinge zu machen, und nicht weiter darüber nachzudenken, dass es Idioten gibt, die meinen, Frauen gehörten an den Herd.
Aber vielleicht haben meine Eltern mich durch ihre Erziehung auch total versaut fürs Leben. Ich bin nämlich in dem Glauben aufgewachsen, dass Männer und Frauen eh schon gleichberechtigt sind. Meine Eltern gehen zusammen auf den Sportplatz, teilen sich die Hausarbeit, die Gartenarbeit und was sonst immer so anfällt. Klare Aufgabenteilung gibts beim Auto (Papa) und bei den Finanzen (Mama), der Wäsche (früher Mama, seit deren Rückenleiden Papa) und Computer (Mama). Ich glaube nicht daran, dass es von der Natur bestimmt ist, dass ich Apfelkuchen backe und dem Manne das Heim bereite, während er draußen das Fleisch jagt. Aber wenn jemand so leben möchte, ist das okay. Wenn der Mann zu Hause den Apfelkuchen backt und die Frau arbeiten geht und beide zufrieden damit sind – nur zu. Niemals hab ich zu Hause Sprüche wie „typisch Mann“ oder „typisch Frau“ gehört. Meine Eltern kommen auch mit Ehepaaren, die so miteinander umgehen, überhaupt nicht klar, und so geht es mir auch. Solche Sprüche, wenn sie ernst gemeint sind, gehören für mich in das vergangene Jahrhundert. Mindestens.

Ob das hier nun alles logisch, stringent formuliert und sinnvoll aufgebaut ist – mir egal. Es musste nur mal raus.


War das eigentlich sehr böse, …

… dass ich die leicht kreischige Dame, die mir heute früh zum Weltfrauentag irgendeinen lila Flyer und eine Rose in die Hand drücken wollte, abgebügelt habe mit den Worten: „Das ist Feministenscheiß, damit hab ich nichts am Hut!“?

Es tat mir aber auch etwa drei Sekunden später schon Leid. Etwa fünf Sekunden lang.