„Mehr braucht man nicht“

Mir will etwas nicht aus dem Kopf, das Liana auf unserer Tour gestern sagte: „Wir lernen hier, drei Dinge zu respektieren: die Familie, die Natur und das Meer. Und mehr braucht man nicht.“

Ich will ja immer per se widersprechen, aber in diesem Fall ausnahmsweise mal nicht. Das Leben kann so einfach sein, glaube ich. Ich krieg es bloß selbst noch nicht hin.

Und noch etwas will mir nicht aus dem Kopf: „Wenn die Häuser der Surfer evakuiert werden müssen, geht das schnell“, sagte Liana. „Die haben ja nur ein paar Bretter, drei T-Shirts, zwei paar Shorts und eine Jeans.“ Früher hätte ich wohl gedacht, wie traurig das sein muss, doch heute dachte ich nur, wie schön es sein muss, mit so wenig zufrieden sein zu können. (Es ist natürlich etwas anderes, weil man mit wenig zufrieden sein muss, aber darum soll es hier nicht gehen.)

Ich möchte ja auch gern weniger brauchen, und dennoch ist die Wohnung voll – mit Klamotten, Büchern, Stofftieren, Gedöns, Humbug und Kokolores. Und dabei hab ich dieses Jahr schon ordentlich ausgemistet, aussortiert, verschenkt, mich befreit. Doch der Kram wird nicht weniger, das Wohnzimmer zum Beispiel ist voll.

Vielleicht ist das mit dem weniger brauchen einfacher an einem Ort wie Hawai’i – mit dem Meer vor der Tür, Mangobäumen im Garten und einem Klima, in dem man keine langen Hosen braucht. Aber so einfach will ich es mir eigentlich nicht machen. Ich habe mir in diesem Jahr zum Beispiel fast keine Kleidung gekauft. Das hatte zum einen mit dem verminderten Einkommen zu tun, das die halbe Stelle mit sich bringt, zum anderen damit, dass mein Kleiderschrank eh schon voll ist. Ich hatte mir nur gestattet, notwendige Teile zu kaufen (Socken, Unterwäsche, Schuhe, wenn die alten nicht zu reparieren sind etc.) und für jedes neue Teil ein altes wegzuwerfen. Das ist mir übrigens überhaupt nicht schwer gefallen. Allerdings habe ich noch einen Stapel Klamotten bei mir liegen, die mir eventuell wieder passen könnten, wenn ich endlich mal die fünf Kilo abnähme, die ich im vergangenen Jahr aus mir unbekannten Gründen zugenommen hatte. Ich will nix wegschmeißen oder weggeben, die ich noch anziehen könnte, wenn ich mir nur ein bisschen Mühe gebe. Außerdem möchte ich gegenüber den fünf Kilo nicht klein beigeben, wo kommen wir denn dahin? Somit liegt also schon wieder ein Stapel Klamotten rum.

Was das Sammeln nutzloser Dinge angeht, habe ich in diesem Jahr schon sehr an mir gearbeitet. Zeitschriften bewahre ich nicht mehr ein halbes Jahr auf, ich schaue sie nach einer Woche noch mal durch und hebe nur die Artikel auf, die ich noch mal lesen will oder die mich zu irgendwas inspirieren. Gedöns wird einfach nicht mehr gekauft, und auch neue Elche kommen mir nicht mehr ins Haus. Nur das mit den Büchern, das krieg ich nicht in den Griff. (Will ich aber auch nicht.)

So weit, dass ich nur drei paar Shorts, einen Bikini und ein Surfbrett habe, bin ich also noch lange nicht. Aber vielleicht bin ich erst mal damit zufrieden, dass der Kram nicht mehr wird und ich erst mal doch nicht umziehen muss.


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