Dat erste Ma in Stadion

Über die bezaubernde Frau Neverevertown und ihren Lieblingskollegen kam ich zu dieser Blogparade, die ja sehr offensichtlich nur für mich gestartet wurde. Denn ich wollte in diesem Jahr mehr schreiben, ich schreibe gern über Fußball, und ich brauche einen Anlass. Und da ich mich im Augenblick etwas schwer tue, mit der üblichen Begeisterung und mädchenhaftem Glitzerzuckergussüberzug über meine Borussia aus Dortmund zu schreiben, ist auch das Thema, #daserstemalimstadion, perfekt für mich. Denn früher war ja bekanntlich alles besser. Und schöner. Und hatte mehr Glitzer.

Mein erstes Mal im Westfalenstadion, das damals auch tatsächlich noch so hieß, fand am 19. September 2001 statt, der BVB spielte gegen Liverpool. Mein damaliger Freund, der zu dieser Zeit in Dortmund wohnte, hatte Karten besorgt. Denn auch wenn sein Herz der Borussia aus Gladbach gehört, sagte er: „Wenn man schon in einer Stadt wohnt, in der Champions-League-Fußball gespielt wird, sollte man da auch mal hingehen.“ Dafür könnte ich ihn heute noch küssen, während er sich vermutlich heute noch deswegen ohrfeigen könnte, denn seitdem gehört mein Herz komplett den schwarz-gelben Jungs, mit denen ich bis dahin immer nur aus der Ferne sympathisiert hatte. Wären wir zum Bökelberg gegangen, wer weiß, ob ich nicht doch heute …? Aber so was Schändliches wollen wir mal gar nicht denken.

bvb_liverpool

Es mag ein Vorteil sein, das erste Mal als Erwachsener ins Stadion zu gehen, weil man sich dann besser an das Geschehen auf dem Rasen erinnern kann, aber ich gebe zu, dass ich nicht mehr viel weiß vom Spiel. Woran ich mich erinnere, sind vor allem einzelne Momente. Zum einen der Moment, in dem wir die Stufen zu unseren Plätzen hinaufstiegen und ich zum ersten Mal das Spielfeld von oben sah. Im Flutlicht. Ich wusste es damals noch nicht, aber ich hatte in diesem Augenblick ein Zuhause gefunden. Ein Zuhause zwischen 60.000 (oder später 80.000) gleichgesinnten Bekloppten, ein Zuhause, in dem es nach Blut, Schweiß, Tränen, Bratwurst und Bier roch, nach ehrlicher Arbeit (Jan Koller), Filigrantechnik (Tomáš Rosický), nach rauschhaften Siegen und bitteren Niederlagen. Wie ich hier mal schrieb, hab ich immer gedacht, dass mir tausend Wows durch den Kopf schossen, aber vermutlich habe ich gar nichts gedacht, sondern nur die Stimmung aufgesogen und mit großen Augen geguckt. Vor allem auf die Süd, für die ich nur wenige Monate später eine Dauerkarte erwerben sollte. Übrigens auch dank meines damaligen Freundes.

Der erste Blick aufs Spielfeld zu Beginn des Stadionbesuchs hat für mich übrigens bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Und jedes Mal seufze ich, wenn ich an meinem Platz angekommen bin: „Endlich wieder zu Hause.“

Das Spiel fand kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center statt, und es gab eine Schweigeminute für die Opfer. Es regnete fast die ganze Zeit, und so laut es vorher auch gewesen war – bei der Schweigeminute war es so still, dass man den Regen aufs Dach prasseln hörte. Ich hatte bis dahin nicht gewusst, dass Tausende Menschen so still sein können.

Das Spiel begann, und es endete nach 90 Minuten mit 0:0. Vielleicht weiß ich deshalb nicht mehr so viel davon. Aber wie soll man sich auch Spielzüge oder Torchancen merken, wenn man gerade sein Herz verloren hat und am Anfang einer großen Liebesgeschichte steht?


4 responses to “Dat erste Ma in Stadion

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: