Das Karma scheißt zurück*

Ich glaube ja fest an Karma. Denn wie wir alle wissen, bin ich so ein herzensguter, geduldiger, wunderbarer, entzückender, bezaubernder und nicht zu vergessen grundbescheidener Mensch, dass es keinen anderen Grund gibt für die schlimmen Dinge, die mir passieren, als dass ich in einem früheren Leben vielleicht mal ganz leise ein Kind angeschrien habe.

Ich ertrage all diese Widrigkeiten wie laute Nachbarn, unfähige Autofahrer und dass der Rewe um die Ecke diese Macadamia-Kekse nicht mehr verkauft, weil ich zum einen natürlich quasi die Gleichmut in Person bin, zum anderen aber auch, weil es manchmal zu den Leuten zurückkommt, wenn sie mir blöde kommen. Hierzu zwei amüsante Begebenheiten aus meinem spannenden Leben. (Es zählt irgendwie auch zu den Widrigkeiten, dass ich manchmal sehr lange warten muss, bis sich das Karma mal entschließt, zurückzuscheißen*. Aber auch das halte ich aus, weil ich ja so gleichmütig und geduldig bin.)

Vor so ungefähr 15 Jahren Zu Uni-Zeiten saßen mein damaliger Freund und ich mit noch ein paar anderen Leuten in einer Kneipe und tranken Bier. Was man als Student eben so macht um 11 Uhr morgens. (Kleiner Scherz.) Leider tranken wir unser Bier in einer Kneipe, die primär von BWLern und Juristen heimgebesucht wurde. Die sich durch einen deutlich maßvolleren Alkoholkonsum auszeichneten als wir. Deren Freundinnen nicht wie ich Jeans, T-Shirt und wirres Haar trugen, sondern ein adrettes Haarknötchen, ein weißes Blüschen mit einem leger über die Schulter gelegten Pullöverchen, dessen Ärmelchen dekorativ vor der Brust geknotet waren. Und diese Frauen hielten sich den ganzen Abend über an einem Weißweinschörlchen fest und begannen nach dem zweiten Schlückchen, albern zu kichern, weil sie schon ein bisschen angeschickert waren. Und obwohl unsere Gruppe der Kellnerin einen viel größeren Umsatz bescherte, behandelte sie uns wie die letzten Heckenpenner, war unfreundlich, vergaß uns regelmäßig und brachte nur nach mehrmaliger Aufforderung die nächste Runde. An den anderen Tischen war sie dagegen saufreundlich und zuvorkommend. Ich hatte  nicht vor, ihr Trinkgeld zu geben, doch damit hatte sie wohl schon gerechnet. Sie behielt nämlich die zwei Mark einfach, die ich eigentlich als Wechselgeld herausbekommen hätte.

Und so was hab ich ja gerne.

Zu Glück aber ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Denn Monate später stand ich im geisteswissenschaftlichen Institut der Uni Marburg am Kopierer und kopierte mir einen ziemlich umfangreichen Aufsatz, sprich, es dauerte recht lange, und ich blockierte das Gerät eine ganze Weile. Da tippte mir plötzlich jemand auf die Schulter und fragte: „Du, ich hab nur eine Seite, darf ich wohl grad mal dazwischen?“ Ich mag es erstens nicht, wenn man mich antippt und zweitens Sätze mit „Du, …“ beginnt, aber das war nicht der Grund, warum ich die Anfrage ablehnte. Denn vor mir stand die affige Kellnerin von damals. Ich musterte sie in aller Ruhe von oben bis unten, grinste und beschied ihre Anfrage mit einem knappen: „Nö, du.“ Und machte im Geiste eine Säge, um dem Karma zu danken, dass es mir diese Gelegenheit beschert hatte. Ich sei eine rachsüchtige und nachtragende Ziege, höre ich den geneigten Leser sagen. Ja. Und?

An diese Geschichte musste ich vor drei Tagen abends denken – und seitdem jedem Abend und ich hoffe, auch noch mindestens drei Wochen. Den bei den Leuten in der Dachwohnung gegenüber brennt eine Lampe. Obwohl die Leute in der Dachwohnung gegenüber gar nicht da sind. Diese Lampe brennt nun Tag und Nacht und ist ein weiterer Beweis dafür, dass man für schlechtes Benehmen gelegentlich bestraft wird. Denn das Pärchen, dass in der Dachwohnung wohnt, ist das Pärchen, das, als ich 2008 in meine Wohnung zog, sich zu fein war, sein Auto zumindest ein winziges Stückchen zurückzusetzen, als ich es darum bat. Der Wagen war nämlich ziemlich dicht hinter meinem geparkt, sodass ich schlecht an den Kofferraum kam, in dem ich noch diverse Kisten hatte. „Nö, wir wohnen hier“ lautete die Antwort auf meine Bitte. Und jetzt, nur fünf Jahre später, sind sie in Urlaub und lassen hoffentlich drei Wochen lang das Licht brennen. Hähä. Hähähähähä.

Meine Gedankengänge seien wirr und nicht nachvollziehbar, höre ich den geneigten Leser sagen. Ja. Und?

*Nein, das ist kein Schreibfehler.


2 responses to “Das Karma scheißt zurück*

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