Ich will nicht nachtreten, aber …

Vor zwei Monaten hab ich etwas getan, was ich nicht mehr für möglich gehalten hätte: Ich habe einen festen Arbeitsvertrag unterschrieben. Wenn ich nicht gerade goldene Löffel klaue oder dem Intendanten auf dem Flur Beinchen stelle, muss ich in diesem Leben nie wieder eine Bewerbung schreiben. Das fühlt sich alles sehr richtig an. Ich mache meinen Job gut, ich mache ihn gern, was ich tue, ist sinnvoll, und ich habe noch dazu furchtbar nette Kollegen. Manche Tage sind aufregend, weil es, wenn man mit Live-Fernsehen zu tun hat, eben manchmal aufregend ist. Manche Tage sind langweilig, da kann man sich dann von den aufregenden Zeiten erholen und sich frisch machen für den nächsten aufregenden Tag, der sicher kommen wird. Ich sage es noch mal und werde auch nicht müde, es zu betonen: Das fühlt sich alles sehr richtig an, und ich bin (abgesehen von der 380-Kilometer-Entfernung zum Dortmunder Stadion) genau da, wo ich sein will.

Man hat mir vor sieben Jahren vorgeworfen, ich hätte mich für den falschen von zwei angebotenen Jobs entschieden. Das hat mich damals schon gewundert, weil ich schon damals gesagt hatte, dass ich mit der neuen Aufgabe glücklich bin, aber sei’s drum. Und was den anderen Kritiker angeht: Ja, man muss durchaus Redakteurin sein für das, was ich tue.

Jetzt, da die Chancen noch einmal um ein Vielfaches gesunken sind, dass ich jemals wieder für die Zeitung in meiner Heimatstadt schreiben muss, juckt es mich in den Fingern, ein paar Sachen rauszuhauen, die sich damals dort abgespielt haben. Aber es wäre ja schlechter Stil zu erzählen, dass drei oder vier Jobs an mir vorbeivergeben wurden, obwohl ich mir nach dem Volontariat noch als Freie für einen Hungerlohn den Arsch aufgerissen habe und sofort hätte anfangen können. Dass ich die Jugendseite auf Vordermann bringen sollte und mir dann, als es soweit war, dass ich das Ding zweimal in der Woche hätte erscheinen lassen können, sagte, ach nein, das sei aber nun doch nicht gewünscht. Dass diese Jugendseite dann eingestellt wurde, ohne dass sich der Chef jemals dazu herabgelassen hätte, mir das persönlich anstatt über die Volontäre mitzuteilen. Dass hinter meinem Rücken über mich geredet wurde, weil ich als eigentlich Arbeitslose ja den ganzen Tag nur in der Redaktion herumhing und den Arbeitsplatz blockierte (was sicherlich richtig war – aber ich konnte nicht zu Hause rumhängen und mir die Decke auf den Kopf fallen lassen, wenn ich wusste, dass es einen Ort gibt, an dem ich unter Menschen sein und mich zumindest ansatzweise produktiv fühlen konnte). Das alles könnte ich schreiben, wenn es in meiner Natur läge, nachzutreten. (Kleiner Scherz. Habt Ihr gemerkt, ne?)

Vielleicht sollte ich nur noch eins sagen: Das oben Beschriebene fehlt mir. Kein Stück.

(Was mir fehlt, sind die drei, vier netten Kollegen, zu denen ich aber auch immer noch auf die eine oder andere Weise Kontakt habe und mit denen ich gerne ein paar Takte rede, wenn wir uns zufällig wo treffen. Das will ich nicht unter den Tisch fallen lassen. Es war ja früher auch nicht alles schlecht.)


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