52 Songs/17 – Kneipe/Bar

Woche 17 beim Songprojekt und zwar mit dem Thema „Kneipe/Bar“.

Das ist doch mein Thema, prost! Und deswegen  muss ich auch erst ein bisschen was dazu schreiben, bevor ich ein Lied poste. (Vor allem muss ich was schreiben, weil ich hoffe, dass mir bis zum Ende des Textes eingefallen ist, wie Titel und Interpret des Songs lauten, den ich posten möchte. Kinder, lasst die Finger vom Alkohol, der macht ungute Dinge mit den Gehirnzellen.)

Aber ich kann nichts dafür, ich bin quasi in einer Kneipe aufgewachsen. Der beste Lippstadt-Opa von allen schleppte mich im zarten Alter von drei Jahren nach Spielen von Teutonia Lippstadt gern mal mit nach Fernhomberg. (Nein, es heißt nicht „zu“, es heißt „nach Fernhomberg“ – mit kurzem „a“.) Dort durfte ich manchmal zu Luzie hinter die Theke und Süßigkeiten abstauben. Wenn man frühkindlich so geprägt wird, dass eine Kneipe dermaßen positiv besetzt ist, ist eigentlich klar, wohin einen der Weg führt. Korn, Bier, Schnaps, Wein, Tod, Schande über die Familie, Verderben. Allerdings verdankte ich meinem Opa auch die Fähigkeit, mit drei großen Bier intus noch geradeaus sprechen zu können, weswegen ich vielleicht immer noch nicht komplett im Verderben angekommen bin. Was ich damals auch lernte, war, die Galgenvögel an der Theke auseinanderhalten zu können. Wenn ich nach einem Tag bei Opa und Fernhomberg nach Hause kam, fragten meine Eltern immer, wer denn noch dagewesen sei  – um sich dann darüber zu amüsieren, wenn ich ohne zu stottern aufzählen konnte: „Künstlers Karl, Meiers Peter und Stockmanns Fitty“.

Leider oder zum Glück ging meine Kneipenkarriere nicht so weiter. Während zu Schulzeiten der Legende nach alle Mitschüler abends in Kneipen rumhingen und sich mordsmäßig abschädelten, saß ich zu Hause und schrieb Geschichten. Aber es hat ja heutzutage jeder so seinen Knick im Lebenslauf.

Mit Kneipengehen fing ich also erst im Studium wieder an. Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich die Hälfte meiner Studienzeit in Kneipen zugebracht – was vor allem daran lag, dass es in Marburg so viele schöne gab und da im Gegensatz zu Lippstadt keine Leute drinsaßen, die ich nicht mochte. Marburg hat alle möglichen Kneipen: in alten Kellern, draußen unter Bäumen, mit Freunden hinter der Theke (Freibier, Baby!), zickigen Bedienungen oder schönen Namen wie „Delirium“ oder „Destille“. Da saßen wir dann, wir coolen Germanistik-Säue, redeten Unsinn, fanden uns ziemlich super und alle anderen geisteswissenschaftlichen Studenten ziemlich doof.

Als ich mein Volontariat anfing und in meine Heimatstadt zurückging, ging das mit den Kneipen eigentlich genauso weiter. Und endlich konnte ich mal in all die Läden gehen, für die ich zu Schulzeiten zu langweilig und uncool gewesen war. Die meiste Zeit verbrachten wir in Joe’s Garage in der Poststraße – da schleppe ich auch heute noch meine Gäste hin. Also die, von denen ich weiß, dass sie cool genug dafür sind. Bei Joe’s ist es manchmal ein bisschen eng, schwummerig beleuchtet und manchmal auch laut. An der Theke sitzen Gestalten, denen man mit neumodischem Zeug wie Prosecco oder Cocktails mit Schirmchen drin nicht anzukommen braucht, die aber immer einen schmutzigen Witz auf Lager haben. Vor allem aber ist es bei Joe’s nicht so geleckt, was ich sehr angenehm finde. Denn nach einem harten Arbeitstag in der Salpetermine Redaktion riecht man schon mal ein bisschen unter den Armen. Doch eines Abends, ich war bereits fertig mit dem Volontariat, wurde mein Vorschlag, doch mal wieder zu Joe’s zu gehen, mit der genölten Begründung „Aber da ist es doch immer so dreckig“ von einem Mitvolontär abgelehnt. Falls sich die Leser fragen, ab wann es mit der Zeitung bergab ging – genau ab da.

Ma ehrlich – ist es nicht vollkommen Latte, wenn auf dem Boden einer Kneipe vielleicht der ein oder andere Bierdeckel in einer klitzekleinen Bierlache liegt – solange man nach zwei Jahren Abwesenheit wieder in den Laden kommt und die Bedienung fragt „Detmolder wie immer, nä?“, ist doch alles fein.

Und da mir immer noch nicht eingefallen ist, wie das Lied heißt, das ich eigentlich posten wollte, eben das hier:

Passt auch. Und getz nich lang schnacken … Ihr wisst schon.

10 Gedanken zu “52 Songs/17 – Kneipe/Bar

  1. Jau, Marburger Kneipen, das geht. Vor allem, wenn man das Glück hatte, nicht zu den Zeiten von Manni Breuckmann da rumzulungern. (Der versucht in seinem „Buch“ kneipentechnisch den Henscheid zu machen. Schalker eben)

    1. Stimmt ja, der hat da ja auch studiert. Aber sowas Uncooles wie Jura oder so. ;-)
      Und ehrlich gesagt mach ich den Manni ja ganz gerne leiden. Persönlich hab ich ja nix gegen Schalker. Oben erwähnter Opa war übrigens auch einer. :-)

      1. Den Reporter schon, aber seine Biographie nicht. Naja, lag beim Restpostenhandel vor, 20€ geb ich da nie für.
        Hatte in Essen mal ’n paar Schalker Arbeitskollegen. Die kannten NUR S04…..keine Himmelsrichtungen, um gleich mal mit dem Komplizierten anzufangen. ;)

        1. Uuuh, solche Leute sind unangenehm. Kenn ich zum Beispiel mit HSV – da kenn ich nur zwei vernünftige Fans, und die sind miteinander verheiratet. Ich mag dieses Vernagelte ja nicht. Im Wochenenddienst gab es da für manchen Kollegen auch schon mal die eine oder andere härtere Ansage. ;-)

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