Der Abend, an dem wir Charakter zeigten

Champions League, Halbfinalhinspiel BVB – Real Madrid 4:1

Meine lieben schwarz-gelben Jungs, wir müssen mal reden. So geht das doch nicht. Ihr könnt doch nicht jedes Mal so ein Wahnsinnsspiel hinlegen. Erstens brauch ich meinen Schlaf, zweitens kann ich mir nicht jedes Mal neue Wörter ausdenken, um Eurer Leistung in einem Blogbeitrag gerecht zu werden! Ich möchte gerne so viel sagen, aber ich bin komplett leergejubelt, allegeschrien und fertiggeheult.

Aber von vorn.

Um ehrlich zu sein, hatte ich am Tag vor dem Spiel aus vermutlich nun überall bekannten Gründen eine gewisse Unlust, nach Dortmund zu fahren. Natürlich bin ich Fan des Vereins und nicht eines einzelnen Spielers, aber es war, als hätte ich zu einer Party gehen müssen, auf der ein Ex-Freund von mir rumhängt, den ich nie in meinem Leben wiedersehen wollte. Ich nehme Dinge gerne persönlich – auch und gerade die, die eigentlich nichts mit mir zu tun haben. Wenn also der feine Herr Götze meint, mich im Sommer für eine irgendeine dahergelaufene, charakterlose Schnepfe verlassen zu müssen, dann SOLL ER DOCH GEHEN! Aber er soll nicht erwarten, dass ICH IHM NOCH WEITER BEIM SPIELEN ZUGUCKE! So. Das wäre geklärt. Und überhaupt.

Aber der Klopp, der alte Rhetorik-Fuchs, hatte mich dann doch irgendwie wieder gefangen. Und die Gene meiner Oma („Was bezahlt ist, wird gemacht/gegessen!“), die ziemlich laut immer wieder auf die mehr als 100 Euro hinwiesen, die ich für die Zugfahrkarte nach Dortmund bezahlt hatte.

Aber vor allem der beste Freund, der mir simste: „Morgen zeigen wir Charakter.“

Dazu mussten wir aber erst mal hinkommen, nach Dortmund, den Tempel, das Zentrum des schwarz-gelben Wahnsinns. Wir reisten aus beruflichen Gründen diesmal eher so sternfahrtmäßig an, der beste Freund aus dem Süden der Republik, ich aus dem Norden, beide mit engen Fahrplänen und neben den im Zug anzulegenden Fan-Devotionalien auch eine gehörige Portion Schiss im Gepäck, dass es zeitlich nicht reichen könnte. Dieser Reisemodalitäten habe ich mich in einem eigenen Beitrag gewidmet.

Doch wir waren beide (fast) rechtzeitig da, um eines der geilsten Spiele zu sehen, bei denen ich anwesend sein durfte. Als ob es nicht genug gewesen wäre, einmal gegen Madrid zu gewinnen, nein, die Jungs mussten noch einen draufsetzen und Mourinhos Mannschaft mit einem 4:1 vom Platz fegen. Und die Bayern, die am Vorabend Barcelona mit 4:0 geschlagen hatte, wieder ein bisschen auf den Boden holen. Ich hab ja keine Ahnung von Fußball, aber wenn der Schmelle anschließend sagt: „Wir haben uns noch innerhalb des Spiels weiterentwickelt“, dann wird er damit recht haben.

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Ganz zum Schluss vielleicht aber noch ein Wort zu den Fans. Ich hatte im Vorfeld wirklich Angst vor Pfiffen gegen Götze gehabt, die vielleicht das ganze Team runterziehen und das Spiel den Bach runtergehen lassen würden. Doch außer bei der Mannschaftsaufstellung hab ich keine gehört, und da auch nur ganz vereinzelt. Die Stimmung war wie immer magisch und unbeschreiblich. Ich bin stolz, dazugehören zu dürfen. Und so möchte ich mit dem schönsten Foto des Abends schließen, das ich nicht bewusst gemacht hab, sondern das entstand, als ich mitten in eine Jubeltraube gehalten hab. Echte Liebe.

Reus_Schmelle_Blog


4 responses to “Der Abend, an dem wir Charakter zeigten

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