Wichtig, wichtig, wichtig

Während ich auf Maui so oben auf dem Krater stand und mir angesichts des unfassbar schönen Anblicks des Sternenhimmels samt Milchstraße die Tränen kamen, fuhr mir wieder dieses „mehr braucht man nicht“ durch den Kopf, über das ich in meinem Urlaubstagebuch schon einmal geschrieben hatte.

Ich schaute ins Universum und dachte an meine eigene kleine Welt zu Hause. Diese kleine Welt, die weniger als ein Staubkorn im All ausmacht und die einem doch so wichtig erscheint. Ich dachte daran, was alles zu dieser Welt gehört, was mir alles wichtig ist. Zu meiner Welt gehören zum einen viele, sehr unterschiedliche Menschen und viele, sehr verschiedene Dinge und Erlebnisse. Ich hab mir die Welt über die Jahre so zusammengebaut, wie sie für mich richtig ist, einiges wurde von außen dazugetragen, ohne, dass ich etwas dafür konnte. Menschen, die mir über den Weg gelaufen sind, der Job, den ich jetzt habe, Fundstücke, die mir in den Schoß gefallen sind, Menschen und Dinge, die mir genommen wurden und die Lücken und Narben hinterlassen haben, die nun ebenfalls Teil meiner Welt sind.

Meine Welt ist schon ziemlich gut austariert und gefüllt, und doch ist immer noch Platz für mehr. Klar, das Leben geht ja weiter, es kommen und gehen ständig Menschen, Sachen gehen kaputt, werden ersetzt.

Im Moment hänge ich sehr an meiner BVB-Ruhrpott-Tasse, einem Ring, den meine Eltern mir mal geschenkt haben, als wir vor 35 Jahren mal an der Ostsee waren und in dem eine kleine Muschel eingeschlossen ist; ich mag die Übergabe-Mails des Lieblingskollegen, die immer mit „Guten Morgen, liebe Kirsten“ anfangen, ich hab ein paar Klamotten, die ich um nichts in der Welt eintauschen möchte, ich mag das Meer und den Wald, die Sofadecke, die ich mir gerade nähe, werde ich sehr lieben, ich mag meine Elche und den Mond; ich hab eine fantastische Familie und großartige Freunde. Das und noch viel mehr gehört zu meiner kleinen Welt und kommt mir gar nicht klein vor.

Aber dann reist man durch die Welt, schaut sich um und sieht noch so viel mehr kleine Welten. Jeder hat seine Lieblingstasse, ein schönes Schmuckstück, gute Freunde, liebe Kollegen und mag vielleicht den Mond. Mancher hat einen Schrebergarten, einem anderen reicht ein Balkon mit Kräutertöpfen, einer macht Handarbeiten, eine fertigt Puppen, einer mag rosa Glitzer, der andere den Geruch von Sägemehl. Jeder hat sein eigenes Universum, das ihm Halt gibt.

Doch so wichtig es einem auch erscheinen mag – im Grunde ist es doch völlig wurscht, wer welche Lieblingstasse hat oder ob einer Elche besser findet als Teddybären. Nichts davon ist wichtig oder etwas Besonderes., dafür sind wir viel zu klein und zu unwichtig. Es besteht doch also keine Notwendigkeit, sich dieses Leben hinter unter schwerer zu machen, als es eh schon ist und anderen Leuten die eigene Meinung aufdrücken zu wollen.


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