Mit dem Humor am Ende

Da wir ja gerade den Internationalen Weltfrauen „feiern“ und man mir deswegen zuhören muss, hier ein paar Sachen, die ihr euch (und ich spreche mit diesem Text Männer und Frauen an, dass sich hier am Ende keiner rausredet) in Zukunft bitte ebenso wie die Rosen zum Weltfrauentag dahin stecken könnt, wo keine Sonne scheint:

  • Die Annahme, dass ich als Frau gerne eine Rose geschenkt bekommen möchte. Ich möchte gleiche Rechte für alle, weltweit. Oder eine Flasche Schnaps. Und zwar den richtigen, harten, nicht dieses rosa Gesuppe, von dem Frauen unterstellt wird, dass wir das gerne trinken.
  • Die Meinung, dass der Mann an sich gefeiert werden muss, weil er mal den Müll runterträgt. Lasst euch mal von meinem Papa erklären, wie das geht, wenn man zusammen wohnt und dabei ganz selbstverständlich die Hälfte der Aufgaben an Hausarbeit und Kinderverziehung übernimmt. Das hat der nämlich schon in den 70ern gemacht. In den SIEBZIGERN, ihr Schiffsschaukelbremser*innen.
  • Die Annahme, dass Frauen gerne die Halbtagsstellen nehmen, weil sie sich ja eh die Hälfte der Zeit um die Familie kümmern wollen. Und die „Karrierefrau“-Abstemplung der Frauen, die gerne in Vollzeit arbeiten, weil sie irgendwann man denken gelernt haben und diese Fähigkeit jetzt gern im Berufsleben anwenden wollen, die kann auch weg.
  • Die Annahme, dass alle Frauen gerne Kinder wollen und sich auch prinzipiell gerne um andere Menschen kümmern.
  • Die Forderung, dass Frauen lieb zu sein haben, damit sie bekommen, was sie wollen. Oder immer lächeln sollten. Erstens hat das Liebsein in den vergangenen Jahrhunderten ja wohl wirklich mal gar nichts gebracht, und der letzte Typ, der mir sagte, ich solle mal lächeln, er habe lieber was Schönes zum Angucken, wird das hoffentlich nie wieder zu einer Frau sagen. (Und der Typ daneben, der das mitbekommen hatte, bestellte mir ein Bier. So geht das.)
  • Die Meinung, wenn eine Frau sich sexy anziehe, sei sie eine Schlampe und „wolle es doch auch“. Wir dürfen anziehen, was wir wollen, und wenn euch unsere Orangenhaut nicht passt, dürft ihr gerne wegschauen und die Klappe halten. Niemand hat mir zu sagen, was ich anziehen soll oder wie ich meine Haare zu tragen habe.
  • Ansagen wie „dann meld dich doch mal bei Parship an“. Geht es in eure Köpfe, dass man auch als Frau alleine sehr glücklich sein kann?
  • Die Denke, dass Frauen keine Körperfunktionen haben und immer gut riechen und von Natur aus haarlos sind. Und dass wir blaue Ersatzflüssigkeit ausscheiden, weil das hübscher aussieht.
  • Sprüche wie „haha, ihr habt doch schon alles erreicht, wir brauchen langsam mal einen Männerbeauftragten, wir dürfen ja bald gar nichts mehr, haha“. Einen Scheiß haben wir erreicht. Nur weil ich persönlich tatsächlich dasselbe verdiene wie meine männlichen Kollegen, hat sich nicht auf wunderbare Weise die Lage der Frauen in aller Welt verbessert. Und deshalb kann ich mich nicht zurücklehnen und die Klappe halten.
  • Das Vorurteil, dass Feministinnen Männer hassen. Ich hasse so ziemlich alle Menschen gleichermaßen, die, die mir ungefragt die Welt erklären, vielleicht noch ein bisschen mehr. Aber ich kenne so viele großartige Männer, die ganz selbstverständlich Feministen sind und denen trotzdem kein Ei aus der Hose gefallen ist.
  • Die Annahme, beim Feminismus gehe es darum, Männer zu benachteiligen. Nein, meine lieben Blödmannsgehilf*innen, es geht darum, dass wir alle dieselben Rechte und Pflichten haben, ob Mann, Frau, divers, weiß, schwarz, dunkelgrün, Menschen mit deutschem Pass oder welche, die von woanders weg sind. Und der nächste Satz richtet sich jetzt doch mal größtenteils an die Männer: Hört auf, rumzuheulen, wenn Frauen dieselben Rechte zugestanden werden wie euch. Ihr habt deswegen nicht weniger Rechte, es sind genug Rechte für alle da. Hätten wir alle dieselben Rechte, wäre unser aller Leben besser.

Und jetzt, da ich all das aufgeschrieben hab, fühle ich mich sehr, sehr müde. Weil ich das alles nicht zum ersten Mal aufgeschrieben oder erklärt habe, auch nicht zum 20. Mal.  Ich bin mit der Geduld am Ende und mit dem Humor auch. Ich kann über diese ganzen Idiotien nicht mehr milde weglächeln. Es erscheint mir alles immer sinnloser, weil sich so wenig so langsam ändert. Die guten Leute wissen all das, was ich hier erkläre schon, die haben das schon vor Jahren verstanden und leben das alles ganz selbstverständlich. Und die Doofen werden es entweder nicht lesen, nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. Und die Doofen sterben halt nie aus, das macht mich so müde.

2 Gedanken zu “Mit dem Humor am Ende

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