Fernbeziehung verboten?

Als ich am Samstag in der Schlange vor der Südtribüne stand und mich zentimeterweise vorwärts schob, um endlich eingelassen zu werden zur Mutter aller Derbys, musste ich hinter mir folgende Konversation mitanhören:

Typ 1: Ey, weißte wat – die meisten, die hier stehen, die sin gah nich aus Doatmund.
Typ 2: Ja, watten? Ich bin doch auch aus Berchkamen!
Typ 1: Ja, dat is ja auch okay. Aber alle, die so weiter als 200 km wech sind, dat sin alles so Schönwetter-Fans, die nur einma in Jahr im Stadion gehen und uns alle de Katten wechnehmen.

Ich hatte große Mühe, mir die einzig angemessene Antwort auf diese gequirlte Scheiße zu verkneifen, nämlich: Samma, has du Lack gesoffen?!

Denn schließlich falle ich ja auch in diese Kategorie – ich wohne mehr als 300 km vom Stadion weg. So ist das nun mal in diesen Zeiten: Die Menschen bleiben nicht immer an einem Ort. Aber die Echte Liebe, die nehme ich doch überall mit hin. Ich fahre nach Dortmund, so oft es geht, wenn ich nicht kann, nimmt mein Vater meine Dauerkarte und vertritt mich mehr als würdig. Mein Platz im Block 15 bleibt also nie leer. Ich bin ganz sicher kein Schönwetter-Fan, wie ich hier ja schon deutlich zu machen versucht hab. Darf ich meinen Jungs denn nicht wenigstens ab und zu nahe sein, wenn ich schon so weit von ihnen weg wohne? Wie soll denn eine Fernbeziehung sonst funktionieren? Und natürlich bin ich beim Derby dabei, DAS GEHT DOCH NICHT ANDERS!

Oder will man den vier Fans aus Regensburg, die der beste Freund am Bierstand traf und die so glücklich waren, endlich mal Karten für ein Spiel im schönsten Stadion der Welt bekommen zu haben, einen Besuch auf ewig verwehren, weil sie im falschen Bundesland wohnen? Oder den vier gutgelaunten Japanern, die auf dem Bahnsteig im Sekundentakt mit „SHINJI!“ begrüßt wurden und jedes Mal lachend und gutgelaunt „KAGAWA!“ zurückschrien?

Wer fordert, dass wir alle dem Stadion künftig fernzubleiben hätten, hat das mit der Echten Liebe aber mal so überhaupt nicht verstanden.

Der beste Freund wusste es dagegen so viel besser, als er mich zur Begrüßung auf der Südtribüne lange in den Arm nahm und meinen wegen der beschwerlichen Anreise miesepetrigen Gesichtsausdruck und das obligatorische „Ich hasse Menschen, ey“ wegwischt mit: „Aber jetzt bist du doch zu Hause.“

So sieht’s nämlich aus.


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