Einen hab ich noch

Na, geht Euch das Thema schon auf den Zeiger? Gut.

Da möchte ich doch gerade noch mal die Gelegenheit nutzen, ein paar dumme „Argumente“ auseinanderzunehmen, die ich im Rahmen der Sexismus-Debatte gehört hab. Falls jemand dachte, ich hätte in meinem letzten Artikel alles gesagt – da kennt ihr mich aber schlecht. Hömma.

1. Och, darf man Euch Frauen denn jetzt gar keine Komplimente mehr machen? Gar nicht mehr so ein bisschen flirten?

Doch, das darf man, Ihr Vollpfosten und Vollpfostinnen. Jetzt tut mal nicht so, als könntet Ihr nicht zwischen einem netten Kompliment oder einem freundlichen Lächeln und einer sabbernden, unflätigen Anmachen unterscheiden. Ihr kennt die Grenzen sehr wohl, stellt Euch mal nicht dümmer dar, als Ihr seid.

Es gibt da jemanden in meinem Umkreis, der mir immer sagt, wenn ihm etwas gefällt, das ich anhabe. Das ist sehr lieb, und ich freue mich jedes Mal darüber. Der Mann ist liiert, hat Kinder, es wird nie was zwischen uns laufen. Er ist trotzdem nett zu mir (warum auch nicht, zum Teufel!), aber nie schmierig. Das geht. Man braucht halt nur ein Hirn dazu.

2. Aber Frauen sind auch sexistisch!

Ja, sind wir. Und? Fühlt sich das gut an? Nein? Ach! Deswegen wäre es schön, wenn wir einfach alle höflich zueinander wären.

3. Die Aktion #Aufschrei macht doch Frauen erst zu Opfern.

Nein. Sie bietet nur ein Forum dafür, sich zu äußern, zu erinnern, öffentlich zu machen, worüber viel zu lange geschwiegen wurde. Sie macht Frauen deutlich, dass sie nicht allein sind mit ihren Erfahrungen, dass sie kein Einzelfall sind. Das ist für viele eine neue Erfahrung. Man sollte das nicht kleinreden oder als „Einzelfälle“ abtun. Ein Fall ist ein Einzelfall, Zehntausende wohl bedauerlicherweise ein gesellschaftliches Problem.

Und um die große Philosophin Buffy Summers zu zitieren: „Ich habe Schlachten verloren, aber niemand hat mich je zu einem Opfer gemacht.“

4. Wehrt Euch doch einfach, meine Güte!

Tun wir ja auch. Aber wäre es nicht schön, wenn man sich gar nicht erst wehren müsste? Wenn alle nett und höflich miteinander umgingen?
Im Übrigen finde ich, dass #Aufschrei auch eine Art von sich wehren ist – warum findet Ihr das denn alle doof?

5. Man kann die Männer doch sowieso nicht ändern.

Ach so. Und deswegen sollen wir Frauen uns ändern, locker machen, den Stock aus dem Arsch nehmen? Uns in der U-Bahn und im Religionsunterricht betatschen lassen? Ach so. Nicht mit mir, vegesst es.

Und um noch ein Zitat zu bringen, das, wenn ich mich recht erinnere, aus einer Damenbekleidungswerbung stammt, als Frauen in der Werbung nicht hysterisch kreischten, wenn der Paketbote ankam: „Ich hab doch nicht sprechen gelernt, um jetzt den Mund zu halten.“

Und zuguterletzt möchte ich gern noch ein kleines Gedankenspiel bringen:

Wir stellen uns mal vier Situationen vor, Politiker und Journalisten abends spät an der Bar, es ist wohl schon Alkohol geflossen.

  • Rainer Brüderle sagt einer jungen Journalistin, sie könne ja sicher auch ein Dirndl ausfüllen.
  • Ursula von der Leyen* sagt einem jungen Journalisten, dass sein Gemächt in einer Lederhose sicher gut aussähe.
  • Claudia Roth* sagt einer jungen Journalistin, deren Oberweite sähe sicher in einem Dirndl gut aus.
  • Peer Steinbrück* sagt einem jungen Journalisten, dass dessen Gemächt sich in einer Lederhose sicher gut machte.

Drei davon sind wahlweise ziemlich schräg, seltsam, unprofessionell und irgendwie unangemessen, oder? Warum also sollen wir uns über das vierte „mal nicht so aufregen“?!

*Namen willkürlich gewählt. Ich entschuldige mich für die Bilder.


6 responses to “Einen hab ich noch

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