Was soll, kann, muss ich tun?

Eigentlich steht ja hier schon alles – und zwar viel besser, als ich es jemals ausdrücken könnte. Aber so zwei, drei eigene Gedanken muss ich nun doch noch loswerden.

Der feige Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ in Frankreich hat mich fassunglos gemacht. Ich kann noch immer nicht begreifen, dass jemand für etwas, das ich als eines unserer wichtigsten und richtigsten Kulturgüter erachte, nämlich die Presse- und Meinungsfreiheit, sterben muss. Dass Kollegen hingemetzelt werden, weil sie sich  nicht verbiegen lassen, weil sie nicht klein beigeben, sich nicht den Mund verbieten lassen, weitermachen, weil sie das, was sie tun, für richtig halten. Das mögen manche für blöd, leichtsinnig und irre halten, ich bewundere das. Und ich überlege, ob ich das auch getan hätte.

Ich muss nicht lange überlegen – ich weiß, dass ich feige wäre. Zu feige.

Und dennoch – ich weiß, dass ich etwas tun muss. Irgendwas. Ich muss was tun, damit die Idioten und Arschlöcher da draußen nicht gewinnen, wie ich ja hier vor nicht allzu langer Zeit schrieb. Aber wenn mein Leben in Gefahr wäre, würde ich vermutlich die Beine in die Hand nehmen und rennen. Oder eben schweigen. Töten ist eine neue Dimension. Damit komme ich nicht klar.

Aber eigentlich will ich etwas tun und etwas sagen. Ich kann doch nicht zulassen, dass etwas, woran ich neben der Presse- und Meinungsfreiheit noch glaube, nämlich das Recht aller Menschen auf ein friedliches Leben in Freiheit und ohne Angst, in Gefahr gerät, weil ein paar durchgeknallte Idioten beschließen, dass sie das, was sie für richtig halten, mit Waffengewalt und Terror durchsetzen müssen.

Aber was kann ich tun? Was soll ich tun? Was muss ich tun?

Muss ich mich zum Beispiel mit diesen Pegida-Idioten auseinandersetzen, obwohl ich doch weiß, dass man deren verqueres Weltbild mit guten Argumenten und Worten nicht geraderücken kann? Soll ich mich an denen abarbeiten, oder lasse ich sie stehen wie ein ungezogenes Kind, das im Supermarkt einen Tobsuchtsanfall bekommt und nur Aufmerksamkeit will? Hilft es eher, wenn ich diesen Vollpfosten ständig und andauernd Paroli biete, oder ist das zu viel der Aufmerksamkeit? Andererseits – wenn ich nichts tue, gewinnen diese Bewegungen vermutlich noch viel mehr Anhänger, weil wir Guten es versäumt haben, verirrte Seelen auf der Suche nach Orientierung (oder einem Feindbild, je nach dem) frühzeitig vom falschen Weg abzubringen. Aber wenn wir früh genug ansetzen, gibt es vielleicht eine Chance. Denen die Bretter vom Kopf zu reißen, die sowieso schon vernagelt sind – das wird schwer. Aber vielleicht können wir dafür sorgen, dass sie nicht noch allzu viele andere Leute auf die dunkle Seite ziehen. Das muss doch zu schaffen sein.


2 responses to “Was soll, kann, muss ich tun?

  • Little B.

    Mir geht es wie Dir, was den Anschlag anbelangt: Diese Tat hat für mich eine unserer Grundfesten erschüttert. Meinungs- und Pressefreiheit sind so ein hohes Gut und wir müssen uns mal (wieder) bewusst werden, wie gut wir es haben.
    Was pegida anbelang: Dein vorletzter Satz bringt es auf den Punkt. Die, die schon in der Masse schwimmen, werden nur schwer zu retten sein. Aber wir müssen verhindern, dass der Sog stärker wird bzw. erreichen, dass der Sog aufhört. Die Anti-Demos in Köln und anderen Städten am Montag haben gezeigt, dass es geht.
    Wir dürfen uns jetzt nur nicht wieder bequem in unsere Comfortzone fallen lassen.

  • sybbel

    Ich wäre auch zu feige. Aber nicht feige genug, um ständig zu betonen, dass Pegida scheiße ist. Und dass sie auch nach Charlie nicht im Recht sind.

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