20 Minuten bis zum Paradies

So ähnlich wie in der Überschrift, nämlich als Paradies, beschreibt sich die Insel Herm – und eigentlich tut es auch jeder, der schon mal da war. Von Guernsey aus sind es 20 Minuten mit der Fähre, und es kostet nur 13 £, ich wusste vorher so gut wie nichts über die Insel, man kann sich spontan entscheiden und ein Ticket kaufen, es gibt im „Tasty Walks“-Heftchen auch einen Walk in Herm, und man muss ja auch mal raus und Urlaub vom Urlaub machen. Mehrere gute Gründe also, mal rüberzuschippern.

Und was soll ich sagen? Es war fantastisch. Herm ist klein genug, dass man wirklich locker einmal drumherum laufen kann, bis die letzte Fähre fährt, man kann noch lecker was essen und sich auch noch kurz im Dorf umschauen, ohne sich zu hetzen. Man könnte auch sogar noch in Ruhe eine Sandburg bauen.

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Oder viele.

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Es gibt fantastische Strände, Dünen, ein Gelände, das mal als Golfplatz genutzt wurde, ein Hotel, Ferienwohnungen, eine Kirche, Gedönsläden, eine Kirche wenige Einwohner, keine Autos und ansonsten eine Landschaft, die einem das Wasser in die Augen treibt. (Ein bisschen tat auch der scharfe Wind dazu.)

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Aber beginnen wir den Tasty Walk Nr. 15 am Anfang: am Knast.

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Offenbar gab es auf Herm in den frühen 1800er-Jahren einen Steinbruch und rund 200 Arbeiter. Und weil Steinbruch-Arbeiter, wie wir alle wissen, gottlose Gesellen sind, brauchte es wohl damals ein Gefängnis. Ich vermute allerdings, dass es da erst richtig Zoff gab, wenn erst mal mehr als zwei Gefangene da einsaßen.

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Ein Stückchen weiter den Weg rauf sollte der Friedhof liegen – tut er auch, aber ich wäre fast dran vorbei gelaufen, er ist nämlich eher übersichtlich.

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Offenbar sterben hier im Paradies nicht viele Leute.

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Nächster Halt: Robert’s Cross.

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Entdeckt Mitte des 19. Jahrhunderts, gibt es auf Herm noch einige solcher Grabkammern, die ungefähr aus der Zeit von 2500 vor Christus stammen. Leider wurden einige zerstört, weil man die Steine zum Bauen brauchte.

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Der Obelisk ist nicht ganz so alt, sondern stammt aus dem 19. Jahrhundert. An dieser Stelle stand eigentlich ein Menhir, der aber weichen musste, weil man – genau – Granit brauchte. Damit die Fischer aber weiterhin einen Orientierungspunkt an der Küste hatten, stellte man dieses Wahrzeichen auf.

Viel schöner als dieses menschengemachte Gedöns aber ist auf Herm die Aussicht – egal, in welche Himmelsrichtung man sich auch dreht. Irgendwo dahinten müsste übrigens Alderney liegen. Dahin zu fahren, werde ich wohl leider auf dieser Reise nicht mehr schaffen, was ich sehr bedaure. Alderney reizt mich noch mehr als Sark, keine Ahnung, warum.

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Zwischendurch verließ ich mal kurz den Küstenpfad und ging hinauf in die kleine Ansiedlung oben auf dem Hügel, das Manor Village.

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Da oben ist es auch sehr hübsch, fast wie in einem spanischen Dorf – ähnlich ausgestorben war es auch zur Mittagszeit. Wenn ich irgendwann mal richtig was geschafft und geschrieben kriegen will, nehme ich mir da oben eine Ferienwohnung. Morgens mal um die Insel laufen, dann den ganzen Tag schreiben, nachmittags runter in den Pub – DAS wären mal Ferien.

Um die Privatsphäre der Anwohner da oben nicht allzu sehr zu stören, linste ich nur mal kurz in den Garten St Tugual’s Chapel und die Kapelle selbst. Dort sang gerade sehr stimmungsvoll eine Bohrmaschine, sodass ich schnell wieder verschwand.

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Also denselben Weg wieder runter, den ich gekommen war, zwischendurch mal kurz wundern, wie die Bullen hier aussehen …

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… und wieder zurück auf den Klippenwanderweg, durchatmen, Kragen hoch und weiter.

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So viele Fotos wie in diesem Urlaub hab ich noch nie gemacht, und irgendwie sehen sie alle ähnlich aus und dann doch wieder nicht. Hinter jeder Kurve wartet hier eine atemberaubende Ansicht, und wenn man sich umdreht, gleich noch eine. Gut, dass ich ich inzwischen digital fotografiere – das Entwickeln der Fotos wäre wahrscheinlich noch mal genauso teuer geworden wie der ganze Urlaub.

Weil ich mich hier auf Herm nicht hetzen wollte, nahm ich erst die letzte Fähre zurück nach St Peter Port und hatte nach Beendigung des Rundgangs noch eineinhalb Stunden Zeit, die ich gut nutzte und in einer windgeschützen Ecke dösend am Strand verbrachte.


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