Hoch, hoch hinaus

Für den Nachmittag hatte ich mir vorgenommen, mir noch mal die Pleinmont-Landspitze anzuschauen und vielleicht auf den Beobachtungsturm zu steigen, den die Nazis während der Besatzungszeit dort hingeklatscht hatten. Als ich das erste Mal hier gewesen war, hatte ich den Turm nicht entdecken können, aber von der Busstation Pleinmont ist er auch tatsächlich nicht zu sehen. Es dauert überhaupt eine ganze Weile, bis man ihn sieht. Zuerst sieht man auch erst mal wieder Landschaft. Sehr viel Landschaft, weil mal wieder Ebbe war.

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Dass die Deutschen hier waren, ahnt man dann, wenn man ein Stück auf der Landzunge gewandert ist. Und nein, ich hab mich nicht getraut, da reinzugehen. Ich geh doch nirgendwo rein, wo ein Totenkopf hingemalt ist, hallo?!

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Natürlich liegt auch ein unvermeidliches Fort auf dem Weg, diesmal Fort Pezeries.

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Von hier aus hat man auch einen guten Blick auf den Hanois-Leuchtturm, der in den 1860er-Jahren gebaut wurde. Bemannt ist er schon lange nicht mehr, man kann aber wohl mit dem Boot hinfahren und Vögel gucken. Man müsste sich mal erkundigen, ob sich das als Sommerhäuschen lohnt. Da hat man sicher schön seine Ruhe.

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Auf meinem weiteren Weg stolperte ich fast in den Feenring, den Table des Pions. Leider war mal wieder nichts von den Feen, Hexen und Elfen zu sehen, die sich hier gern mal rumtreiben sollen, aber Vollmond ist ja auch gerade vorbei. Mit dem Ort hat es aber eine eher profane Bewandnis. Als früher die Wege und Befestigungsanlagen der Insel begangen und inspiziert wurden (der Westfale kennt das wohl als Pohläsen), diente der Table des Pions als Picknicktisch für die Rast. (Das mit den Feen gefällt mir besser.)

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Dann muss man noch eine ganze Weile durch Heidekraut, Bluebells und vor allem mal wieder über Stufen gehen, bis sich endlich der Pleinmont Observation Tower in den Blick schiebt. An einer Weggabelung wäre ich trotzdem fast schon wieder vorbeigelaufen und sah den Turm tatsächlich erst, als ich mich umdrehte. Dabei sollte man nicht meinen, dass dieser Klotz überhaupt zu übersehen ist.

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Drinnen begrüßte mich ein alter Bekannter: „Ach, Sie hab ich doch gestern schon im Occupation Museum gesehen.“ Stimmte auffallend, der freundliche Mann hatte dort gestern im Tearoom gesessen, als ich dort gewesen war. Wir gerieten ein wenig ins Plaudern, es stellte sich heraus, dass sein Vater Deutscher war und aus Thüringen kam, er aber kein Deutsch mehr spricht, es aber gerne gelernt hätte, außerdem habe er einen guten Freund aus Deutschland, der Friedel heiße und aus Hanau komme, es spannend fand, was ich so von Deutschland, der Flüchtlingssituation und generell der politischen Lage erzählte.  Es dauerte eine ganze Weile, bis ich rauf in den Turm konnte. :-)

Dieser hat fünf Etagen, die alle einen guten Rundumblick bieten. Und weil die Nazis es damals nicht so mit Englisch hatten, benannten sie die Örtlichkeiten kurzerhand um. Wenn ich das richtig im Blick hab, ist die „Kanincheninsel“ die Insel Lihue, und bei „Langenberg“ handelt es sich um Fort Saumarez, auf dem ein ähnlicher Observationsturm steht. Der „Lange Hans“ ist der Hanois-Leuchtturm.

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Wenn man erst mal oben angekommen ist und auch noch die Leiter erklommen hat, hat man eine fabelhafte Aussicht.

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Der Herr, der auf die Leiter aufpasste, war übrigens derselbe, der der Betreiber des German Occupation Museum ist, und auch er fragte mich, woher ich denn sei, wir plauderten ein wenig, er wollte mich gleich mit einem deutschen Herrn aus Sark bekannt machen, der sich mit der Geschichte der Besatzungszeit auf Guernsey gut auskannte und überhaupt versicherte er mir, was ich auch schon die ganze Zeit selbst festgestellt hatte: Keiner habe hier irgendwelche Ressentiments gegenüber den Deutschen. Schließlich sei ich ja weit nach dem Krieg geboren, und er sei bei Kriegsende ein kleiner Junge gewesen. Warum also böse Gefühle hegen, das müsse doch nun wirklich nicht sein.

 

<3


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