Eine Insel erzählt

Die Überschrift für den heutigen Tag könnte auch lauten: faul, faul, faul. Wobei – ein bisschen Bildung war schon auch dabei.

Am Morgen war ich nämlich im Museum, das sich sehr lohnt. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie viel es auf einer Insel mit nur zweieinhalbtausend Einwohnern gibt und wie viel davon von Freiwilligen geleistet wird. Es gibt einen Kunstclub, einen Boxverein, einen Golfclub, einen Segelclub und eben das Museum, betreut von der Alderney Society. Die hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Insel nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Und so ruhig und beschaulich das Leben auch heute auf Alderney ist, war die Geschichte doch bis noch vor wenigen Jahrzehnten eine sehr bewegte. Und es ist gut, dass jemand dafür sorgt, dass sie nicht in Vergessenheit gerät.

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An der Kasse saß übrigens bei meinem Besuch ein Herr, der vor langen Jahren mal zur See gefahren war und ganz begeistert war, als er hörte, dass ich in Hamburg lebe. Dort sei er einmal in den Hafen gefahren – und diese Schiffsbegrüßungsanlage, die sei doch etwas ganz Tolles.

Ganz toll ist auch das Museum – klein, aber fein. Morgens hat es an den meisten Tagen zwei Stunden geöffnet, und wenn man sich alles ganz genau anschauen will, braucht man diese zwei Stunden auch. Ich kann das hier alles nur kurz anreißen (zumal ich mir keine Notizen gemacht hab und man im Alter ja auch vergesslich wird). Dazu passt übrigens die hübsche Geschichte, die mein Gastgeber hier im Bed & Breakfast mir erzählte. Seines Zeichens im Hauptberuf Klempner, hatte er vor ein paar Jahren den Auftrag bekommen, die Klempnerarbeiten im Anbau des Museums zu übernehmen. Er sah sich die Sache kurz an, sagte, er brauche vier Tage und legte los. Am Ende brauchte er neun Tage – aber nicht, weil die Arbeiten langwieriger gewesen waren als geplant, sondern weil „ich mir die ganze Zeit die Exponate angesehen habe und nicht davon loskam“.

Im Museum gibt es sowohl alte Fotos, Schautafeln, Vitrinen und ganze Zimmer, in denen Szenen aus der Vergangenheit nachgestellt werden. Besonders beeindruckend fand ich dabei die Dokumentation zum Elizabethan Wreck, das 1977 gefunden, in jahrelanger Arbeit teilweise gehoben und restauriert wurde. Die Kanonen sehen heute fast so aus, als könne man sie wieder benutzen.

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Wracks gibt es übrigens so einige rund um die Insel – die Felsen drumherum sowie der Wellengang wurden schon so manchem Schiff zum Verhängnis, wie die folgende Tafel zeigt:

schiffsfriedhof

Was ich mir unbedingt auch noch mal von Nahem ansehen muss, ist die so genannte Nunnery am Longis Beach, in der allerdings nicht eine einzige Nonne gewohnt hat. Es handelt sich um ein altes Fort, dessen Grundmauern möglicherweise von den Römern gebaut wurden. In jeder folgenden Epoche baute jemand was drumherum, ja, auch die Deutschen mal wieder. In den 30er sah es dort aber noch so aus:

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So sah es also aus, bevor die Nazis die Panzerabwehrmauer gebaut hatten, die dem Strand heute sein charakteristisches Aussehen verleiht, bei aller Hässlichkeit aber auch den Wind abhält. Heute zeigen sich Strand und Nunnery so:

nunnery_bunker

Doch nicht alles im Museum trieft vor Geschichte, Tod und Verderben. Es gibt auch sehr niedliche Sachen zu sehen. Zum Beispiel einen ausgestopften blonden Igel (nein, keine Albinos), eine Rasse, die es nur auf Alderney gibt.

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In echt werde ich wohl leider keinen sehen, weil die geführten Spaziergänge immer mittwochs sind, aber an dem einzigen Mittwoch, an dem ich hier bin, leider nicht. Aber vielleicht sehe ich welche im Garten des Bed & Breakfast, da sollen nämlich auch ein paar leben.

Nach knapp zwei Stunden beschloss ich, mich für heute genug gebildet zu haben, und ging zum Strand, zum Braye Beach dieses Mal. Allmählich kenne ich hier die Schleichwege und weiß, wie ich einigermaßen schnell wohin komme.

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Es folgte exzessives Imsandherumliegen und Aufsmeersehen.  Hier soll übrigens auch noch ein Wrack herumliegen, das ich aber noch nicht gefunden habe, nämlich die „Henny Fricke“. Aber ich habe inzwischen einen Tide-Plan. Ich bleibe dran.


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