Getting rid of the Rotze

„Müde. Krank. Verrotzt. Verschwitzt. Das wird ein toller Tag. Leck mich am Arsch. Guten Morgen.“

So waren in etwa meine ersten Gedanken beim Aufwachen. Aber was soll’s, es ist Urlaub, die Touren sind bezahlt, die werden gemacht. Das war in etwa der erste Gedanke nach dem Aufwachen.

Dann wiederum dachte ich, ich sei in eine Zeitspalte gefallen, weil das auch schon gestern meine Gedanken nach dem Aufwachen gewesen waren. Ich hatte heute früh möglicherweise ein wenig Fieber.

Die anderen verließen das Camp in aller Frühe, ich hatte schon gestern angekündigt, mich erst mal auszuschlafen und erst später in die Stadt zu kommen. Einer der Herren aus Holland und die beste Zeltmitbewohnerin aller Zeiten hatten uns für den Abend verabredet, um eine der lokalen Kneipen unsicher zu machen. Dafür wollte ich wenigstens einigermaßen fit sein.

Den Vormittag verbrachte ich mit einem sehr gemütlichen Frühstück allein im Camp und zwang Sir Moosebert zum Kartenschreiben, während ich nie gesehene Fotos der lokalen Tierwelt machte.

Moosebert_Karten

Vögelchen1

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Irgendwann gegen Mittag machte ich mich auf in die Stadt – schon der Weg bis zur Fähre machte ich fertig, zumal ich schon mein ganzes Dusch- und Wechselzeug für den Abend mitschlüren musste. Ich keuchte mich  durch ein Dawson City, was sehr viel hügeliger war, als ich es vom Vortag in Erinnerung hatte. Erkältungs-Kurzatmigkeit ist ein Arschloch.

Irgendwie schaffte es ich zur Jack-London-Cabin hinauf, wo ich das Glück hatte, genau rechtzeitig zum Vortrag der großartigen Dawne Mitchell zu kommen, die die Lebensgeschichte Jack Londons nicht einfach nur berichtete, sondern erzählte im besten Sinne.Mit Herzblut, Talent und so vielen schönen Worten.

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Außer mir waren nur noch das Pärchen aus meiner Reisegruppe und ein älteres Ehepaar aus San Diego dabei. Zwei Herren aus Japan stießen ein wenig später dazu. Obwohl wir also nicht besonders viele Leute waren, erzählte Dawne so engagiert und lebendig, als gelte es, eine sehr viel größere Gruppe zu unterhalten.

An einer Stelle fragte sie, ob denn vielleicht ein Schriftsteller oder Autor im Raume sei. Bevor ich selbst wusste, was ich tat, ging mein Arm nach oben. Ich hatte möglicherweise wirklich Fieber, denn im Allgemeinen dränge ich mich bei so was nicht in den Vordergrund. Aber nun – Dawne hatte eine so nette Atmosphäre geschaffen, dass ich mich irgendwie zu Hause fühlte, und im Urlaub bin ich sowieso immer mutiger, also hob ich die Hand und sagte, „Yes, I am a writer.“

Oh, wie aufregend das sei, dass wirklich jemand da sei, der schreibe, was ich denn bisher geschrieben hätte, fragte Dawne. Ich erzählte von meinen Kurzgeschichten und dem Kinderkrimi und dass ich immer irgendwie den Drang hätte, Sachen aufzuschreiben und nie damit aufhören könnte, und ja, ich würde auch weiterschreiben, wenn ich wüsste, dass niemals wieder etwas davon veröffentlicht werden würde.

Normalerweise komme ich mir nach so was immer komisch vor und schäme mich ein wenig, weil ich mich so in den Vordergrund gedrängt habe. Doch hier nicht. Was zum einen sicher daran lag, dass ich Urlaub hab, zum anderen aber daran, dass mir die anderen nicht das Gefühl gaben, mich doof verhalten zu haben. Zumindest die Leute, die nicht mit mir in einer Reisegruppe unterwegs waren. Die fanden das möglicherweise ziemlich affig, doch das amerikanische Ehepaar kam nach dem Vortrag auf mich zu, klopfte mir auf die Schulter und sagte strahlend: „Good luck with your writing and all the best!“, was ich einfach zauberhaft fand. (Und jetzt kommt mir nicht mit diesem abgelutschten „Ach, so sind die Amis halt, die meinen das ja nicht so“ – die beiden hätten auch einfach die Klappe halten können. Denkt mal drüber nach.)

Am Abend, nach einer erfrischenden Dusche, fuhr uns Mr. Guide zum Midnight Dome hinauf, wo ich erneut ins Keuchen gerieht – diesmal aber wegen der atemberaubenden Aussicht. Wieder so ein Ort, an dem nur stehen und staunen möchte, weil man nicht fassen kann, wie schön er ist.

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Anschließend ging der größte Teil unserer Gruppe irgendwo essen, aber wir drei coolen Spalter landeten an der Theke im Downtown Hotel, wo es nicht lange dauerte, bis der behaarte Trucker neben mir uns fragte, ob wir alle drei Aussies seien. Der Auftakt zu einem sehr lustigen Gespräch, das sich zwar ein wenig monothematisch ums Jagen drehte, aber deswegen nicht weniger lustig war. Zum Glück war Sir Moosebert im Camp geblieben, sonst hätte er anschließend in Therapie gemusst. Mit mehreren Litern Yukon Gold („Beer worth freezing for“ – and yes, that’s true) verging der Abend wie im Flug, und als ich abends auf meine Schlafmatte fiel, fühlte ich mich schon wieder sehr viel weniger krank als noch am Morgen. Wunderheilung.

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Ich sollte hierbleiben. Ein Haus wäre sogar noch frei.

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Song of the Day:


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