Heiß, heißer, Fairbanks

Zeit, den Denali National Park wieder zu verlassen. Nur noch sechs Nächte im Zelt. Beides ist irgendwie schade, Letzteres aber nicht ganz so. Ich wurde heute früh gezwungen, mir was Neues zu essen zu kaufen, denn mein Brot wurde von einem Vogel gefressen. Gut, es war blöd, das Brot offen auf dem Rucksack liegen zu lassen, während ich noch mal eben die Brotbüchse ausspüle, aber ERDNUSSBUTTER MIT KÄSE?! ERNSTHAFT JETZT?! Was sind denn das für Vögel hier in Alaska? Ich hoffe, Du kriegst Scheißerei davon, Du Mundräuber!

Weiter ging es mit absoluter Kackmusik im Van, mit der uns Mr. Guide belästigte, bis wir sagten, dass es nun genug sei. Ich glaube, den Ausschlag gab meine Aussage, dass mich das atonale Gejaule zum Töten animiere. Mr. Guide wiederum war genervt, dass wir genervt waren, aber keiner von uns Musik zur Unterhaltung beisteuerte. Mal abgesehen davon, dass ich musikalisch niemanden ernst nehmen kann, der einen Genesis-Song mit Phil Collins mit einem Genesis-Song mit Peter Gabriel verwechselt, bin ich nicht im Besitz eines iPods. Und mein MP3-Player ist nicht mit dem Auto kompatibel, was also soll ich beisteuern? Depp.

Auf dem Weg nach Fairbanks stoppten wir kurz in Nenana, einem putzigen kleinen Ort, der vor allem für sein „Ice Classic“ bekannt ist. Wenn ich das richtig verstanden hab, ist das eine Art Lotterie, bei der derjenige die Knete abräumt, der den genauen Zeitpunkt errät, zu dem das Eis des Tanana Flusses nach dem Winter bricht. Sonst gab es hier nicht viel zu sehen, aber im Shop des Eisenbahn-Museums habe ich ein Buch erbeutet, nach dem ich schon lange gesucht habe. Der Soundtrack zu „Into the Wild“ begleitet mich ja schon auf der gesamten Reise, und nun würde ich gerne die Geschichte dazu lesen. Wer hätte gedacht, dass ich das Werk ausgerechnet hier, am Arsch der Welt, kriege?

nenana_1

SONY DSC

SONY DSC

SONY DSC

SONY DSC

Die Fahrt nach Fairbanks war nicht lang, wir waren bereits am Mittag da. Es war wie schon in den vergangenen Tagen bereits früh am Tag bullenheiß, und so mussten die weltbeste Zeltnachbarin und ich bereits nach dem Zeltaufbau ein Bier trinken. Unter den rollenden Augen von Mr. Guide, der für solche lebenslustigen Sauereien so gar keinen Kopp hat. Und je öfter er doof guckt, desto mehr Spaß macht es uns, ihn zu ärgern.

Die Fahrt zum North Pole mussten wir ebenfalls erzwingen – im Nachhinein hätten wir es uns tatsächlich schenken können, aber das entscheide ich gerne selbst (das Thema kommt gleich noch mal). Immerhin gab es ein paar Kumpels von Sir Moosebert zu sehen. Und noch mehr abgefahrenes Zeugs:

SONY DSC

north pole 1

SONY DSC

SONY DSC

north pole 2

Im Übrigen gehen mir außer der weltbesten Zeltnachbarin und dem einen der holländischen Herren alle auf den Keks. Die Dame aus Köln bestätigt das geflügelte Wort, dass der Kölner nicht nur alles weiß, sondern auch alles besser weiß – vor allem dann, wenn er gar nichts weiß. Dabei kommen Dialoge wie folgender raus:
Ich: „Ich würde mir Fairbanks aber schon gerne angucken.“
Die: „Aber da gibt es nicht viel zu sehen, du.“
Ich: „Das würde ich gerne selbst entscheiden.“
Die: „Jaja, wie auch immer. Ich hab das auch nur gehört, ich war da nie.“

Am Ende war Fairbanks wirklich nicht toll, vor allem war es tot. Geschäfte komplett dicht oder geschlossen, außer der betrunkenen Dorfjugend (nicht im Bild) niemand auf der Straße. Mein Plan, endlich Briefmarken zu kaufen, scheiterte erneut.

SONY DSC

SONY DSC

SONY DSC

SONY DSC

fairbanks_leer5

Aber an manchen Stellen bekam man zumindest einen Eindruck davon, wie es vielleicht an einem etwas belebteren Tag aussehen könnte. Also vielleicht.

SONY DSC

SONY DSC

Ranger Bear

Schön war es im Visitor Center – dort war es angenehm klimatisiert, und es gab freien Internet-Zugang, den ich nutzte, um meine Geburtstagsmails zu lesen. Was von der Dame aus Köln gleich wieder mit diesem „Ach, die arme Internet-Süchtige“-Blick bedacht wurde. Von mir aus. Legt euch doch alle gehackt und denkt, was ihr wollt.

Die wiederkehrende Frage nach einer Dusche findet Mr. Guide wie immer amüsant, und ich würde ihn gerne schlagen dafür. Sprich, ich wasche mich wieder auf dem Klo im Eimer. Yeah. Die Camp-Hygiene lässt immer mehr zu wünschen übrig, auch wer nachweislich Scheißerei hat, packt schon wieder mit ungewaschenen Fingern ans Essen und es jeder scheint hinter jedermanns Rücken zu reden. Ich natürlich nicht. Ich rede nur über die Hälfte der Gruppe hinter deren Rücken.

Am Abend eskalierte die Lage tatsächlich, als der eine Holländer, der kein Hühnchen isst, Tofu-Würstchen essen sollte, die zuvor gefühlte 20 Tage in den angeranzten Kühlboxenn rumgeschwommen waren. Er hatte recht, aber ich hatte einfach keinen Bock, mich hier noch mehr aufzureiben. Ich bin einfach nur platt gerade.

fairbanks_heiß

Song of the Day:


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: