Ein großer Fußballabend

Champions League, Viertelfinale

Borussia Dortmund – Real Madrid 2:0, der BVB nach der 0:3-Niederlage aus dem Hinspiel damit ausgeschieden.

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Die Kollegen von „11 Freunde“ haben eine schöne Einzelkritik der Spieler geschrieben, die Kollegen von der „Zeit“ haben sowohl den Abend als auch meine Gefühlslage perfekt auf den Punkt gebracht.

Ich gebe zu, dass mich die laufende Saison müde gemacht hat. Nicht, weil der BVB nicht mehr dauernd gewonnen hat, auch wenn mir das natürlich immer weh tut. Aber ich war müde und mürbe – immer noch ein Verletzter, immer noch ein Rückschlag, immer wieder die Notwendigkeit, die Mannschaft umzubauen, ein weiteres schlechtes Spiel, das all diesen Umständen geschuldet war – im März wollte ich eigentlich nur noch, dass die Saison schnell vorbeigeht, sich alle erholen und in der kommenden Spielzeit wieder so angreifen können, wie sie es eigentlich können.

Die Niederlage in Madrid verfolgte ich auf dem Sofa liegend mit geschlossenen Augen, weil mich pünktlich um 20 Uhr eine Kopfschmerzattacke niedergestreckt hatte. Ich wurde tatsächlich erst ein bisschen wacher, als ZDF-Mann Jochen Breyer Jürgen Klopp die mittlerweile berühmte Frage stellte, ob das Ding ja nun wohl durch sei. Die Schmerzen und das Augenflimmern wurden kurzzeitig überlagert von dem Gedanken: „Na, das wollen wir doch mal sehen!“

Denn so bekloppt war ich doch immer noch, dass ich dachte: Wir sind erst raus, wenn das zweite Spiel abgepfiffen ist. Keine verdammte Sekunde vorher.

Und so fuhr ich gestern frohgemut nach der Arbeit Richtung Stadion und war gleichermaßen entspannt und doch hibbelig wie selten. Ich wollte eigentlich nur, dass wir uns mit Anstand verabschieden und uns nach Möglichkeit nicht sechs Buden einfangen. Und dass die Jungs das hinkriegen, da war ich mir ganz sicher.

Ich wollte also nur einen netten Fußballabend – und ich bekam so viel mehr. Einen ebenso unberechtigten wie gehaltenen Elfer, die Hoffnung, dass hier doch noch was geht, eines der grandiosesten Spiele, die ich je live sehen durfte, eine Mannschaft, die rackerte bis zum Umfallen, Spieler, die über sich hinauswuchsen, ein Stadion, in dem sogar die Wände brüllten, einen Sieg, der nur den einen winzigen Makel hatte, nicht hoch genug ausgefallen zu sein, einen Trainer, der der Süd applaudierte und sie dann aufforderte, seinen Jungs noch ein bisschen mehr Trost zu spenden, der sich anschließend mit dem Rücken zur Süd stellte und seiner Mannschaft von da aus applaudierte. Es war ein großer Fußballabend mit elf Helden auf dem Rasen.

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Natürlich wäre ein Sieg grandios gewesen. Aber ich bin fast überhaupt nicht traurig, dass es letztendlich doch nicht für ein Weiterkommen gereicht hat, denn dieser Abend hatte so viel anderes, so viel Schönes, dass es fast egal war. Sportsgeist, bedingungsloser Support von den Rängen, den Willen, nicht aufzugeben und an das Wunder zu glauben, Fußball mit Herzblut zu spielen, alles zu geben, ein Team zu sein. Das ist das, was diesen Verein ausmacht.

Ich bin stolz, dass ich Teil dieser schwarz-gelben Familie sein darf. Es ist nicht so ein lauter Stolz, den man ständig in die Welt hinausbrüllen muss. Ich empfinde mehr so einen feinen leisen Stolz und stille Freude darüber, dass ausgerechnet dieser wunderbare BVB sich mich als Fans ausgesucht hat.

Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Champions-League-Saison, wenn unsere Reise weitergeht. Denn dieser Verein hat bewiesen, dass es immer weitergeht. Natürlich war das Erreichen des Finales vergangenes Jahr ein Höhepunkt, ein Moment, der scheinbar nicht zu toppen war. Aber das gestern Abend – das war auch ganz groß, Jungs.


8 responses to “Ein großer Fußballabend

  • Viktoria

    Himmel, in welcher Traumwelt leben Sie, um tatsächlich zu glauben, dass Sie als Person für den Verein in irgendeiner Weise wichtig oder auch nur von Bedeutung sind? Was geht in Ihrem Leben schief, dass Sie intensive Gefühle nur Second Hand über das Hilfsmittel Fußballverein ausleben können?

    Weniger auf Krawall gebürstet im Umgang mit echten Menschen wäre ein erster Schritt, nicht mehr diejenigen anhimmeln zu müssen, denen Ihre Existenz völlig egal ist.

    Zur Erinnerung: Der Verein ist raus. Punkt. In Ihrer Verblendung können Sie sich das vielleicht schönreden, aber das Ergebnis bleibt, ob Sie leiden, sich selbst belügen oder in Ihrem Paralleluniversum verharren.

    • Udo

      Himmel, in welcher Traumwelt leben Sie, um tatsächlich zu glauben, dass ihre Meinung zu diesem gelungenen Beitrag in irgendeiner Weise wichtig oder auch nur von Bedeutung sind? Was geht in Ihrem Leben schief, dass sie intensive Gefühle (Hass?Neid?Langeweile?) nur über das (digitale) Hilfsmittel „Blogkommentar“ ausleben können?

      Weniger auf Krawall gebürstet im Umgang mit Menschen wäre ein erster Schritt, nicht mehr all denjenigen auf den Sack zu gehen, denen Ihre Meinung völlig egal ist.

      Zur Erinnerung: Sie befinden sich hier in einem Sportblog. Punkt. In Ihrem inneren Aufruhr mögen Sie diese Plattform vielleicht mit dem Forum auf SpiegelOnline (oder ähnlichem) verwechseln, aber das Ergebnis bleibt, ob Sie leiden, sicht selbst belügen oder in Ihrem Paralleluniversum auf den Tag warten, an dem Ihnen jemand einen Ball an den Kopf schiesst.

    • Kirsten

      Vielen lieben Dank für Ihren Kommentar und den warmherzigen Ausdruck Ihrer Sorgen um mein Leben in einer Traumwelt sowie meine Gefühlswelt.

      Ich darf Ihnen aber Folgendes versichern: Sie wissen nichts über mich, denn soweit ich weiß, kennen wir uns nicht persönlich (ein Zustand, den wir auch gerne so beibehalten können). Und nicht nur, dass Sie nichts über mich, mein Leben, mein ehrenamtliches Engagement für den BVB, meine Freunde wissen – Sie haben auch gar keine Ahnung von Fußball und Ironie. Deswegen ist es vielleicht besser, wir bleiben in unseren verschiedenen Welten wohnen – ich hier oben in meiner verblendeten Traumwelt und Sie da unten, wo Neid, Missgunst und mangelndes Textverständnis zu Hause sind.

      Ich verbleibe mit den besten Wünschen für ein erfülltes Leben! (Und kommen Sie bitte nie wieder her.)

  • Daniela

    Liebe Viktoria, oder wer auch immer Sie sein mögen:
    Was geht denn in Ihrem Leben schief, dass Sie hier einen solchen Kommentar lassen? Nichts anderes zu tun?

    Ernsthaft: gehen Sie Ihren Namen woanders tanzen.
    Vielleicht da, wo es „echte“ Menschen interessiert.

  • Baron B.

    Viktoria, ausgesprochen wie Fiktoria, wird euch nicht antworten.

    Sie befindet sich nämlich wieder in Behandlung.

    Heja BVB!

    • Daniela

      Schade. Ich hätte so gerne eine Definition für „First-Hand-Gefühle“, „echte Menschen“, eine Anleitung zu korrekten Umgangsformen mit ihnen und ach, ich wüsste gerne so viele Dinge.

  • Gefühle aus zweiter Hand | Kirstens Weblog

    […] weiß, keine Trolle füttern, aber dieser Kommentar ist nicht nur eloquent und freundlich, er ist meines Erachtens auch eine direkte Aufforderung an […]

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