Oh, Ihr Helden, wie Ihr mich nervt!

Eigentlich hatte ich gedacht, der Trend sei so langsam vorbei, aber es scheint mir immer noch an jeder Ecke ein Buch zu erscheinen, in dem ein junger oder (noch schlimmer) nicht mehr ganz so junger Mann sein Vaterwerden auf wahlweise empfindsame oder lustige Weise thematisiert.

Von werdenden Müttern scheint es nicht so viel Literatur dazu zu geben (und wenn doch, nervt sie mich meistens auch), denn während der Herr seine Empfindungen empfindet, wenn neues Leben auf die Welt kommt, ist die Mutter ja auch im Allgemeinen damit beschäftigt, eine Melone durch eine Öffnung zu drücken, die die Größe einer Zitrone hat, aber hey – was weiß ich schon? Ich hab ja keine Kinder und somit auch keine Ahnung.

Aber ich bin ziemlich genervt von diesen empfindsamen Männern, die dauernd darauf rumreiten müssen, dass sie nun Vater sind – als ob das erste Kind für Frauen keine Umstellung wäre. Aber nein, halt – bei uns ist da ja genetisch programmiert, wir werden ja nur geboren, um Mutter zu werden und haben dann endlich unsere Erfüllung und unseren Lebenszweck gefunden. Der Mann dagegen muss nun lange Zeit darüber nachgrübeln, dass er nun „eine Familie ist“ und was das mit ihm macht.

Mein Vater übrigens wäre nie auf die Idee gekommen, so ein affiges Erfahrungsbuch zu schreiben, als ich auf die Welt kam. Mein Vater war nämlich ziemlich beschäftigt zu der Zeit. Und zwar damit, mich zu füttern, mir den Arsch abzuwischen, mich huckepack durch die Gegend zu schlüren, mit mir über den Sportplatz zu toben, Kotze aufzuwischen, Mathe zu üben und meine Puppen nach meiner genauen Anweisung ins Bett zu bringen, was in den 70ern nicht unbedingt selbstverständlich war. DAS ist ein Held, Ihr Luschen! DAS ist ein Mann, den man bewundern kann.


6 responses to “Oh, Ihr Helden, wie Ihr mich nervt!

  • Carola

    Aber Kirsten. Männer werden doch schon ausgiebig dafür gelohnt, wenn sie das Kind richtig herum halten. Das muss doch Auswirkungen haben (wenn auch nicht immer solche, das finde ich auch). Viel schlimmer und verlogener finde ich die stolzen Elternzeitväter, deren Frauen ebenso stolz verkünden, dass ihr Mann SOGAR Elternzeit nimmt. Wobei die komischerweise immer vergessen zu erwähnen, dass es die restlichen 12 Monate kein Elterngeld für Mutti geben würde, wenn Papi seine zwei Monate Urlaub mit Familie ausfallen lassen würde …

    • Kirsten

      Mein Papa hätte damals nicht nur Elternzeit genommen, der wäre sogar zu Hause geblieben, wenn es aus finanziellen Gründen Sinn gemacht hätte. Ha! :-)

      Und ja. Ich weiß, dass ich als Kinderlose keine Ahnung von irgendwas hab. Musste letzte Woche deswegen auch zwei Facebook-Freundinnen löschen, weil die mir das so gesagt haben. ;-)

      • Carola

        Pfft. Da bist du fast so schlimm dran wie ich. Ein Kind entfernt nur von Unwissenheit: Als „Einzelkindmutti“ darf ich keine Äußerungen tätigen, die nicht von einer geübten Wurfmaschine als praxistauglich abgesegnet werden :-))

        (Ich werde nie verstehen, wieso man sich nicht unterstützen statt kleinhalten kann, das ist so ein Frauendings der verzichtbaren Sorte)

  • wih8am

    Kinder sind für den heutigen Vater Statussymbole, die weit hinter Autos, Jobs, Freunden und i-phone rangieren. Präsentation ist das A und O unserer Zeit. Auch als Einzelkindmutti hat Frau schon mindestens zwei Kinder. Der Vorteil von Mehrkindmüttern ist, dass sie wissen, auf welches Kind sie gerne verzichten, managen sie doch ohnehin schon alles allein!

  • littlebinHH

    Kirsten, weil alles thematisiert werden muss. Und aus Gründen, die wih8am aufführt. Und ich würde noch einen Schritt weiter gehen: Kinder als Statussymbole war in den 2000ern total angesagt. Mittlerweile ist es die Elternzeit. Hey, das sind alles moderne Männer, die die Emazipation verstanden haben. Deswegen wird in den zwei Monaten Vaterzeit ja auch ne Reise gemacht und in der restlichen Zeit darf sich Mutti mit dem Kind allein rumschlagen.
    Ich glaube aber auch, dass unsere Väter in den 70ern die volle Breitseite Emazipation abbekommen haben und diese auch wirklich gelebt haben (kümmern wo geht). Allerdings waren damals die Strukturen noch nicht so, dass es sich Familien wirklich aussuchen konnten, wer zu Hause bleibt. Also blieben meistens doch die Frauen zu Hause und lebten – sicherlich nicht immer ganz freiwillig – das klassische Modell vor. Die Männer unserer Generation sind noch weniger emazipiert, wie wir Frauen was von Feminismus verstehen.
    Und für Männer von heute, die sich als Karriere-Getriebene (ich tätschel mal, wenn ich Zeit hab) fühlen, ist die Zeit mit dem (eigenen) Kind halt eine Erfahrung, die mitgeteilt werden muss. Wie Männer immer über alles reden, wenn sie meine Großartiges geleistet zu haben (ich sage nur Kochen: Milliarden Frauen kochen täglich Großartiges am eigenen Herd. Tut es ein Mann, muss er gleich ein Kochbuch schreiben). Möglicherweise eine Frage des Egos oder der Eigen-PR ;)

  • Shellie

    Hilfe, ich habe meine Erfüllung und meinen Lebenszweck noch nicht gefunden….. eieieieieieiei ;o)

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