Und schon wieder Deutscher Meister, BVB!

Borussia Dortmund – Borussia Mönchengladbach 2:0

Ich habe schon viele schöne Momente im schönsten Stadion der Welt erlebt, aber es gibt einen Moment, bei dem ich nicht dabei war. Wenn irgendwann Zeitreisen möglich sind, würde ich gerne zum  30. April 2011 zurückreisen, und zwar zu dem Moment, in dem Nobby Dickel durchs Stadion-Mikro brüllt: „KÖLN FÜHRT ZWEINNULL!“ Denn das war der Moment, in dem klar war, dass Borussia Dortmund, zu dem Zeitpunkt auch 2:0 gegen Nürnberg in Führung, 2011 Deutscher Fußball-Meister werden würde. Meine Eltern waren im Stadion, ich saß in einem kleinen portugiesischen Café in der Weidenallee in Hamburg und flennte in einer Ecke still vor mich hin. Es waren zwar noch weitere Dortmund-Fans da, aber die wollten nicht mit mir reden, weil Frauen, die alleine am Samstag Fußball gucken, ja gestört sein müssen. Ich flennte also im Café, beim Radeln auf dem Weg nach Hause und beim Gucken der Sportschau. Ich konnte nicht fassen, was meine Jungs da geschafft hatten. Und auch wenn ich bei der Übergabe der Schale dabei war – dieser Moment, in dem klar war, dass wir wirklich Meister sind, der fehlt mir. Und das wollte ich in diesem Jahr unbedingt nachholen.

Die Vorzeichen standen allerdings nicht so doll. Bayern musste in Bremen unbedingt gewinnen, um uns nicht schon zum Meister zu machen, bevor überhaupt einer unserer Spieler einen Fuß auf den Rasen gesetzt hatte. Doch Bayern trat mit einer „B-Elf“ an und war mit dem Kopp vermutlich schon in Mailand oder Madrid. Und wenn wir vor dem Spiel schon Meister gewesen wären, hätte mir das meinen schönen Moment kaputt gemacht. Und mal ehrlich – sowas ist doch Mist. Ich habe eine Konkurrentin, nennen wir sie der Einfachheit halber mal die blöde Brigitte, die ich immer gerne schlage, weil sie mich nicht mehr grüßt, seitdem ich sie das erst Mal geschlagen hab. Und wenn die blöde Brigitte nun bei den Westfalenmeisterschaften in den Ring stiege, um sich gleich beim ersten Versuch was zu brechen und ich sie kampflos schlüge, hätte das aus sportlicher Sicht einen faden Beigeschmack. Und man mag sich doch auch gar nicht vorstellen, was der nette Herr Hoeneß wieder abgelassen hätte, wenn uns die Bayern mit einer Niederlage oder einem Unentschieden vorzeitig zum Meister gemacht hätten. Und warum ich Herrn Ribéry für die Bude doppelt dankbar war, erkläre ich zum Schluss noch mal genauer.

So war es doch viel schöner! So konnten wir zeigen, dass wir gegen den Zweiten, Dritten und Vierten der Liga gewinnen können und nachher unsere eigene Party feiern. Und es gab im Spiel eben diesen magischen Moment (oder sogar zwei Momente, einen dank Perišić, einen dank Kagawa), in dem ich wusste: „JETZT sind wir Meister, jetzt sind wir durch, jetzt kann nichts mehr schiefgehen.“ Den hätte ich mir ungern nehmen lassen, zumal das noch die perfideste Rache der Bayern gewesen wäre.

Ich wollte diesen Moment, ich wollte ihn Sekunde für Sekunde auskosten:

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(YouTube meldete übrigens, dass das Video verwackelt sei. Ja, kein Wunder – selbst ich kann nicht gleichzeitig vor Freude heulen und die Kamera gerade halten, Mensch.)

Und wer weiß, ob diese Party nach dem Spiel so ausgefallen wäre, wie sie es tat.

Wer weiß, ob wir Herrn Hummels so entfesselt gesehen hätten, wie zumindest ich ihn noch nie gesehen hab:

Wer weiß, ob die Party nach dem Spiel wirklich dieselbe gewesen wäre.

Es gab aber auch Szenen, die betroffen machten. Der junge Herr Leitner scheint mir einen noch nicht sehr gefestigten Charakter zu haben. Wie anders ist es zu erklären, dass er grinsend Anlauf nimmt,

um dem netten Herrn Schmelzer mit Schmackes in den Allerwertesten zu treten?! Sowas gehört sich doch nicht!

Oder wie eine Horde Hools einen bekanntermaßen sportinvaliden älteren Brillenträger quer über das halbe Feld hetzt,

um ihn unter den Blicken der gaffenden Menge mit Bier zu foltern:

Um mit einem befreundeten BVB-Fan zu sprechen: Da muss die Liga eingreifen!

Aber im Ernst: Jungs, ich bin schon wieder so stolz auf euch, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Und so richtig auf der Kette hab ich es immer noch nicht, was da am Samstag schon wieder passiert ist. Zumal ist mich ja von der Feier im vergangenen Jahr kaum erholt hatte. Ist das echt schon wieder so lange her? Egal. wir sehen uns am 5. Mai wieder. Und am 13. Aber sowas von!

Und nun noch die Erklärung dafür, warum ich Herrn Ribéry mehr als dankbar war, dass er die Bude noch gemacht hat. Denn für den Fall, dass das Spiel Bremen – Bayern um 17.20 Uhr unentschieden ausgegangen wäre und meine Kinder (haha!) mich mal gefragt hätten, was ich in dem Moment gemacht habe, hätte ich sagen müssen: „Mutti war im Westfalenstadion aufm Klo, pinkeln.“ Sowas taugt einfach nicht als Geschichte.


3 responses to “Und schon wieder Deutscher Meister, BVB!

  • Blinkfeuer

    Was? „“KÖLN FÜHRT ZWEINNULL!”“ war 2011, nicht 1911?
    Und, heute gelesen, den Fuß auf den Rasen gesetzt hatte Kringe seit 2 Jahren nicht mehr, auch Meister.
    Nicht Meister ist der Uli, aber um den habe ich mich beizeiten ja gekümmert…vor 6 Monaten, um mal genau zu sein, hehe

  • Kirsten

    Und Zidan war auch noch dabei, auch Meister. :-)

  • Blinkfeuer

    Gut aber, dass das ZDF sparen muss. Dann darf der dicke Junge von SAT1 sein -Bayern ist so viel besser., auch wenn nur 2. in der Liga—- Gelaber im Pay TV versenken. Habe mich noch nie aufs ZDF gefreut… aber wenn Aphorismenschaukel Wolff Fuss weg ist…DANKE, GEZ!

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