Von müssen sollen auf können dürfen

Entschleunigen – so ein schönes, neumodisches Wort. Das sagt sich so leicht. Im Urlaub einfach mal runterfahren, ganz bei sich sein, entspannen, ja, herrlich.

Entschleunigt2

Aber je älter ich werde, desto schwieriger finde ich es, mich zu entspannen, wenn die Zeit vorm Urlaub stressig war. Diesmal war sie es ganz besonders, was teilweise den Umständen geschuldet war, teilweise auch meinem dämlichen Perfektionismus. Ich bin am Freitag geflogen, hatte das Wochenende vorher noch Dienst, wollte aber meine Steuererklärung fertigbekommen, meinem fusseligen Begleiter einen Regenmantel nähen, meine Wohnung aufräumen, die Wäsche waschen und was weiß ich noch alles. Ich weiß, dass das blöd ist, aber es war bisher vor jedem Urlaub so, und es wird auch in jedem folgenden Urlaub so sein. Auf der Arbeit war auch noch einiges los, dann rief noch der Versicherungsvertreter an, ich musste noch einen ungeplanten Krankenbesuch einschieben, und zum Fußball musste ich auch noch. Und dann am Freitag in den Urlaub und jetzt fix entspannen, so schnell wie möglich, damit man möglich viel aus der Zeit hier rausholen kann.

Das ging nur mäßig gut, wobei ich mir aber Dutzende Male selber sagte: Du hast 18 Tage Zeit, du musst nicht alles in einer Woche sehen und erledigen. Es war furchtbar, ständig hatte ich meine To-do-Liste im Kopf, nur dass diesmal darauf nicht „Wäsche, bügeln, Staubwischen, Steuererklärung“ standen, sondern „German Occupation Museum, Tasty Walks, Guernsey Museum, Castle Cornet, Fish ’n‘ Chips“. Außerdem hatte ich gedacht, ich könnte ein bisschen Yoga machen, vielleicht die Meditations-App ausprobieren, viel lesen und Musik hören. Denn der Alltagsstress macht mir inzwischen mehr zu schaffen, als ich zugeben will, und ich suche noch nach Strategien, den besser wegstecken zu können.

Natürlich passierte dann das, was immer passiert, wenn man von 100 auf 0 fährt: Die unvermeidliche Urlaubserkältung schlägt zu. In meinem Fall sogar ziemlich heftig, aber ich hatte schon fast damit gerechnet. Und so schlimm war es auch nicht, denn damit wurde ich sozusagen zwangsentschleunigt. Wenn man wie ich oft unter Zeitdruck arbeiten und somit sehr strukturiert sein muss, um alles rechtzeitig hinzukriegen, kann man nicht im Urlaub auf einmal keinen Plan haben. Oder vielleicht kann nur ich das nicht. So aber diktierte der Rotz meine Pläne. Erst mal pro Tag nicht allzu viel, mal nur in den Park, mal nur rumliegen – und ohne schlechtes Gewissen, schließlich ist man ja krank.

Was mir noch zusätzlich half, war das Meer. Es ist mir nämlich quasi unmöglich, schnell einen Strand entlangzuhetzen. Das Wasser will doch schließlich angeguckt werden. Jede Welle sieht anders aus, klingt anders, das kann man doch nicht nur als Fahrstuhlmusik im Hintergrund laufen lassen, das ist doch ein großes Orchester, dem man Raum geben muss. Ich komme also wohl so langsam an hier.

Entschleunigt

Vor allem wenn sie hier nun auch noch Segelbötchen aufs Wasser kleben, damit es noch ein bisschen hübscher aussieht.

Oder die Abendstimmung nach einem sonnigen Tag:

SONY DSC

Abend2

Nur Taschentücher müsste ich noch mal nachkaufen.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: