Brett im Kopf

schreib dein buch

Ich hatte mir in meinem jugendlichen Leichtsinn mal vorgenommen, bis zu meinem 40. einen richtigen Roman geschrieben zu haben. Nicht gleich veröffentlicht, denn das ist noch mal ein ganz anderer Schnack, aber zumindest fertig in der Schublade wollte ich das Manuskript haben. Es wäre schon der zweite Versuch gewesen, denn von meinem ersten Roman gibt es bereits 120 Seiten. Aber das Ding ist weit entfernt davon, fertig zu sein, noch nicht mal in meinem Kopf. Die zweite Idee dagegen hab ich so oft durchdacht, dass ich sie womöglich kaputtgedacht hab. Ich bin aber eigentlich nach wie vor davon überzeugt, dass es ein schönes Buch werden könnte, aber ich schaffe es nicht, es wirklich zu schreiben. Dabei habe ich auch dafür schon ungefähr 50 Seiten.

Aus dem Futur II im ersten Satz dieses Artikels ist also noch kein Präteritum geworden. Ich hab Phasen, in denen ich ordentlich was weggeschrieben kriege, aber dann kommt mir doch wieder was dazwischen. Meistens ist es die Arbeit, oft die andere Arbeit, häufig der Sport, manchmal nur der Abwasch oder die Tatsache, dass die Wollmäuse unter meinem Tisch Tango tanzen und die Essensreste auf meinen Geschirr allmählich anfangen zu sprechen.

Dabei hab ich das früher so gern gemacht. Zu den schönsten Erinnerungen meiner Kindheit und Jugend gehört es, in den Ferien lange aufzubleiben und zu schreiben. Damals noch mit der Hand, mit Füller, direkt in ein Heft, mit einem Tintenkiller als einzige Korrekturmöglichkeit. Das ganze Haus war ruhig, ich war ganz allein mit meinen Geschichten. Es waren meist kleine, hochnotpeinliche Teenager-Liebesgeschichten, von denen ich nicht möchte, dass sie je einer liest. Ich mochte auch damals nicht, dass sie jemand las, und vielleicht war das der Trick, beim Schreiben glücklich zu bleiben. Paul Auster zum Beispiel liest auch keine Artikel mehr über sich selbst. Ein weiser Mann.

Denn sehr viel öfter aber als der Alltag und die Tatsache, dass ich keine Putzfrau habe, halten mich die Geister der Vergangenheit vom Schreiben ab. Die Lehrerin, die mir „schlechte Sprache“ im Aufsatz anstrich, wenn ich einem Busfahrer ein paar derbere Ausdrücke in den Mund gelegt hatte. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ein bräsiger westfälischer Mann in den mittleren Jahren nun man so redet, doch sie ließ sich nicht davon abbringen, dass es schlechte Sprache war. Offenbar traute man einer Drittklässlerin in den 80ern nicht zu, mit verschiedenen Sprachebenen zu spielen. Genauso wie der Deutschlehrer in der fünften und sechsten Klasse, der mir schlechte Noten im Aufsatz gab, weil ich mit Ironie gespielt hatte. Oder der Freund, der Sachen von mir las und genau die Punkte, die ich als erzählerische Kniffe eingebaut hatte, scheiße fand. Es gibt so einen Satz, der in etwa besagt, dass man eine so hoch entwickelte Form von Ironie und Sarkasmus erreicht hat, dass die Leute einen tatsächlich für blöde halten. Und auch, wenn ich heute weiß, warum ich damals schlechte Noten und dumme Kommentare bekam, höre ich immer noch im Hinterkopf eine fiese, kleine Stimme, die mir ins Hirn flüstert, ich solle es einfach sein lassen, ich könne doch eh nicht schreiben. Ich habe das Brett nicht vorm Kopf, ich hab es direkt drin.

Na ja, dann schreib ich den Roman eben zum 50. fertig. Irgendwann muss das ja mal aufgearbeitet sein. Bin dahin kann ich ja weiter bloggen, das ist schließlich auch schreiben. So.


2 responses to “Brett im Kopf

  • mehrblick83

    Schreibblockaden sind etwas Furchtbares! Auch wenn ich mir nie das Ziel gesetzt habe, ein Buch zu schreiben, kann ich das Grundgefühl ganz gut nachvollziehen.
    Ob als Bloggerin oder Journalistin – mit Schreibblockaden habe ich mich schon viel zu oft herumgeschlagen. Bei mir passiert es meist dann, wenn ich zu verkopft an die Sache herangehe, wenn ich den Text eben nicht „einfach runterschreibe“.

    Über meinem Schreibtisch in der Redaktion hängt übrigens folgender Spruch:
    „The greatest inspiration is the deadline!“ („und Schoki“, dazugeklebt mit nem Post-It)

    In diesem Sinne: Auf dass die neue Deadline dich beflügelt!

    • Kirsten

      Über meinem Schreibtisch hängt das:

      Ich hab ja schon ein Buch geschrieben, für Kinder allerdings, und das auch schon veröffentlicht. Da gab es eine Deadline, und die war echt hilfreich. ;-)

      Beim Bloggen hab ich selten Schreibblockaden, und auch damals bei der Zeitung war das nie ein Problem. Aber diese Romanschreiberei macht mich fertig. ;-)

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