Bier und Bass

Es gibt ja so Zeiten, in denen das Leben mal kein Arschloch ist. Gestern zum Beispiel. Urlaub, Sonne, der beste Freund in der Stadt, schon nachmittags Bier an den Landungsbrücken, zuletzt viele tolle neue Leute im Leben, mit denen das Zusammensein sehr viel Spaß macht, große Pläne für die Zukunft und abends als Krönung Karten für ein Konzert, das um so vieles großartiger ist, als man es sich je vorzustellen gewagt hat.

Ein Konzert, bei dem man ein paar wunderbaren älteren Herren bei der Arbeit zuhören kann und man so euphorisiert wird, dass man fürchtet, gleich des Saales verwiesen zu werden, weil das ins Gesicht gemeißelte strahlende Grinsen womöglich die Filmaufnahmen versauen könnte. Denn diese älteren Herren wissen, wer sie sind und was sie können. Sie brauchen eigentlich gar keine so große Bühne, weil sie so eng nebeneinander herumrocken, als spielten sie noch immer in einer Garage. Sie brauchen keine hippe Dance Show, weil die Musik für sich spricht. Gleiches gilt für die Lightshow, die angemessen schlicht ist, nur zwei große Bildschirme im Look alter Fernseher hängen rechts und links der Bühne und zeigen, was man von weiter weg nicht gut zu erkennen vermag. Die Songs dauern bis zu einer Viertelstunde, was einem nicht mal ansatzweise so lang vorkommt. Denn der Bass lässt das Bier im Becher schwappen und das Herzchen hüpfen, die Zeit stillstehen, er lässt die Hosenbeine flattern, den Hintern beben (ja, wir hatten Sitzplätze, sorry) und die Schultern wippen. Und zwischendurch ein Tränchen rollen, weil grad eben alles so großartig ist.

Und wenn man zwischendurch mal kurz aufs Klo geht, strahlt der Ordner einen an und sagt das, was man schon die ganze Zeit im Kopf hatte: „Das Leben kann schön sein, oder?“ Scheiße, ja.

Danke für diesen grandiosen Abend, Herr Young. Es war mir ein Fest. Und natürlich danke an den besten Freund für die Einladung und das viele Bier.


3 responses to “Bier und Bass

  • claus

    Danke für die Parallelwelt. Als BVB-Fan auf die Seite geklickt, als Neil Young-Fan Seite verlassen, um Karten für Köln zu ordern (Hätte ich wohl vergessen!?). All-Time-Unvergessen: Hidden Path Live. Ein Stück Musik, das wie ein startenden Düsenjet eine halbe Stunde über unsere Köpfe hinweg zum Horizont zog…

    Schöne, fußballlose Sommerzeit!

  • Mach et jut, 2013 | Kirstens Weblog

    […] schönste Konzert? Neil Young! Selbst wenn ich auf noch mehreren Konzerten als diesem einen gewesen wäre, wäre das das beste […]

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