Forts, Forts, Forts

Der geneigte Leser (haha) wird sich noch an das fantastische Heftchen mit den „Tasty Walks“ erinnern, das mich im April kreuz und quer durch, über, auf und unter Guernsey geführt hat. Darin gibt es auch einen Spaziergang für Alderney, was den perfekten Start fürs Erkunden dieser Insel darstellte. Was mir allerdings schleierhaft ist, ist, wie man den Walk in den angegebenen eineinhalb Stunden schaffen soll. Wie soll man denn bei der Hektik vier Stunden fürs Aufsmeergucken und Tiefluftholen haben, die man jeden Tag braucht, um sich angemessen zu erholen?

Los ging es an der „Kathedrale der Kanalinseln“, St Anne’s Church. Von innen muss ich sie mir aber ein anderes Mal anschauen, denn fröhliches Glockengeläut kündete vom Beginn des Gottesdienstes, und da nicht Weihnachten ist, machte ich einen großen Bogen um die Kirche.

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Etwas weltlicher die nächsten Stopps, nämlich Island Hall und Les Mouriaux House. Beides hübsch, aber vielleicht eher etwas für einen verregneten Tag.

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Gleich der nächste Halt machte deutlich, dass die Deutschen – wie vor den anderen Kanalinseln auch – vor Alderney nicht Halt gemacht und dem Eiland einiges an Beton hinzugefügt hatten. Das macht die Inseln natürlich nicht hübscher, historisch interessanter aber irgendwie doch. Das meiste aber ist natürlich gruselig-hässlicher Beton. Bei dem folgenden Turm handelt es sich um das Hauptquartier der Luftwaffe und eine Art Horchposten für ankommende alliierte Flugzeuge. Schön ist anders, vor allem im Vergleich mit den zauberhaften Häuschen drum herum.

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Punkt 5, die Brickfields, verpasste ich irgendwie bzw. war zu faul, umzukehren und einen Eingang in der Mauer zu suchen. Die Straße führte am Flughafen vorbei, und ich widerstand standhaft der Versuchung, im dortigen Café einen kleinen Mundvoll zu nehmen.  Stattdessen landete ich kurz darauf mitten in der Natur und endlich am Meer.

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Fort Clonque ist bestimmt hübsch, aber rein konnte ich leider nicht – es ist heute ein Feriendomizil. Schwer zu erreichen, aber vielleicht gerade deshalb beim nächsten Urlaub mal einen Besuch wert.

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Ganz anders Fort Tourgis – fertiggestellt 1855, sollte es Platz für 346 Soldaten bieten und damit das größte Fort der viktorianischen Zeit sein. Einst standen hier, wenn ich es richtig recherchiert hab, 33 Kanonen in fünf Batterien, dazu kamen vier Mörser.

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Heute ist das Gebäude halb verfallen, die Zugänge zu dem, was vermutlich mal die Quartiere waren, sind nur mittels eines Sprungs über große Löcher im Fußboden zu erreichen – was man aber nur versuchen sollte, wenn man nicht allzusehr am Leben hängt.

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Von einigen Häusern auf dem Gelände stehen nur noch die Wände, Dächer gibt es nicht mehr, auf dem mit Gras überwachsenen Boden sind auch überall Löcher, durch die man eine Etage tiefer saust, wenn man nicht aufpasst.

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Dass mir zwischendurch der Gedanke kam, dass das Fort im Falle der Zombie-Apokalypse mit ein paar Anpassungen perfekt als Rückzugsort geeignet wäre, half nicht dabei, meine Gänsehaut angesichts der seltsamen Atmosphäre zu vertreiben. Zum Glück schien die Sonne – an einem dunklen und regnerischen Tag wäre es noch schlimmer gewesen. Es ist saugruselig, und die Aussicht entschädigt dafür nur bedingt.

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Ich war über irgendeinen Hügel auf das Gelände gekommen und dann über ein paar Mauern in den Innenhof mit seinen Löchern gekraxelt. Ich hatte zwischendurch Zweifel, ob das alles wirklich sicher war, dann aber dachte ich, die hätten hier ja bestimmt ein Schild aufgestellt, wenn es nicht … oh.

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Dann mal unauffällig weitergehen. Erst zur Cambridge Battery, die mittels diverser Tunnel mit Fort Tourgis verbunden ist (was ich aber mangels Mut und Taschenlampe nicht überprüft habe), dann an den Strand.

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Ich widerstand dem Verlangen, nach einer Pause am Braye Harbour auch noch am Breakwater entlang zu gehen – wir sind ja hier nicht bei der Arbeit und müssen alles an einem Tag machen.  In den nächsten zehn Tagen hab ich schließlich noch genug Zeit, mir was anzuschauen.

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Die Male, die mir „Ich hab alles richtig gemacht mit diesem Urlaub“ durch den Kopf schoss, kann ich übrigens nicht zählen.

 


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