Vielfalt

Weil ich im Augenblick ganz gegen meine Gewohnheit selbst keine Worte zur aktuellen Lage der Weltpolitik finde, möchte ich diesen Text ausnahmsweise mit einem Zitat beginnen, das meine tägliche Stimmung in knappen Worten bestens beschreibt. Bitte, Herr Buddenbohm:

Das hätten wir also geklärt. Und nun zu dem, was ich noch so zu sagen hätte:

In der vergangenen Woche war ich ein paar Tage im Krankenhaus. Eine Routine-OP (zumindest für die Ärzte, nicht unbedingt für mich), nichts, weswegen man sich Sorgen machen müsste. Im Grunde nicht der Rede wert, auch wenn sich meine Lebensqualität dadurch schlagartig erhöht hat, aber ich möchte trotzdem kurz davon erzählen. Weniger von der OP an sich, keine Bange, sondern von den vier Tagen im Krankenhaus. Ich war vorher erst einmal im Krankenhaus gewesen, nach einem Fahrradunfall, den ich mit neun Jahren hatte. Ich habe also nicht wirklich viele Vergleichsmöglichkeiten, aber ich kann mir keine bessere Station vorstellen als diese, auf der ich war.

Natürlich habe ich mich bei meiner Entlassung schon direkt bei allen bedankt, aber ich möchte das auch hier noch mal tun. Es war ein unglaubliches nettes, freundliches und kompetentes Team, das mich betreut hat. Operiert wurde ich unter anderem von einer türkischen Ärztin, für die OP vorbereitet hat mich ein Arzt mit spanischem Akzent. Die zauberhaft-wuselige Nachtschwester, die in der Nacht nach der OP auf mich aufgepasst, Tropf und Katheter ausgetauscht und mir Aufmunterndes ins Ohr geflüstert hat, kam aus Indien. Der eine der Oberärzte war Türke, der andere Pole. Betreut wurde ich anschließend von deutschen, russisch- und türkisch-stämmigen Schwestern. Und alle, ohne Ausnahme, waren unfassbar lieb, einfühlsam, vorsichtig, kompetent, lustig und rundum großartig. Alle hatten einen sehr entspannten Umgangston miteinander und ich fühlte mich noch nie so gut betreut und umsorgt.

Und was hat das jetzt mit der Weltpolitik zu tun? Leider vieles, fürchte ich. Weil auch mein Alltag so aussieht, dass darin viele Menschen mit ausländischen Wurzeln vorkommen, fiel mir das zunächst gar nicht besonders auf. Erst als der orangefarbene Irre in den USA auf einmal damit anfing, Muslime nicht mehr einreisen zu lassen und dafür auch noch Applaus aus der deutschen Politik (WTF, Seehofer?) bekam, wurde mir noch mal in aller Deutlichkeit klar, dass dieses schöne bunte Leben gerade möglicherweise auf sehr wackligen Füßen steht.

Ich persönlich möchte aber nicht, dass sich das ändert, weil ich glaube, dass unser aller Leben dann ärmer, beschränkter und farbloser wird. Wir dürfen das nicht zulassen.


One response to “Vielfalt

  • dergrafvonborg

    1. Gute Besserung!
    2. Ich stimme dir zu. Eigentlich haben wir doch Europa, um unsere Vielseitigkeit optimaler nutzen zu können und leichter an das Beste von Allem heran können. Ich finde es traurig, wenn eigentlich unbedeutende Provinzfürsten so laut brüllen müssen, dass sie damit ihr ganzes Land in Schimpf und Schande stürzen. Es findet sich jedenfalls immer ein Dummer, der bereitwillig mitmacht.

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