Und das hohe Ross bleibt im Stall

Nachteil einer Rundreise ist ja, dass man so viel reisen muss. Wenn man dann noch von Big Island nach Kaua’i will, geht ein kompletter Tag drauf. Denn leider fliegt Hawaiian Airlines nicht direkt von der einen Insel zur anderen, sondern nur mit einem Zwischenstopp über Honolulu auf O’ahu – wir waren also den ganzen Tag unterwegs.

Und was soll ich sagen: Es war fantastisch. So furchtbar die Reisegruppe (bis auf zwei Ausnahmen) im vergangenen Jahr war, so entspannt ist es bei dieser Reise. Und das, obwohl wir genauso lustig zusammengewürfelt sind wie damals in Alaska. Aber erstaunlicherweise kann man sich ja auch gut verstehen, wenn man sehr unterschiedlich ist, wer hätte das gedacht. Man muss halt nur das hohe Ross mal für ein paar Tage gut anbinden.

In dieser Gruppe sind einige schon weit und viel gereist, andere weniger, die einen sind älter, die anderen jünger, die einen reden nicht viel, die anderen umso mehr. Aber keiner neidet dem anderen was, keiner spielt sich auf, der eine (ich) sucht ständig das offene WLAN, der andere hat sein Handy seit Tagen nicht angeschaltet, und wir alle sagen „Aloha“ und nicht „ich hab recht, wir müssen es so machen, wie ich es will“. Wir einigen uns in Rekordzeit auf den Ort, an dem wir mittags essen gehen wollen, jeder ist morgens pünktlich am Treffpunkt, der eine hilft dem anderen beim Übersetzen, keiner nervt und wir unterhalten uns so gut beim Warten am Flughafen, dass der Tag ziemlich fix rumging.

Wobei – doch. Kleines Beispiel fürs Verscheißen in zehn Sekunden lieferte mir heute der ältere Herr aus Australien, der in den Niederlanden lebt und (was prinzipiell sympathisch ist) nicht ins Bier spuckt. Leider aber bin ich sein persönlicher Guide geworden und erkläre ihm dreimal Dinge, die er schon lange wissen müsste, weil anderen Leute sie ihm auch schon dreimal gesagt haben. Möglicherweise hat dieses Vergesslichkeit damit zu tun, dass er zu selten ins Bier spuckt. Aber nun. Ich bin jung und schnell, ich verstecke mich jetzt einfach immer schnell in den Büschen, wenn ich ihn sehe. Auf jedem Fall saßen wir heute am Flughafen auf Big Island nebeneinander (es waren keine Büsche in der Nähe), und der Herr sagte zu mir: „Your friend (eine unserer Mitreisenden) is a nice-looking woman.“ Ich stimmte zu, dann passierte lange Zeit nichts, bis ihm einfiel: „And so are you, by the way.“

Der wird in diesem Leben so was von nicht mehr mein Freund.


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