Geschichten aus dem Krieg

Da sich der Urlaub nun allmählich dem Ende nähert, wird es ja Zeit, auch ein bisschen die eigene Geschichte aufzuarbeiten. Ich gucke mir hier natürlich sowieso fast jeden Bunker und fast jedes von den Nazis verunstaltete Fort an, aber heute geht es dann ein bisschen ans Eingemachte. Das German Occupation Museum.

Es liegt zunächst mal recht idyllisch im Wald und ist per Bus am besten von der Haltestelle Flughafen aus zu erreichen. Noch um ein paar Ecken zu Fuß gehen, schon ist man da und wird von sehr freundlichen älteren Herren begrüßt. Als ich kam, schien draußen die Sonne – das machte es noch schwieriger, durch die Tür zu gehen und sofort in einer anderen, aus mehreren Gründen dunklen Zeit zu stehen.

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Drinnen finden sich unglaublich viele Ausstellungsstücke, Dokumente, Waffen etc. nicht nur aus der Zeit der Besatzung auf Guernsey, sondern unter anderem auch aus Russland.

Und wie so oft hier auf Guernsey werden die Stücke einfach so gezeigt, ohne Wertung. Geschichtliche Fakten werden wiedergegeben, nicht kommentiert. Der Besucher soll sich selbst ein Bild machen, der Insulaner hat keinerlei Ressentiments gegenüber Deutschen. Das ist ja das, was ich auch in diversen Gesprächen mit Einheimischen festgestellt habe. Dennoch habe ich beim Betrachten der Dokumente aus der Besatzungszeit immer wieder das Bedürfnis, laut „Entschuldigung“ zu sagen für das, was wir auf dieser schönen Insel mit ihren großartigen Einwohnern angerichtet haben. (Wie an so vielen anderen Orten natürlich auch.)

Der Grundstein für das German Occupation Museum wurde mit der Munitionssammlung von Richard Heaume, dem heutigen Betreiber des Haues, gelegt. Als Schuljunge sammelte er die Munition auf, die der Pflug auf dem heimischen Acker freigelegt hatte. Seine Eltern erlaubten ihm 1966, seine Sammlung im Schuppen gegenüber ihres Hauses aufzustellen, und Stück für Stück wurde daraus das Museum in seiner heutigen Form – samt dem Nachbau einer Straße in St Peter Port, wie sie zu Zeiten der Besatzung hätte aussehen können.

Zwischen all den historischen Dokumenten finden sich auch immer private Erinnerungsstücke wie dieses Album, das die Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen aus Guernsey und einem doch recht schmucken deutschen Soldaten dokumentiert. (Um das Happy End vorweg zu nehmen: Ja, Paul und Freda haben nach dem Krieg geheiratet.)

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Auf Guernsey hatte man zunächst nicht geglaubt, dass die Deutschen wirklich kommen würden, man begegnete den Meldungen mit einer gewissen Gelassenheit. (Auf Alderney übrigens fanden die Deutschen bei ihrer Ankunft nur eine leere Insel vor – die Einwohner hatten sich alle abgesetzt.)

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Natürlich gab es auch Widerstand auf Guernsey – ein Zeichen dafür war das „V“, das gerne bei Nacht und Nebel an Wände gemalt wurde. Von den Nazis verständlicherweise nicht gern gesehen und umgehend unter Strafe gestellt:

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Sehr anschaulich sind die Dioramen, die das Leben der Insulaner unter den deutschen Besatzern zeigen, hier eine typische Küchenszene: Mutti behält die Szene auf der Straße im Auge, Vati verfolgt die Nachrichten über ein verbotenerweise zusammengebasteltes Radio.

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Zu den abgefahrendsten Ausstellungsstücken gehören wohl die Gläser mit original in den 40ern eingemachten Lebensmitteln. Ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn man eines öffnen würde.

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Noch ein schönes Beispiel für den Widerstand bzw. die Tatsache, dass man sich auf Guernsey nicht gern was sagen ließ:

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Sehr beeindruckend auch die Darstellung einer Straße, wie sie wohl zur Zeit der Besatzung ausgesehen haben mag.

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Zum Schluss aber wurde ja zum Glück alles gut: Der Guernsey-Esel verpasst dem Nazi einen kräftigen Tritt und jagt ihn von der Insel. Touristen aber werden wie schon gesagt, hier mit offenen Armen empfangen. Zum Glück.

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