Wintereinbruch

Nachdem es dann jetzt wohl endgültig zu spät ist, noch einen neuseeländischen Schafhirten zu finden, der mir mit einer Spontanheirat eine Aufenthalterlaubnis verschafft, machten wir uns heute zum letzten Mal auf den Weg. Schon morgens regnete es, wie passend.

Neuseeland legte sich dann aber noch noch mal richtig ins Zeug, ließ uns die Sonne leuchten und machte uns allen das Herz noch schwerer als sowieso schon. Es herrschte zunächst eine ganz komische Stimmung im Bus, die sich nur langsam löste. Aber vielleicht war das auch alles nur in meinem Kopf.

Erster Halt: Opononi, wo man einem Delfin ein Denkmal baute.

Und weiter zum wahrscheinlich größten Kauribaum auf Neuseeland, dem mehr als 50 Meter hohen Tane Mahuta. Tane, geboren aus Ranganui, dem Himmelsvater, und Papatuanuku, der Erdmutter, gilt den Maori als Lebensspender; alle Lebewesen sind seine Kinder. (Auch wir sind somit seine Kinder, leider wenig ehrfüchtige kleine Rotznasen, die auch in Gegenwart eines mehr als 2000 Jahre alten Baumes nicht mal fünf Minuten die Klappe halten konnten.)

Viel, viel zu schnell mussten wir weiter, und sogar Moosebert verließ irgendwann die gute Laune, er gab sich dem Schmerz über den bevorstehenden Abschied hin und kippte einfach um.

Und wieder viel, viel zu früh tauchte Auckland in der Ferne auf. Alle Wünsche für einen Monsterstau, Überschwemmungen, Erdbeben und Vulkanausbrüche blieben unerfüllt, es ging nun wirklich ans Abschiednehmen.

Wir verabschiedenen unseren Guide mit warmen Worten und einer kühlen Flasche Weißwein, und höchstwahrscheinlich habe ich vor anderen Menschen geheult. Ja, so schlimm war es. Aber es gibt nun mal Menschen, die es einem sehr leicht machen, sie ins Herz zu schließen, selbst wenn man so ein Zyniker ist wie ich.
Und diese Menschen betrachtet man dann nach nur drei Wochen als „Familie“. Es ist ein großes Glück, wenn einem so was passiert. Um also mit den Worten unseres Reiseleiters zu sprechen: I’m not crying because it’s over, I’m crying because I’m glad it happened.

Na ja.

Eigentlich hab ich schon mehr geheult, weil’s vorbei ist. Und weil die Urlaubsendromantik so gar nichts taugt. Wenigstens gibt es in diesem Hotel eine anständig bestückte Minibar, die es mir ermöglicht, einen Anti-Heul-Pegel zu erreichen, bevor wir gleich das letzte Mal zusammen zum Abendessen gehen.

Es fühlt sich schon nach Winter an.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s