Fortschreitende Verwilderung

Kluane National Park

Ich stelle Seltsames an mir fest. Ich mag keine Karten schreiben; ich mag noch nicht mal welche kaufen. Ich will nur hier sein, laufen und gucken. Karten zu schreiben, hieße, daran erinnert zu werden, dass es noch einen anderen Ort gibt als diesen hier. Einen, an dem ich arbeiten muss, der keine schneebedeckten Berge hat, an dem ich nicht 24 Stunden am Tag in der frischen Luft sein kann.

Morgens unternahmen wir eine kleine Wanderung zu den Million Dollar Falls, die dem Campground den Namen gaben. Ich war froh, mich ein bisschen bewegen zu können, denn die Nacht war doch ziemlich frisch gewesen. Knappe 7 Grad, nachdem es am Abend vorher noch um die 20 gewesen waren. Muckelig ist was anderes.

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Weiter ging es in den Kluane National Park, wo wir gleich die nächste Wanderung machten – diesmal zum Elias Lake. Ein netter kleiner Spaziergang, langsam genug, dass alle in der Gruppe mitkamen und fix genug, dass man zumindest ein bisschen das Gefühl hatte, Sport getrieben zu haben. Der See an sich liegt wunderbar ruhig, der Weg dahin führt allerdings über gefährliches Gelände. Vermutlich schaute Sir Moosebert deswegen ein bisschen unentspannt.

bear country

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Die beste Zeltnachbarin aller Zeiten war es wohl, die feststellte: „You really love your moose.“ Natürlich – wer kann denn diesem Blick widerstehen, bitte schön?

Sehr zu empfehlen ist übrigens der Town Market in Haines Junction – es handelt sich dabei um fünf oder sechs Stände, davon verkaufen vier Essen. Ich hatte einen Zitronenkuchen – Hammer. Ich fange noch beim Gedanken daran an zu sabbern. Die anderen Stände verkauften Klamotten und Taschen, die Leute kannten sich alle untereinander – kein Wunder, Haines Junction hat nur so um die 800 Einwohner – jemand schrammelte auf einem Bass herum und alle hatten sich und uns lieb. Herrlich.

Der Campground, auf dem wir die kommenden drei Tage bleiben werden, hat immerhin fließend Wasser. Man glaubt ja nicht, wie sehr man sich darauf freuen kann, den Kopf unter einen Hahn mit kaltem Wasser zu halten. Meine Hände sehen jetzt schon aus wie die eines Bauarbeiters, das Mückenzeug juckt und klebt und es ist immer noch wunderbar warm. Unsere Verwilderung schreitet mit erschreckender Geschwindigkeit voran. Unser Guide scheint es nicht so mit der Hygiene zu haben, jedenfalls schaut er immer ein bisschen komisch, wenn wir Mädels fragen, wo man sich denn hier mal so schrittfrisch machen kann. Und dabei fiel das Wort „schrittfrisch“ nicht mal. Also wuschen wir Mädels uns in einer Schüssel auf dem Klo. Das glaubt mir auch keiner, wenn ich das zu Hause erzähle. Und ich möchte auch nicht weiter drüber nachdenken, wenn ich ehrlich bin. Weder über das, was vorher in der Schüssel war, noch über das Klo an sich.

Wenn abends der Wind ums Zelt pfeift, will ich auch nicht mehr denken. Nur noch froh sein, dass ich hier bin.

Song of the Day:


2 responses to “Fortschreitende Verwilderung

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