Zu alt für diesen Scheiß

Mein 30. Geburtstag war super! Also … ganz nett. Okay. Also eigentlich … scheiße. Das lag weniger an der großen, runden Zahl als mehr an den Umständen drumherum. Ich war arbeitslos, und die Zeitung, für die ich mir damals den Arsch aufgerissen habe, machte keinerlei Anstalten, mir einen Job zu geben. Andere Arbeitgeber leider auch nicht. Zudem stimmten damals auch viele andere Dinge in meinem Leben nicht – und dann auch noch 30? Ja, leck mich doch.

Eine große Party hab ich trotzdem gemacht, und die war wirklich schön. Ich bekam einen DVD-Player, mit dem ich schon viele glückliche Stunden verbracht habe. Gefühlte 30 Jahre später bekam ich dann auch einen Job, und auch die anderen Schwierigkeiten lösten sich irgendwann auf.

Die Party zu meinem 30. war die bislang letzte, die ich gegeben habe. Denn obwohl sie schön war, gab es Dinge, die mich mich an dieser Party und an anderen Partys gestört haben, die ich gegeben hab. Dass Leute absagten – eine Stunde vorher und mit der Begründung, dass sie bei einem Umzug helfen mussten. Dass Leute nicht absagten, aber auch nicht kamen. Dass Leute schon vollgefressen bei mir auftauchten. Obwohl ich deutlich gesagt hatte, dass es was zu essen geben würde. Und zwar reichlich. Dass Leute kamen, die mit Hingabe am Essen herummäkelten und Sachen eklig fanden, die sie noch nicht einmal probiert hatten. Dass Leute um 23 Uhr wieder gingen, weil sie schon eine Stunde über ihre übliche Schlafenszeit hinaus waren. Dass man nachher hört, man sei ja ein schlechter Gastgeber, weil man sich nicht um alle richtig gekümmert habe (Hintergrund war meine Ansage: „Bier ist im Kühlschrank, wer noch eins will, holt sich einfach eins.“)

Das ist anstrengend, und für diesen Scheiß bin ich inzwischen zu alt. Und so verbringe ich meinen Geburtstag inzwischen am liebsten mit mir allein. Oder mit meiner Familie. Am allerliebsten aber mit dem Meer. Weswegen ich an diesem Tag gerne (mit dem Zug, bevor wieder die Moralapostel den Finger heben) an die See fahre, lecker Fisch esse und mich betrinke.

Und was durfte ich mir deswegen schon alles anhören. Ich hätte Probleme mit meinem Alter, ich sei nicht sozialisierbar, und seinen Geburtstag müsse man doch gefälligst feiern. Dabei feiere ich doch – mit mir, Meer, Fisch und internationalen Bieren. Was ist daran auszusetzen? Mein Geburtstag ist mein Tag, ich kann ihn verbringen, wie ich will und nicht, wie andere meinen, dass ich ihn verbringen soll.

Und nun, da der nächste runde Geburtstag ansteht, kann ich vor allem eines fröhlich vermelden: Es. Ist. Mir. Schnurzegal. Was. Andere. Von. Mir. Denken.

Ich verbringe meinen Ehrentag dieses Jahr an einem ganz besonderen Ort bzw. an einem anderen, ebenso besonderen Ort (ich weiß noch nicht genau, wie die Reise verlaufen wird und wo genau ich genau sein werde) und vermutlich in der allerbesten Gesellschaft. Möglicherweise werden sogar Elche da sein. Und auch wenn es mir scheißegal ist, wie andere das finden, hab ich das Geheimnis um diesen Ort sehr lange gehütet. Weil ich keinen Bock darauf hatte, mit langweiligen Menschen sinnlose Diskussionen zu führen, die damit enden, dass ich laut und unhöflich werde, um dann eh zu machen, was ich will. (Was jetzt noch schön wäre, wäre, wenn die Leute allmählich mal den Unterschied kapieren würden zwischen: „Ich hab Angst, dass mich die Leute komisch finden könnten“ und „Ich hab keinen Bock, alles auszudiskutieren.“ Ich mache nämlich weiter meinen Kram, ich rede nur nicht mehr mit jedem Dummbeutel drüber. Das ist ein himmelweiter Unterschied.)

Klar sind die 40 eine Marke, über ich mir Gedanken machen. Aber weniger im Sinne von „Oh mein Gott, mein Arsch wird jetzt alt und faltig, und JETZT kriege ich überhaupt keinen mehr ab“, sondern eher im Sinne „Hoppla, könnte sein, dass die Hälfte schon rum ist“ und, daraus folgend, „Hab ich das bisher alles so gemacht, wie es gut ist?“

Die Details dazu gehen keinen was an, aber ich hab so einiges aufräumen müssen. Meine Einstellung zu gewissen Dingen und gewissen Menschen. Das war nicht immer einfach, aber heilsam. Ich muss mich nicht mehr mit Menschen abgeben, die mich nicht respektieren und mich nicht für voll nehmen. Die mir sagen, ich könne dies und jenes nicht verstehen, weil ich zu jung sei. Die aber ihr eigenes Leben so wenig im Griff haben, dass es mich doppelt ankotzt, wenn sie meinen, mir Vorschriften machen zu wollen. Ich muss das nicht mehr ausdiskutieren, ich kann auch einfach den Arsch rumschmeißen und gehen. Ich habe mich im vergangenen halben Jahr von so einigem losgemacht, und das war prima.

Das heißt nicht, dass die Arbeit getan ist, ich bin noch nicht ganz fertig mit dem Umorganisieren. Und deswegen bin ich auch noch unschlüssig, ob ich es erstrebenswert finden soll, dass man mit 40 angeblich ganz toll gelassen und weise wird oder ob ich einfach die gleiche blöde Ziege bleiben soll, die ich schon immer war. Für was ich mich entscheide, werdet Ihr dann schon merken. ;-)


4 responses to “Zu alt für diesen Scheiß

  • redaktionmamaimjob

    Was kennst du für Leute? ;-)
    Nee, im Ernst, solche Miesepeter, kurzfristig-Absager und andere unhöfliche Menschen muss man sich vom Hals schaffen, so schnell es geht.
    Und das:
    “Ich muss mich nicht mehr mit Menschen abgeben, die mich nicht respektieren und mich nicht für voll nehmen.”, habe ich vor einigen Jahren gesagt, bevor ich Knall auf Fall eine Truppe verließ, von der ich mir allzulange habe Unverschämtheiten gefallen lassen. Genauer, ich habe gesagt: “Mein Leben ist zu kurz, um mich mit Menschen abzugeben, die mich ja ganz offensichtlich nicht leiden können und ständig an mir herumzumäkeln haben.” Und weißt du was: Mir geht es so viel besser seither. Ich bin nämlich auch zu alt für solchen Scheiß :-)
    Liebe Grüße
    Petra

    • Kirsten

      Hihi, ich ziehe die an. Bzw. man entwickelt sich auseinander, und die einen können besser damit umgehen, dass ich vielleicht anders leben will als sie.

      Genauso isses. Das sind Energieräuber, und man muss mit seiner Energie im Alter haushalten. ;-)

      Und ich merke grad, dass ich in dem Beitrag viel pissiger klinge, als ich wollte. Dabei bin ich eigentlich ganz zufrieden mit allem grad. :-)

      Danke für die Zustimmung und liebe Grüße zurück!

  • Shellie

    Ha, mein 30. war auch scheiße, sogar megascheiße ;o) wenn ich dir näher berichten würde, käme dir deiner garantiert total klasse vor….
    Dieses Jahr war auch bei mir die nächste 0 fällig und ich hatte einen sehr schönen Geburtstag (ja, auch eine Feier, aber so wie ich sie wollte). Ich wünsche dir auf jeden Fall einen grandiosen Geburtstag, eine tolle Reise und jede Menge Elche!
    Auf die Reiseberichte freue ich mich jetzt schon :o)
    HippHippHurraaaa

  • Die Nacht der fliegenden Pfannkuchen | Kirstens Weblog

    […] Wir einigten uns dann mithilfe der besten Zeltnachbarin von allen auf Tacos und Chips. Damit kann ich leben, wenn mich auch der Gedanke daran, dass nun wahrscheinlich jeder weiß, dass ich übermorgen Geburtstag habe, nicht übermäßig froh stimmt. Ich bin da nun mal eigen. […]

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