Liebster Award: Travel, travel

Die weltbeste Claudia hat mich für den Liebster Award nominiert, und weil es ums Reisen geht, springe ich nur zu gern in die Luft und fange das Stöckchen auf. Zumal mir gerade noch von eher unqualifizierter Seite in sehr süffisantem Ton geraten wurde, ich solle mir doch mal die Welt ansehen, da gebe es viel zu entdecken.

Aber zurück zum Wesentlichen und sehr viel Erfreulicherem, den Fragen von Claudia. Up, up and away:

1. Welches war die erste Reise, die du je allein gemacht hast? Wohin ging sie und was hast du aus der Erfahrung für dich mitgenommen?

Die Antwort auf diese Frage muss ich zweiteilen. Denn ich reise ja fast immer allein, aber fast immer mache ich auch Gruppenreisen. Alleinsein an sich ist nichts Besonderes für mich, es ist eher ungewöhnlich, dass ich mich längere Zeit in Gruppen wohlfühle. (Deswegen war die Neuseeland-Reise Anfang des Jahres auch so etwas Besonderes.)

Zum ersten Mal allein-allein war ich auf Kreta (und später noch auf Usedom, Guernsey, Alderney, Singapur), das muss 2001 gewesen sein. Ich war komplett alle vom Studium, dem Examen, dem Umzug nach Lippstadt und den ersten Monaten des Volontariats. Ich war eigentlich fast nur am Strand, kurz unterbrochen von einigen wenigen Ausflügen, bin fast jeden Tag geschwommen und schlief ansonsten die Anstrengungen der letzten Jahre weg. Das war sehr schön. Vor allem, dass ich machen konnte, was ich wollte, und niemandem Rechenschaft schuldig war. Was ich aber vor allem daraus gelernt habe, war, dass Frauen, die alleine reisen, immer komisch angesehen werden, vor allem im Frühstücksraum des Hotels.

Zum ersten Mal nichtallein-allein war ich dann 2011 in Kanada, neun Tage an der Ostküste, neun Tage an der Westküste. Es war fantastisch, alles war organisiert, ich musste mich nur in den Bus setzen und wurde aufs Bequemste rumkutschiert. Was ich daraus gelernt habe, war, dass Frauen, die alleine reisen, immer komisch angesehen werden, vor allem im Frühstücksraum des Hotels.

2. Dein bester Tipp, um neue Orte abseits der klassischen Sightseeing-Spots zu entdecken?

„Second star to the right and straight on ‚til morning.“

Den Reiseführer in die Tasche stecken, sich umschauen und einfach der Nase nach. Genau dahin nicht gehen, wo alle hingehen, Herz und Augen öffnen, in kleine Gassen rechts und links schauen, den Blumen nach, dem Geruch von Pfannkuchen folgen, nur noch einmal um die nächste Ecke schauen, dann vielleicht um die nächste auch noch, mal lesen, was auf der Plakette an dem Haus dahinten steht, erkunden, was da für eine Statue gebaut wird, zwischendurch stehenbleiben, vielleicht doch die Richtung wechseln, sich irgendwo hinsetzen und einfach hören, gucken, atmen, dann findet sich ein neuer Weg, und das ist nur meiner und genau der richtige.

3. Gibt es etwas, das du auf Reisen schon immer mal machen wolltest, aber noch nie gemacht hast?

Nicht wirklich. Ich fahre ja gerne weit weg, aber als übermäßig abenteuerlustig würde ich mich nicht bezeichnen. Camping in Alaska war so ziemlich das Wagemutigest bisher. Bungeejumping etc. aber stand noch nie auf meiner Liste. Natürlich würde ich gerne auf irgendeiner Reise mal einen hübschen reichen Holzfäller oder Tom Hiddleston heiraten und mit dem einfach dableiben, aber ich bin inzwischen realistisch geworden, was die Chancen dafür angeht. Ich bin recht zufrieden mit den Dingen, die ich bisher gesehen und erlebt hab; ich mache ja gerne Naturreisen und da komme ich fast immer auf meine Kosten. Setzt mich ans Meer und holt mich in drei Stunden wieder ab, dann bin ich glücklich. Und da ist es fast egal, ob es Nelson/Neuseeland oder Niendorf/Ostsee ist.

4. Wie, wo und durch was lässt du dich für neue Reisen inspirieren?

Durch die Welt, die so unfassbar großartig und spannend ist. Von der ich schon so einiges gesehen hab und im Grunde doch gar nichts. Es gibt ein paar Orte, die ich noch auf meiner Bucket List habe, zum Beispiel Wales, Jersey, Sark, Norwegen, Schweden, Finnland, Kalifornien, die kanadische Ostküste, die Northwest Territories … Aber meistens fliegt mich das nächste Ziel immer irgendwie zufällig an. Sei es, dass mir mein Reisebüro einen Katalog zuschickt und ich denke: „JAWOLL. Island!“ oder dass ich bei der Arbeit eine Doku über den „Aurora Explorer“ gucke und denke, da will ich mal mitfahren. Die Reiseziele fliegen mich so an, und dann fliege ich zu ihnen. Ein Konzept, das sich aufs Allerbeste bewährt hat.

5. Nutzt du Reise-Apps? Auf welche würdest du auf keinen Fall verzichten wollen?

Ich bin eine sehr alte Frau, die sehr altmodisch ist. Ich nutze keinerlei Reise-Apps, ich benutze Reiseführer, Flyer, Stadtpläne, Karten und einen Elch.

6. Reist du voll durchgeplant oder lässt du dich vor Ort spontan treiben?

Ja und ja. Ich habe meistens bestimmte Pläne oder eine Liste von Orten, die ich sehen möchte, aber es gibt keine Reihenfolge. Auf Guernsey und Alderney ist es mir diverse Male passiert, dass ich für den Tag ein bestimmtes Ziel hatte und am Ende ganz woanders landete, weil vielleicht eine Straße gesperrt war, ich den falschen Bus erwischt hatte oder eine Seitenstraße so spannend aussah, dass ich einfach beim zweiten Stern rechts abbog.

Was ich aber wirklich gerne hab, ist zum Beispiel die Sicherheit, dass ich morgens weiß, wo ich abends schlafe. Ein Hotel muss ich also haben, und wenn ich weiß, dass der Transfer zu diesem Hotel gewährleistet ist, reise ich auch ein wenig beruhigter los.

7. Was war dein bisher verrücktestes Reiseerlebnis?

Vielleicht, dass der Guide, den wir auf Big Island, Hawai’i hatten, aus Rheda-Wiedenbrück kam, aber es ist ja schon fast ein Klischee, dass man im Ausland auf Leute trifft, die aus der Nähe der Heimat stammen.

Ansonsten war es vermutlich die Geschichte von der unglaublichen Elchentführung.

Und jetzt muss ich wen nominieren, oder? Ach, das fällt mir immer so schwer, und neue Fragen mag ich mir auch grad nicht ausdenken? Ich mach es einfach wie immer: Wer mag, darf das Stöckchen gerne aufgreifen und heimtragen.