Hier vorne geht sie unter …

Heutige Urlaubserkenntnis: Maui macht faul. Heute war der erste Tag, an dem ich nichts weiter vorhatte, als meine Bräune zu vertiefen, frische Ananas zu essen und Moosebert einen guten Elch sein zu lassen. All das habe ich geschafft – von der vorbildlichen Erfüllung eines Tagesplans sollte sich mein Alltags-Ich mal eine Scheibe abschneiden.

Ein frühes Bad im Meer fiel aus – die Wellen waren mir einfach zu hoch. Aaron hatte auf unserer gestrigen Tour gesagt, wenn man hier auf Hawai’i im Pazifik schwimmen wolle, solle man das lieber am Morgen tun, weil der Ozean gegen Abend meistens noch wilder werde. Wenn das stimmt, möchte ich das Meer heute Abend aber nicht erleben.

Noch ein paar Wochen nach der Buchung dieses Urlaubs hatte ich ein ziemlich schlechtes Gewissen gehabt und gezweifelt, ob es wirklich die richtige Entscheidung war, sich so ein teures Ziel auszusuchen. Schließlich bedeutet eine halbe Stelle auch halbe Kohle, und was ist, wenn Waschmaschine und Auto gleichzeitig kaputtgehen? Aber heute Morgen kam mir die Erkenntnis, dass Hawai’i genau die richtige Entscheidung war. Natürlich ist Hawai’i immer die richtige Entscheidung, aber es war es ganz besonders in diesem Jahr. Denn ich musste nicht nur weit weg, ich musste ganz weit weg. Und auch wenn ich mich immer auch über kleine Sachen freuen kann wie Bier und Sushi auf dem Balkon, ist es richtig, dass der Balkon in diesem Jahr einen Blick auf den Pazifik hat und das Bier aus der Kona-Brauerei kommt.

Warum es dieses Jahr schon wieder so eine große Nummer wie im Vorjahr Alaska sein musste, kann ich gar nicht genau sagen. Auf jeden Fall mussten es aber Meer und Strand sein, und es mussten auch noch diese paar Tage Maui am Schluss sein, in denen ich den ganzen Tag Wasser in der Nähe und abends Sand in den Ohren habe, meine Haare langsam ausbleichen und die Sommersprossen auf der Nase immer dunkler werden. Tage, an denen ich nur das Meer sehen, aber nicht mit jemandem sprechen muss, wenn ich es nicht will, Tage, an denen ich keinen Kleiderschrank brauche, weil ich morgens nur vom Schlafanzug in den Bikini wechsle und abends wieder zurück – und keine Küche, weil ich den ganzen Tag nur frisches Obst esse.

Ich habe zwar meinem MP3-Player extra für diesen Urlaub frisch bestückt, aber ich mag kaum Musik hören, weil die Geräusche von Wellen, Wind und Vögeln als Soundtrack mehr als genug sind.

Ab wann würde mir das hier wohl alles auf den Geist gehen, wenn ich her leben dürfte? Im Augenblick habe ich noch das Gefühl, jeden einzelnen schönen Moment festhalten und irgendwie mitnehmen zu müssen, weil er wohl so schnell nicht wiederkommt. Das würde wohl mit der Zeit nachlassen. Vielleicht würde ich mit der Zeit einfach mit einem Achselzucken hinnehmen, dass hinter Lana’i die Sonne jeden Abend mit atemberaubenden Farben untergeht?

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So recht will ich das nicht glauben, denn die Abende hier sind magisch. Jeder Sonnenuntergang sieht anders aus, und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das jemals satthaben könnte.

Noch etwas, von dem ich mir nicht vorstellen könnte, es jemals sattzukriegen, ist das Alleinsein. Ich bin ja Einzelkind und kann demzufolge nicht teilen. Und als ich meinen Weg zurück durch Selfies knipsende Pärchen slalomte, dachte ich nur, was ich für ein Glück habe, all diese schönen Momente mit niemandem teilen zu müssen.

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