Wärmegewitter aus Südwest bei Honigduft im Garten*

*Ich versprach, diese Überschrift für den fünften Tag meines Reisetagebuchs zu verwenden. Sie stammt aus der Feder des geschätzten Übersteigers. Jetzt muss ich nur noch sehen, dass ich den Text so schreibe, dass die Überschrift auch passt.

Tag 2 im Kluane National Park begann zwar nicht mit einem WÄRMEGEWITTER AUS SÜDWEST, aber mit dem Prasseln des Regens auf unser Zeltdach. Ein herrliches Geräusch – wäre es gewesen, wenn man den Tag über hätte liegen bleiben, lesen und dem Regen einfach hätte zuhören können. Wir hatten aber als Frühstückszeit 6.30 Uhr angesetzt, weil die eine Gruppe auf eine recht lange Wanderung gehen wollte. Am häufigsten waren deshalb noch vor 7 Uhr die Formulierungen „Fuck this shit“ und „This sucks“ zu hören. Möglicherweise ging ein Großteil davon auf meine Kappe. Ich wusste ja, dass das Wetter nicht ewig so bleiben konnte, aber ein wenig Hoffnung hatte ich doch gehabt. (Wobei einige „Fucks“ auch der Tatsache geschuldet waren, dass ich mir den Ellbogen am Auto angerempelt hatte und mein Ringerfinger wegen eines Mückenstichs so angeschwollen ist, dass ich befürchte, meinen Ring zu sprengen. Oder dass der Finger abfällt und Bären anzieht. Was so passiert in der Wildnis. … Wo war ich stehengeblieben?)

Zum Frühstück gab es außerplanmäßig Pfannkuchen – genau das Richtige für so ein Wetter. Wir beschlossen, heute eine andere Wanderung zu machen als die geplante und es etwas ruhiger angehen zu lassen. Und siehe da, kaum hatten wir zu Ende gefrühstückt, riss der Himmel auf und wir sahen plötzlich, dass der Campingplatz inmitten vorn Bergen lag. Die hatte man gestern zum einen wegen der aufziehenden Wolken als auch wegen der umherziehenden Rauchschwaden von Waldbränden gar nicht gesehen. In jedem Fall kam irgendwann die Sonne raus – ich hatte es ja gewusst, dass wir in diesem Urlaub immer gutes Wetter haben würden. Ha!

Mit einem Teil der Gruppe machten wir uns also auf zum Auriol Trail, einem etwa 15 Kilometer langen Rundgang. Am Anfang hatte ich dabei allerdings nicht besonders viel Spaß. Vielleicht sehe ich das ja falsch, aber ich gucke gern hier und da mal in der Gegend rum und renne nicht wie angestochen durch die Natur – vor allem, wenn ich die Natur an dem betreffenden Ort noch gar nicht kenne. Man möchte doch auch einfach mal nur irgendwo sitzen und gucken.

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Im zweiten Teil wurde es ein wenig besser. Dank eines Sandwiches ließ auch das hässliche Gefühl der Unterzuckerung bald nach und wir gingen auf allgemeinen Wunsch langsamer. Die Sonne kam raus, und es wurde noch ein richtig schöner Tag. (Abgesehen von den Schmerzen in meiner Achillessehne, die ja just am Flughafen beim Hinflug wieder aufgebrochen waren, nachdem ich vorher wochenlang nichts hatte. Scheiß-Timing? Kann ich.)

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SONY DSCNie war der Hinweis „Nicht im Gleichschritt gehen!“ wertvoller.

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Im Übrigen hab ich heute eine Verschwörungstheorie zur heimischen Tierwelt entwickelt: Die Ranger streuen hier überall Kacke aus, damit die dämlichen Touristen denken, dass es hier Viecher gibt. In Wirklichkeit gibt es hier sicher weder Bären noch Elche. Aber weil sich der Mythos hartnäckig hält, kommen trotzdem jedes Jahr wieder Tausende her.

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Wie mich freundliche Mitglieder unserer Reisegruppe dann am Abend mehrmals wissen ließen, bin ich offenbar „knallrot im Gesicht!“ und sehe aus „wie ein Indianer, hihihihi!“ Ja, danke auch. Wird ein Sonnenbrand besser, wenn man mich ständig drauf hinweist und blöde kichert? Wohl nicht. Was aber sehr wohl gegen die Hitze hilft, ist ein kaltes, zur Hautfarbe passendes Bier mit Leuten, die einen nicht mit Unsinn volllabern. Hab ich schon den ersten Gruppenkoller? Hoffentlich nicht. Am besten denke ich dran, was einer meiner Kollegen immer sagt: „Gottes TierGARTEN ist groß.“

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Abends stand wieder Waschen im Eimer an, denn nach so einer langen, schweißtreibenden Wanderung verströmt man nicht gerade HONIGDUFT, um es vorsichtig zu formulieren. Auf den Tisch kamen endlich die Steaks, von denen uns Mr. Guide schon so lange vorgeschwärmt hatte. Ich denke mal lieber nicht darüber nach, dass die Dinger schon seit mehreren Tagen in der Kühltruhe liegen und inzwischen hätten singen können, wenn man sie nur gelassen hätte.

Der Rest des Abends war Lagerfeuer-Idylle.

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Song of the Day:


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