End of the road

Zum letzten Mal das Zelt zusammenfalten, zusammen frühstücken, endlich wieder in Richtung Zivilisation. Unsere Konversation hatte mittlerweile folgendes Niveau erreicht:
„Ihr müsst die Zelte noch kennzeichnen, damit wir wissen, was daran vielleicht kaputt ist.“
„Dann ziehe ich mir am besten einen Stift aus dem Arsch und schreibe es auf, oder WAS?!“

Ich wollte nur noch nach Whitehorse, duschen und mit der besten Zeltmitbewohnerin und dem Holländer, der sich nicht in der Gegenwart anderer in den Zehen pult, Bier trinken und das möglichst schnell. Leider lagen zwischen hier und Bier heute Morgen noch etwa 600 Kilometer.

Auf der Fahrt machten mich alle irre, der Zehen-pul-Holländer pulte sich während der ganzen Fahrt an den Fingernägeln (vermutlich, weil er an die Füße nicht herankam), Mr. Guide spielte die letzte Arschmusik, ich bekam wieder den beschissensten Platz von allen im Van und hörte nur autistisch Walkman. Kaum jemand sprach, und als Mr. Guide plötzlich einfiel, die Evaluationsbögen zu verteilen, machte ich mir den Spaß, darauf sämtliche Rechtschreibfehler anzustreichen.

Dennoch zauberte mir die Morgensonne unterwegs ein Lächeln aufs Gesicht – ebenso wie die skurrilen und wunderschönen Orte, an denen wir vorbeifuhren oder auch Halt machten.

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Endlich im Hotel angekomen, huschten alle auseinander, niemand sprach groß mit dem anderen, keiner verabschiedete sich groß, und auf Mr. Guides Gesicht stand eine Mischung aus Angepisstheit und grenzenloser Erleichterung, als ich dankend ablehnte, mit ihm und dem Rest der Gruppe zu Abend zu essen.

Das beste an diesem Tag war aber definitiv die Dusche, bevor die Ex-beste Zeltmitbewohnerin und ich zum Fish’n’Chips-Essen mit „unserem“ Holländer gingen. Und sich aufs Bett fallen zu lassen. Ein richtiges Bett! Und sich vor dem Weggehen die Wimpern zu tuschen! Wimperntusche!

Wir aßen in der Bar eines lokalen Hotels, in dem außer uns fast nur Einheimische waren.

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Wir wunderten uns schon ein bisschen, dass uns nicht die Ohren klingelten. Denn ich vermute, dass bei der anderen Abendessensgruppe heftigst über uns hergezogen wurde. (So wie umgekehrt übrigens.) Wir im Gegensatz hoben diverse Male unsere Gläser und machten uns Komplimente, weil wir so unfassbar coole Menschen sind. Von „Vielen Dank, die Damen, dank euch war der Trip ertragbar“ zu „Meine nächste Zeltmitbewohnerin muss eine ziemliche Hürde überspringe, du hast die Latte hochgelegt“ war es ein durchweg zauberhafter Abend mit grandiosem Essen und Bier.

Traurig wurde es nur zum Schluss, als wir wieder zurück in unserem Hotel waren. Die Ex-beste Zeitmitbewohnerin muss morgen elend früh aufstehen, um ihren Flug nach Vancouver zu kriegen. Sie beschloss, am besten einfach aus dem Zimmer zu huschen, ohne mich zu wecken. Wir verabschiedeten uns also bereits am Abend, ich bekam ein Päckchen Kaffee von der Sorte, die wir die Reise über getrunken hatten, geschenkt, und dann war die gemeinsame Zeit zu Ende.

Und ich kann nur sagen: So wenig angetan ich zu Beginn davon gewesen war, aufgrund der Fehlbuchung das Zelt mit jemandem teilen zu müssen, so großartig war es im Endeffekt. Wir hatten einen Heidenspaß und die beste Zeit überhaupt zusammen. Was kann man mehr von einer Reisebekanntschaft wollen?

Aber nun, Zeit fürs Bett und die für lange Zeit vorerst letzte Nacht auf kanadischem Boden.

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Song of the Day:


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