Urlaubserwartungen

Irgendwie erzähle ich immer andere Geschichten als andere, nachdem ich aus dem Urlaub wieder da bin. Die, die mir heute in einem der unzähligen T-Shirt-Shops in Provincetown passiert ist, gehört dazu. Ich kramte gerade in einem der Klamottenständer herum, als über den Lautsprecher plötzlich „That’s Amore“ von Dean Martin ertönte. Ich mag das Lied sehr, ich kann den Text zwar nicht komplett, aber das hält mich meistens nicht vom Singen ab. Ich summte also leise vor mich hin und stellte fest, dass es der älteren Dame neben mir nicht anders ging, die sang nämlich auch mit. Wir grinsten uns an, sangen unser kleines Duett leise weiter und freuten uns. Über die Musik, das Lächeln, dass der Regen draußen mal für eine Minute aufgehört hatte, halt einfach so.

Solche kleinen Momente machen für mich das Reisen aus. Genauso wie der Moment, als mich die fremde junge Frau auf dem Küstenweg in Bar Harbor anlächelte – einfach so. Wir freuten uns beide über das strahlende Wetter, dass wir so einen schönen Weg entlangwandern konnten, dass das Meer blau war und der Himmel auch. Also lächelten wir uns an. Kann man ja mal machen, ist guter Laune durchaus zuträglich.

Wobei ich zugeben muss, dass ich das auch meist nur im Urlaub hinkriege. Im Alltag bin ich sehr viel misstrauischer und denke, mir hängt was aus der Nase, ODER WARUM GRINST DIE JETZT SO BLÖD?!

Vielleicht passiert mir so was im Urlaub aber auch, weil ich genau so was erwarte. Ich erwarte schöne Gespräche mit den Einheimischen, tolle Landschaften, diese netten kleinen Momente mit fremden Menschen, vielleicht auch eine Art Freiheitsgefühl, weil mich hier keiner kennt und mich keiner aufgrund dessen beurteilt, was er aufgrund gemeinsamer Erfahrungen meint, von mir erwarten zu können.

Wenn ich aber den beiden Nulpen im Bus hinter mir so zuhöre, erwarte ich so was wohl nur als Einzige. Die beiden erwarten im Hotel ein Frühstück wie zu Hause, einen regelmäßig ausgeleerten Mülleimer im Bus und zwei warme Mahlzeiten am Tag, die aber bitte nicht zu exotisch sein dürfen. Und wehe, das klappt alles nicht. Aber dann haben sie wenigstens was zu reden, denn es ist wichtig, dass man immer was zu reden hat, am besten noch zu meckern. Und für mich ist es auch super. Ich habe meine feinen, kleinen Reisemomente und was zu Meckern über die anderen Reisenden.

Song of the Day:


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