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Immer wieder fragen mich die Menschen: „Kirsten, wie machst du das nur, dass deine Geburtstage zu so unvergesslichen schönen Erlebnissen werden, von denen man noch wochenlang zehrt?“

Und weil man mich das immer und immer wieder fragt, antworte ich natürlich gern. Vielleicht hört die Fragerei dann mal auf.

Hier die Anleitung für einen schönen Geburtstag.

Zunächst einmal bestelle man sich für seinen Ehrentag das allerschönste Sommerwetter, das es gibt. (Das gilt natürlich nicht für in den Wintermonaten geborene Leute, ihr müsst zusehen, wie ihr das hinkriegt.) „25 Grad und Sonnenschein mit gelegentlichen Schäfchenwolken“ funktioniert natürlich nur, wenn man so ein kleiner Sonnenschein ist wie ich und eine Standleitung zu Petrus hat. (Das ironische Husten da hinten in der letzten Reihe hab ich gehört!)

Wenn möglich, nehme man sich bereits den Tag vor seinem Geburtstag frei und konsumiere über mehrere Stunden verteilt ein Sixpack. Denn alles, was mit Geburtstag zu tun hat, ist Urlaub, und in dem soll man ja bekanntlich frühzeitig damit beginnen, sich zu betrinken.

Man starte in den eigentlichen Ehrentag um Mitternacht mit einem Gläschen Sekt und dem Öffnen der Geschenke, die bereits angekommen sind. Freue sich über das Fußballbuch vom besten Freund und ein „Ferienbuch“ von der ältesten Freundin, das man ein paar Stunden später schön am Meer lesen kann.

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Anschließend falle man ins Koma, erwache frühestens gegen 9 und frühstücke ebenso spät wie opulent. Falls man nicht mehr plant, mit dem Auto zu fahren, schraube man sich schon dabei eine Flasche Sekt in den Kopp.

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Da man sich im Vorfeld drei Tage lang die schönsten Ziele an Nord- und Ostsee ausgeguckt hat, werfe man das am besten eine Stunde vor der geplanten Abfahrt alles über den Haufen und fahre einfach nach Laboe. Immer schön spontan bleiben.

Schon auf der Fahrt male man sich in den schillerndsten Farben aus, was man zu Mittag an opulenten Fischgerichten zu sich nehmen wird. Denn natürlich hat man trotz den ausufernden Frühstücks doch schon wieder Hunger. Pannfisch? Zander? Was mit Lachs? Und welche Beilagen? Mmh. Dann biege man nach erfolgreicher Parkplatzsuche an der erstbesten Fischbrötchenbude ab und esse ein fantastisches Brötchen mit dem besten Butterfisch aller Zeiten. Spontan und so, ne.

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Unerlässlich für das Wohlbefinden ist es übrigens, das Brötchen in maritimer Atmosphäre zu verzehren.

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Jetzt folgt der wichtigste Teil des Geburtstags: Man suche sich ein halbwegs stilles Plätzchen am Strand, lege sich in die Sonne und schließe die Augen oder schaue die Wolken an. Später lässt man minutenlang Sand durch die Finger laufen, immer und immer wieder. Eine Handvoll und noch eine Handvoll. Einfach so. Weil es sich so wunderbar anfühlt. Weil der Sand da ist. Weil Geburtstag ist.

Man denke nicht. Der ganze Schrott, der einem sonst im Kopf rumgeistert, hat am Geburtstag dort nichts zu suchen. Sorgen werden in den Wind geschossen, wenigstens für diesen einen Tag. Man atme tief ein, bis die ganze Stadtluft und die Enge weggeatmet sind, versuche herauszufinden, wonach die Luft an diesem Tag schmeckt, der nur einem selbst gehört. Antwort: nach Freiheit. Sorglosigkeit. Leben. Fliegen.

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Man beobachte genau, wie sich das Gras in den Dünen bewegt. Denn es bewegt sich immer gleich und immer wieder anders.

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Man schreibe dummes Zeug auf, das einem doch wieder in den Kopf gekrochen war, anstatt ihn zu verlassen.

Man höre Musik.

Man schaue den Schiffen hinterher und laufe am besten gleich selbst ein bisschen im Wasser herum.

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Man verteile Sand in jeder nur denkbaren Körperöffnung.

Wenn die Sonne sich entgegen der Absprache kurz verzieht, trinke man einen Kaffee und einen Sanften Engel.

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Man suche sich einen Platz zwischen Blumen.

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Man beobachte Drachen.

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Man will nicht wieder nach Hause.

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Da man aber doch fahren muss, singe man die ganze Zeit auf der Heimfahrt.

Man beschließe den Tag mit einem guten Rotwein.

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So geht Geburtstag, Freunde.


5 responses to “42

  • Bhuti (@sanddorndiva)

    Herzlichen Glückwunsch nachträglich!

  • NaLos_MehrBlick

    „Jetzt folgt der wichtigste Teil des Geburtstags: Man suche sich ein halbwegs stilles Plätzchen am Strand, lege sich in die Sonne und schließe die Augen oder schaue die Wolken an. Später lässt man minutenlang Sand durch die Finger laufen, immer und immer wieder. Eine Handvoll und noch eine Handvoll. Einfach so. Weil es sich so wunderbar anfühlt. Weil der Sand da ist. Weil Geburtstag ist.

    Man denke nicht. Der ganze Schrott, der einem sonst im Kopf rumgeistert, hat am Geburtstag dort nichts zu suchen. Sorgen werden in den Wind geschossen, wenigstens für diesen einen Tag. Man atme tief ein, bis die ganze Stadtluft und die Enge weggeatmet sind, versuche herauszufinden, wonach die Luft an diesem Tag schmeckt, der nur einem selbst gehört. Antwort: nach Freiheit. Sorglosigkeit. Leben. Fliegen.“

    Wo kann ich unterschreiben!? :D
    <3 <3 <3 (Sorry, aber die Herzchen müssen grad sein! ;-) )

  • sheeplog

    Ach, schon wieder Deinen Geburtstag vergessen. Herzlichen Glückwunsch nachträglich! Was für ein schöner Tag! Liebe Grüße!

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