Kiki allein im Hotel

Es soll ja Leute geben, für die Anzahl der Sterne eines Hotels das wichtigste ist – für mich ist es ehrlich gesagt meistens der Preis. Im besten Fall bin ich ja nur zum Pennen da – es soll sauber sein, der Rest ist mir eher wurscht. Ich durfte im Rahmen einer Pressereise auch schon mal in Vier-Sterne-Hotels wohnen, das war durchaus spannend. Aber im Grunde schüchtert mich die Atmosphäre da eher ein. Ich schmeiße gern mal was um, und das fällt in solchen Häusern noch mehr auf als eh schon. Wobei das Personal meistens prima ist, aber die anderen Gäste nicht.

In diesem Urlaub residiere ich im Pandora Hotel in Guernseys Inselhauptstadt St Peter Port. Es war die günstigste Unterkunft im Katalog, liegt strategisch ganz gut (man ist schnell am Busbahnhof, am Hafen und in der Shoppingmeile) und ist nicht zu groß. Es hat 55 Zimmer und zwei Sterne im Katalog, aber es verdient eigentlich fünf. Es ist eines der besten Hotels, in denen ich je für länger war, und deswegen möchte ich das gern mit einem eigenen Beitrag würdigen. Für den ich nicht bezahlt werde.

Ich reise ja nun doch schon ein paar Jahre allein durch die Weltgeschichte. Leute, die hier schon länger mitlesen, werden nun sicher die Augen verdrehen, denn das Thema „Frau allein unterwegs“ kommt ja bei mir häufiger vor. Aber es muss noch mal sein.

Gerade als Frau, die allein unterwegs ist, wird man ja dauernd gefragt: „Just for yourself?“ – „Reisen Sie allein?“ – und im Hotel steht auf der Reservierung nur „Kirsten Konradi &“. Am liebsten würde ich das durchstreichen lassen, dieses dämliche „&“. Als ob ich selber nicht toll genug wäre (keine Kommentare jetzt, bitte). Im Frühstücksraum damals auf Usedom wurde ich komisch beäugt, einmal durfte ich mich noch nicht mal mit einem Ehepaar an den Tisch setzen, und auch sonst meint immer jemand, kommentieren zu müssen, dass ich allein reise. Meistens mit „oh, wie schade für Sie“.

Als ich hier auf Guernsey eincheckte, zog die Dame an der Rezeption auch die Augenbrauen hoch – aber nur, weil ich so lange hier bin. 18 Tage Aufenthaltsdauer scheinen zu dieser Jahreszeit eher ungewöhnlich zu sein, und sie wollte sich einfach noch mal rückversichern. Das war alles. Kein „oh, just you?“ oder Ähnliches.

Dann kam ich auf mein Zimmer im dritten Stock und hätte vor Begeisterung beinahe laut gejubelt. Kriegt man im Restaurant gern mal den Katzentisch, wenn man allein kommt, ist es im Hotel sozusagen gern mal das Katzenzimmer. Hier hab ich dagegen das „Turmzimmer“. Es ist klein, aber fein, es ist plüschig, die Stühle sind lila – das Bad ist so klein, dass es voll ist, wenn ich drin stehe, und ich liebe es. Alles davon.

1 Zimmer
Es ist nämlich das Zimmer mit der allerbesten Aussicht.

Aussicht aus Fenster 1: Yachthafen, Castle Cornet und Herm.

1 Aussicht

Aussicht aus Fenster 1: die See, das Tal und Sark.

SONY DSC
Deswegen komm ich heir auch nicht viel zum Schreiben, denn das zweite Bild zeigt die Aussicht vom Schreibtisch. Victor Hugo hat damals nur zwei Häuser weiter gewohnt und hatte dieselbe Aussicht. Keinen Schimmer, wie der hier arbeiten konnte. Ich sitze nur immer rum und starre.

Der Rest des Hotels ist ähnlich plüschig wie mein Zimmer und auch ganz zauberhaft.

Die Stufen im Treppenhaus knarren schön alt und sind mit rotem Teppich ausgelegt, der so dicht ist, dass man auch drauf pennen könnte.

2 Hotel
Die Sessel in der Lounge sind so bequem, dass man ebenfalls drin pennen kann. Nach dem Frühstück setz ich mich da gerne eine Stündchen mit einem Buch hin, lese und überlege mir, was ich mit dem Tag so anstelle. (Und übrigens: Wenn ich vom Frühstück wieder nach oben komme, ist das Zimmer bereits gemacht, sodass man sich im Grunde gleich wieder zum Nickerchen hinlegen könnte.)

3 Hotel
Bücher muss man sich übrigens noch nicht mal mitbringen, die gibt es hier auch. Und Gedöns-Tassen.

1 Hotel

4 Hotel
Die Sofas sind ähnlich bequem, ich habe das für die geneigte Leserschaft bereits mehrere Stunden lang getestet.

5 Hotel
Und wo wir gerade beim Frühstück waren: Im Frühstücksraum kein blöder Blick, weder von den Gästen noch von den furchtbar netten portugiesischen Kellnern; es gibt sogar extra Tische, die nur für eine Person eingedeckt sind. Die Kellner sind charmant und ein bisschen flirty – und zwar mit allen Damen. Und auch sonst: kein blöder Kommentar des Taxifahrers oder der kleinen Gruppe bei der Stadtführung. Nein, Frau Konradi reist allein, und das ist so unspektakulär, dass es keiner eines Kommentars für würdig hält. Es. Ist. Fantastisch. Und ja, ich bin ein wenig angeschickert, während ich das schreibe, aber ich bin nüchtern ähnlich begeistert.

Und nun kommen wir zum Allerbesten, das das Hotel zu bieten hat: der Garten. DER GARTEN!

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Ich habe neulich versucht, nach dem Frühstück im Garten Postkarten zu schreiben – es war völlig unmöglich. Die Aussicht hält einen von allem ab, was irgendwie mit „Machen“ zu tun hat.

Erwähnte ich, dass es ich liebe?

 


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