Last stop: Tombstone

Ein vollgepackter Tag, aber hallo. Die Erkältung lässt allmählich nach, das war schon mal die beste Nachricht des Morgens. Ich bin nur noch ein bisschen kurzatmig, aber das soll sich wohl auch bald geben.

Die beste Zeltmitbewohnerin von allen und ich zählen ja schon seit einiger Zeit die Nächte, die wir noch im Zelt verbringen müssen, und nun, da es nur noch zwei sind, sind wir schon ein bisschen traurig. Aber nicht zu sehr. Also schon, weil unsere gemeinsame Zeit danach zu Ende geht, aber auch wieder nicht, weil uns diverse Dinge an dieser Reise und dieser Gruppe doch ziemlich auf den Pinsel gehen.

Ich wäre heute morgen fast zum Tier geworden, als mir die junge Dame aus Franken, die soeben dem Zelt entstiegen war, mir den Pfannkuchen vor der Nase wegschnappte, auf den ich bereits seit geraumer Zeit gewartet hatte. Solche Frechheiten kann ich ja ab. Aber egal. Nur noch zwei Tage, nur noch zwei Tage, nur noch … Wo war ich? Ach ja, Abfahrt aus Dawson City. Natürlich nicht, ohne mich vorher noch bei meinem neuen Arbeitgeber vorzustellen. Wenn ich schon ein Haus hier kaufe, sollte ich auch einen Job haben.

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Unser letztes Ziel auf dieser Reise, bevor es wieder zurück nach Whitehorse geht, ist der Tombstone National Park. Und da wir gerade bei Grabsteinen sind: Ich habe den Verlust meiner Wanderschuhe zu beklagen. Also, ich habe sie noch nicht wirklich verloren, aber ich kann schon mal langsam damit anfangen, mich zu verabschieden. Es waren gute Schuhe, doch nun sind sie ein wenig durchlässig geworden. Unsere gemeinsame Reise begann in Irland, und enden wird sie in Tombstone. Was kann ein Wanderschuh mehr vom Leben wollen?

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Für den einen oder anderen Spaziergang aber muss er noch herhalten.

Die Fahrt nach Tombstone war mehr als ruckelig, und nicht zum ersten Mal hatte ich das leise Gefühl, dass der Gurt im Van mich umbringen will. Er bewegt sich nämlich nur in die eine Richtung – enger. Wie man auch am panischen Blick von Sir Moosebert erkennen kann.

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Im Tombstone National Park angekommen, schlugen wir zum letzten Mal das Zelt auf und hatten uns dafür den besten Platz von allen aus – weit weg von der schnarchenden Schweizerin, dafür nah dran am hämmernden Holländer (ich habe seit dem dritten Tag der Reise keinen einzigen Hering mehr selbst eingeschlagen, ebensowenig die besten Zeltmitbewohnerin von allen). Ich machte eine Waschmöglichkeit aus, die ich aber sicherheitshalber von Sir Moosebert und Murray, dem neuen Elch erst mal testen ließ. Ergebnis: scheißekalt, aber machbar, wenn man wirklich sauber werden will.

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Wir taperten zunächst zu Visitor’s Center, wo wir uns über die Entdeckungs-Möglichkeiten informierten, Sir Moosebert von allen Seiten angegraben wurde und seltsame Tiere herumhingen.

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Wir entschlossen uns, zuerst einen kleines Spaziergang zum Beaver Pond zu machen, uns anschließend mit Bannock vollzustopfen und danach frisch gestärkt einen kleinen Ranger Walk mit Leah von den First Nations die Berge hinauf zu unternehmen. Ich erwähnte, dass das Wetter mal wieder der Knaller ist? Und die Landschaft zum Sterben schön? Nein. Dann seht selbst.

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Der Abstieg von diesen Bergen fiel schwer, wurde aber versüßt von einem großartigen Gespräch zwischen der besten Zeltmitbewohnerin,mir und einer Dame aus Juneau, Alaska (gebürtig allerdings aus Ohio – bin ich eigentlich die einzige, die bei Nennung dieses Staates immer an Ted Mosby denken muss?). Ich glaube, das war der beste Girl Talk ever – über die Freude am Alleinsein (im Gegensatz zum Dahinvegetieren in einer schlechten Beziehung), das unschlagbare Gefühl, am Ende eines langen Tages endlich den §%$&#-BH aus- und die Jogginghose anziehen zu können, den Spaß, Leuten, die einem Vorschriften machen wollen, verbal einen mitzugeben und dem wunderbaren Satz: „Crazy and indepdendent women like us belong in the Yukon Territory.“ <3. Großartig. Ich will hier nie wieder weg.

Song of the Day:

(Und ja, ich habe mich tatsächlich in diesem Fluss gewaschen. Zum einen, weil es keine andere Möglichkeit gab, zum anderen, weil ich mal sagen können wollte, dass ich mich in Kanada in einem scheißekalten Fluss gewaschen habe, ich kerniger Naturbursche, ich. Nennt mich Chuck.)


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