Mal eben zum Strand

Die Wettervorhersage in Gestalt meines Gastgebers hatte für heute 30 Grad versprochen, weswegen ich eigentlich geplant hatte, faul am Strand zu liegen. Doch heute kam vieles anders, als ich es geplant hatte.

Der Tag begann wie der Sonntag auch mit einem herzhaften englischen Frühstück – dazu gab es einen ganzen Haufen Komplimente und eine Einladung nach Guernsey von einem freundlichen jungen Mann, der zusammen mit seiner Pflegerin und seinen Eltern ebenfalls ein paar Tage in diesem zauberhaften kleinen Bed & Breakfast verbringt. Ich würde sagen, ich hab einen Lauf, was kümmert es mich da, dass das Wetter nicht so super ist, wie es vorhergesagt wurde.

Ich hatte mir vorgenommen, einfach die High Street runterzugehen, bis ich zum Longis Beach kam. Da ich aber, vermutlich eines genetischen Defekts, nicht in der Lage bin, einen einmal gefassten Plan ohne Umwege zu verfolgen, weil am Straßenrand Blümchen blühen, der kleine Trampelpfad da rechts so vielversprechend geheimnisvoll aussieht oder EICHHÖRNCHEN! schaute ich mir bis zum Ende des Nachmittags die halbe Insel an.

Erster Abstecher: ein Friedhof.

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Ich kann mir nicht helfen, die Friedhöfe sind hier einfach zu schön.

Der Friedhof ging direkt über zum Woodland Trail, dem ehemaligen Strongpoint Ho-Höhe, der heute hervorragend ausgeschildert ist und ein wenig an einen Abenteuerspielplatz erinnert – und wenn man nicht aufpasst, liegt man plötzlich in einer Mörserkuhle.

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Manche übrigens scheint die Gegenwart von Gräben, Bunkern und Mörserkuhlen in romantische Stimmung zu versetzen. Nun, jeder, wie er mag, ich bin da tolerant.

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Nach einem rund einen Kilometer langen Umweg, misstrauisch beäugt von diversen Kühen und ärgerlich kommentiert von zahlreichen Grashüpfern, die in Scharen aufstoben, wo auch immer ich hintrat, fand ich den Zugang zum Klippenwanderweg, den ich eigentlich schon am Samstag hatte entlanggehen wollen.

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Hier oben kann man natürlich auch kein Stück geradeausgehen, ohne auf ein altes Fort zu stoßen. Oder ein altes Schloss. Oder eine Anti-Zombie-Festung, wer weiß das schon. Es ist leider nicht immer alles ausgeschildert.

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Und so langsam konnte ich auch den Strand sehen, an den ich wollte: Longis Beach, gesäumt von einer formschönen Panzerabwehrmauer, gebaut von – natürlich – den Deutschen. Im Krieg konnten wir ja nur Beton.

Zeit, sich in den Sand zu setzen und diesen überall in Tasche und Körper zu verteilen, die Füße ins Wasser zu halten, ein Nickerchen in der Sonne zu machen und zu genießen, dass außer mir fast niemand an diesem herrlichen Strand war. Nicht, dass der Vormittag bis dahin von einer unerträglichen hohen Anzahl von menschlichen Interaktionen geprägt gewesen wäre, aber am Strand alleine zu sein, ist doch so ziemlich das Schönste, was ich mir vorstellen kann.

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Kaum war die Sonne weg, schrie auch schon das nächste Fort danach, erkundet zu werden. Weiter als bis zum Zaun kam ich allerdings nicht.

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Da die Flut aber bereits heranrollte und den Causeway, über den ich gekommen war, zu überspülen drohte, war das aber vielleicht auch gar nicht so schlimm. Man kann sich ja doch was Schöneres vorstellen, als sechs Stunden in einem verlassenen Fort festzusitzen.

Das nächste Fort, Fort Houmet Herbé, war bereits durch das Wasser abgeschlossen, aber vielleicht ist das auch immer so, weil der alte Zugang längst kaputt ist.

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Fort Quesnard danach ist zwar äußerst schick anzusehen, aber in Privatbesitz, Fort Les Houaux Florains wiederum liegt mehr oder weniger in Trümmern. Man müsste mal recherchieren, was die Renovierung kosten würde. Wenn ich mal all meine imaginären Häuser überall auf der Welt verkauft habe, kann ich mir das vielleicht leisten.

 

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Sehr schick dagegen ist der Leuchtturm anzusehen. Der ist allerdings nur sonntags geöffnet, sodass ich mich noch ein bisschen gedulden muss, wenn ich den besichtigen will. Das mach ich aber auf jeden Fall noch.

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Der Rückweg zog sich dann ordentlich, wie immer, wenn ich denke: Ach, da ist ja schon der Kirchturm zu sehen, dann bin ich ja gleich da. Zum Glück tröstet einen die Aussicht hier über jedes müde Zwicken im Knie und jede Blase an der Hacke hinweg.

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