Regentanz

Nachdem es im vergangenen Jahr in Alaska und am Yukon durchschnittlich so ungefähr 25 Grad hatte und fast permanent die Sonne schien, war die erste Anschaffung dieses Hawai’i-Urlaubs folgerichtig welche? Genau. Ein Regenschirm.

Ich hatte gestern Abend eigentlich noch mal in Ruhe alleine um den Block gehen wollen, den Plan aber angesichts des ausdauernden Tropenregens schnell fallengelassen und gehofft, heute würde es besser sein. War es nicht. Ich drückte mich also bis zum Auschecken im Zimmer rum, beschloss, mir von dem Wetter nicht meinen Bummel durch Honolulu verderben zu lassen (und die letzte Chance, Steve McGarrett zu treffen). Außerdem war es ja warm. Und wie kann ich schlechte Laune haben, wenn ich doch in Hawai’i bin?

Ich kann es übrigens immer noch nicht so recht glauben, dass ich hier bin, auch nicht nach der großartigen Tour gestern. Ich möchte durch die Gegend hüpfen und die ganze Zeit laut vor mich hinsingen, dass ich hier bin – wie ich damals nach der Ankunft in Toronto mehrfach vor mich hin murmelte: „Ich bin in Kanada, ich bin in Kanada, ich bin in …“ Wenn ich das jemals verliere, mich wie ein Kind über so was freuen zu können, haut mich. Aber mit Schmackes.

Ich beschloss also, den Vormittag bestmöglich zu nutzen und im Rahmen meiner Möglichkeiten durch den Regen zu tanzen. Also eher stolpernd durch Pfützen zu platschen. Aber lächelnd.

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Ich frage mich, wie viele Touristen Bilder von Waikiki Beach haben, auf denen nur ein paar Menschen zu sehen sind.

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Zeit, die man damit verbringt, auf tosendes Wasser zu starren und Wellen zu fotografieren, ist keine verschwendete Lebenszeit. Das nur zur Info, falls jemand Zweifel daran hatte.

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Man könnte denken, zwischendrin habe mal die Sonne geschienen – nein. Ich kann bloß nicht gut fotografieren.

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Um mit der unvergleichlichen Meike Winnemuth zu sprechen: „Man muss eine Stadt lieben, die Surfern ein Denkmal baut.“ Ja, das muss man. Das muss man unbedingt. Und es ging mir wie der Autorin: Ich hatte den ganzen Tag nicht einen bösen Gedanken in mir. Das macht Hawai’i mit einem, wenn man es nur lässt. Und das macht es schon nach nur einem Tag.

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Zum letzten Bild: Das war ich nicht. Das war schon so.

Aber ich muss noch mal auf die Tatsache zurückkommen, dass ich den ganzen Tag trotz klatschnasser Klamotten, wunder Achillessehnen Nackenschmerzen vom Rucksack, von Wind und Salzwasser verknoteten Haaren und leerem Magen, weil alle guten Restaurants grad voll oder teuer waren, keinen einzigen bösen Gedanken in mir hatte.

Noch nie hat mein Urlaubs-Ich so schnell die Oberhand gewonnen. Ich musste in Hawai’i nicht ankommen, ich war gleich da, weil ich hier viel mehr ich selbst sein kann. Ich dachte, das sei schon in Alaska so gewesen, aber das stimmt rückblickend nicht mehr.

Mein Urlaubs-Ich ist ein viel netterer Mensch, als die Alltags-Kirsten es jemals sei könnte. Ich bin entspannter, freundlicher, aufgeschlossener. Ich bin viel näher dran an dem, wie ich eigentlich immer sein will. Natürlich hängt das auch damit zusammen, dass ich hier „not a care in the world“ habe. Ich kann nachts um 2 Tagebuch schreiben, wenn ich wachliege, denn ich muss nicht am anderen Tag wach und fit sein, arbeiten und denken können. Aber eigentlich ist es ja bescheuert, weil ich zu Hause ja auch alleine bin – aber da rufen wahlweise die Arbeit, das dreckige Geschirr oder andere Menschen nach mir. Ich sollte das öfter ignorieren, stelle ich hier fest, ich sollte weniger an mir rumziehen lassen. Das Aloha-Gefühl mit an die Alster nehmen.

Deshalb ist auch der Song of the Day heute der, der er ist. Ich mag das Lied sehr, auch wenn es aus einer Werbung stammt. So richtig hatte ich das „you can stay, but you have to let it go“ nicht verstanden, bis mein Fuß hawaiianischen Boden berührt hatte. „Let everything go, be yourself“. Hang loose. Be free. Es kann so einfach sein.


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