Meeting Ranger Bob

Die Nacht war wieder früh vorbei, aber wenn um 6 Uhr der Bus zum Wonder Lake geht, wacht man schon vor dem Wecker auf und kann es gar nicht erwarten, endlich loszukommen.

Im Denali National Park gibt es ein schönes System: Man kauft das Busticket für eine bestimmte Strecke, kann aber unterwegs jederzeit und natürlich auch an den regulären Haltestellen aussteigen und einfach ein Stück zu Fuß laufen. Wenn man keinen Bock mehr hat, winkt man einfach dem nächsten vorbeikommenden Bus zu und steigt wieder ein. Das machte ich heute mit der besten Zeltmitbewohnerin aller Zeiten und dem besten Holländer von allen. Wir ließen uns ein Stück von Beth, der Busfahrerin („My name is Beth, not ‚hey driver‘ or ‚you there‘!“) mitnehmen, doch da mit jedem Stopp mehr Idioten einstiegen, hüpften wir am Sable Pass raus und gingen ein ganzes Stück zu Fuß. Es waren wohl mehrere Meilen, aber es kam mir nicht ansatzweise so weit vor. Kein Wunder, es gab schließlich an jeder Ecke was zu gucken.

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Wenn ich mir jetzt diese Bilder noch mal ansehe, kann ich gar nicht glauben, dass ich so was Wunderschönes wirklich in echt gesehen hab.

Wir hüpften wieder in den Bus und ließen uns über holprige und an wahnwitzig steilen Abhängen entlang zum Eielson Visitors‘ Center fahren, wo wir tatsächlich einen Bären sahen. Erst von weit weg, dann von etwas näher und schließlich so nah, dass Ranger Bob [sic] kam, uns höflich, aber bestimmt wieder den Hang heraufscheuchte, um anschließend den kleinen Wanderweg zu sperren.

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Zeit für künstlerisch hochwertige Fotos.

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Wir hatten dann Schwierigkeiten, den nächsten Bus zum Wonder Lake zu erwischen, denn der war voll. Meine beiden Begleiter nutzten die Zeit für eine kleine Wanderung, ich ging ein Stück mit, dann aber wieder zurück, weil  mir das Tempo schlicht zu schnell war. Stattdessen lauschte ich Ranger Bobs Ausführungen zum Verhalten in der Wildnis. Und lernte: Wenn man einem Bären gegenübersteht, niemals laufen. Nie, nie, niemals laufen. Was läuft, ist Beute für den Bären, dann kommt er hinterher. (Okay, das wusste ich schon.) Stattdessen stehenbleiben, sich möglichst groß machen und mit Engelszungen reden. Im wahrsten Sinne des Wortes, darauf legte Ranger Bob größten Wert. Man soll nämlich immer nett zu Bären sein und Sachen sagen wie „You’re a good bear!“ oder „Who’s a good boy?“ Man darf einen Bären niemals beleidigen, das gehört sich nämlich nicht.

Doch Ranger Bobs Lektionen waren damit noch nicht zu Ende. Ich spitzte die Ohren, denn das nächste Thema lautete „Elche“. Ich lernte: Wenn man einen gewissen Vorsprung hat, darf und soll man vor einem Elch durchaus weglaufen. Das macht man am besten im Zickzack, versteckt sich hinter einem Baum oder einem Busch und wartet ein Weilchen. Denn ein Elch ist laut Ranger Bob – Achtung, es folgt das wunderbarste Zitat des ganzen Urlaubs – ein Elch also ist „not the sharpest crayon in the box“, also „nicht der spitzeste Bleistift im Etui“. Ich hoffe, Sir Moosebert findet niemals heraus, dass ich laut lachen musste, als ich das hörte. Und weil ein Elch eben nicht die hellste Leuchte im Lampenladen ist, hat der nach spätestens 100 Metern rennen vergessen, warum er rennt. Ab da ist man auf der sicheren Seite. Sagt Ranger Bob. Und warum sollte der lügen? Er war ja schließlich um unser Wohl besorgt und warnte Touristen auch eindringlich davor, die kleinen Erdhörnchen zu füttern, weil einige von denen Menschenfresser seien. „Na ja, dieses hier flucht nur fürchterlich“, antwortete einer der Touristen schlagfertig.

Irgendwann kam dann doch noch ein Bus zum Wonder Lake. Am Steuer saß diesmal Dale, ein lustiger Vogel, der auch selber nach Tieren guckte und einen guten Blick dafür hatte. Wir verstanden uns gleich gut, als er fragte: „Ach du je, wollt ihr wirklich mit mir fahren?“ und ich antwortete: „Nee, aber der andere Bus war voll.“ Wahrscheinlich hat er westfälische Vorfahren, denn er fand das völlig normal und angemessen.

Als wir am Denali (oder Mount McKinley) ankamen, hatten wir eine fantastische Sicht auf den Berg. Wir warteten, bis alle ihre Bilder gemacht und lärmend wieder abgezogen waren, dann saßen wir einfach nur da und guckten, während wir darauf warteten, dass der Bus uns mit zurück nahm. Auf diesen grandiosen Berg, der so groß ist, dass er sein eigenes Wettersystem hat. Den man nur an wenigen Tagen im Monat ohne Wolken sehen kann. Der jede Minute anders aussieht und immer schön und beeindruckend ist.

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Die Rückfahrt machte uns alle mürbe, auch, wenn wir noch mal viele Tiere sahen:

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Ich ditschte mit dem Kopf immer wieder an die Scheibe, weil ich so müde war, und auch die beste Zeltmitbewohnerin aller Zeiten schaukelte gefährlich hin und her, während Dale heizte wie ein Henker und sich anschließend für das ihm entgegengebrachte Vertrauen bedankte.

Ich fiel abends förmlich ins Bett/in den Schlafsack und freute mich nur auf die warme Dusche am nächsten Morgen in einem der formidablen kleinen Einzelduschkabinen-Häuschen.

Und ein schönes Schlusswort:

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Song of the Day:


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